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High tech vagy low tech? | öko-retro-bio-grín

PRECHT DEUTSCH 29-39

2018. július 16. 17:43 - RózsaSá

je. In den 3D-Shops, in denen man seine fremd- oder selbst gebastelten Güter ausdruckt, werden geschickte Handwerker benötigt, die alles zusammensetzen oder abändern. Und auch die Roboter in den Haushalten der Zukunft brauchen jeman-den, der sie repariert. Nichtsdestotrotz dürfte die Tendenz klar sein. Sehr viele Berufe fallen in Zukunft weg. Von den »Jobs« des Niedrig-lohnsektors über einfache bis zu vergleichsweise anspruchs-vollen Dienstleistungsberufen. Und selbst wenn wir viele Be-rufe des neuen Arbeitsmarkts noch nicht kennen — daran zu glauben, dass die Beschäftigung konstant bleibt oder gar steigt, ist fahrlässig bis irrsinnig. Denn die Digitalisierung —und das unterscheidet sie von früheren industriellen Revolu-tionen — erobert kein neues Terrain, sondern sie macht beste-hendes effektiver. Das Solow-Modell, wie alle ökonomischen Weisheitslehren, ist kein Naturgesetz. Sehr wahrscheinlich ist, dass die Digitalisierung die Produktivität gewaltig beflügeln wird — auch wenn Solow hier persönlich skeptischer war als sein Theoriemodell. Aber was die Beschäftigung anbelangt, so muss diese nicht zwangsläufig dann steigen, wenn die Pro-duktion sich erhöht. Mindestens zwei Gründe sprechen stark dagegen. Die drei bisherigen industriellen Revolutionen gingen einher mit der Globalisierung. Als James Hargreaves 1764 die Spinnmaschi-ne erfand, fuhren die englischen und niederländischen Ost-und Westindiensegler bereits seit hundertfünfzig Jahren über die Weltmeere und handelten mit Gewürzen, Sklaven und —Baumwolle. Was die neue Technologie effektiv machte — das Spinnen von Baumwolle —, versorgte der globale Handel mit gewaltigem Nachschub. Noch waren die weit entfernten Län-der nur Rohstofflieferanten, doch der Imperialismus entdeck-te davon immer mehr. Was wäre der Kraftfahrzeugbau der

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zweiten industriellen Revolution ohne den Kautschuk, den Rohstoff für Gummi, den die Belgier unter barbarischen Um-ständen aus dem Kongo heranschafften? Die dritte industriel-le Revolution machte Südostasien zur verlängerten Werkbank der Textilindustrie, Brasilien und Argentinien zu Tierfutter-produzenten. Billige Fertigung und neue Absatzmärkte für Autos, Maschinen und Unterhaltungselektronik gingen Hand in Hand. In gleichem Maße wie die Wirtschaft effektiver produzier-te, vergrößerte sich das verfügbare Volumen von Rohstoffen und Absatzmärkten. Doch genau dieser Prozess gerät heute ins Stocken. Der Kampf um die letzten natürlichen Ressour-cen wird aktuell vom sogenannten Westen und von China gleichzeitig geführt. Wo früher wenige Länder unter sich wa-ren, konkurrieren heute die Volkswirtschaften von mehr als zwei Milliarden Menschen. Und dass völlig unterentwickelte Länder wie der Kongo, die Zentralafrikanische Republik, der Südsudan, Somalia oder Afghanistan künftig zu Tigerstaa-ten werden, denen die westlichen und fernöstlichen Hoch-leistungsländer ihre Produkte in Massen verkaufen werden, dürfte keiner glauben. Anders als hei den früheren techni-schen Revolutionen ist der Kuchen heute verteilt — es kommt nichts hinzu, was bei effektiverer Produktion zu mehr Beschäf-tigung führt! Apropos Produktion — der besondere Reiz vieler digita-ler Geschäftsmodelle liegt darin, dass sie im herkömmlichen Sinne gar nichts produzieren! Dies ist der zweite 1-7,in wand. Geschäfte über eine Plattform zu machen, statt über her. kömmliche Firmen oder Banken, erzeugt keinen Mehrwert. Das Gleiche gilt für das gezielte Bewerben des Konsumenten durch Ausschlachten von Personendaten. Unternehmerische Gewinne und volkswirtschaftlicher Nutzen von Maschinen,

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Autos, Flugzeugen, Bahntrassen, Straßen, Gebäuden und so weiter lassen sich zueinander in Bezug setzen. Die Gewin-ne von Facebook und Google zu ihrem volkswirtschaftlichen Nutzen nicht. Große Datenbestände maschinell zu verknüpfen und Entscheidungen aufgrund automatisierter Algorithmen zu treffen ist ein Riesengeschäft — fragt sich nur, für wen. »Wohl-stand für alle« schafft das nicht unbedingt, auch frappierend wenig Arbeitsplätze. Bei eBay in Deutschland arbeiten bei drei Milliarden Euro Umsatz gerade mal achtzig Beschäftigte, bei YouTube sind es noch viel weniger! Die Folgen wurden oft genug beschrieben: Ohne staatliche oder — besser noch — überstaatliche Ordnungspolitik und klu-ge politische Entscheidungen verstärkt die Digitalisierung vor allem Armut und Reichtum! Unreguliert vertieft sie den Keil in die Gesellschaft, den Soziologen seit Jahren ohnehin diagnos-tizieren und bemängeln: die Teilung der Mittelschicht in eine obere und eine untere Mittelschicht — fein geschieden durch Kapitalerträge, Erbschaften und ungleiche Bildungschancen ihrer Kinder. Und bereits die böse Vorahnung auf das Kom-mende wirbelt gegenwärtig viel braunschwarzen Bodensatz auf. Doch wer nimmt die Lage tatsächlich entsprechend ernst? Auf den Podien der Wirtschaftsforen tummeln sich Zukunfts-und Trendforscher und fordern zum ganz schnellen Umden-ken auf. Sie predigen die Berufe der Zukunft: Storyteller, Net-worker und Coaches, also Märchenerzähler, Strippenzieher und Betreuer — so als wenn eine Volkswirtschaft tatsächlich davon leben könnte! Nicht unberechtigt ermahnen sie junge Menschen zum Mut, »Entrepreneure« zu werden und ihr Boot nicht im vermeintlich sicheren Hafen großer Unternehmen zu vertäuen. Sie beklagen zu Recht, dass es in Deutschland an einer »Fehlerkultur« mangele, weil niemand scheitern dürfe.

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Ebenso richtig ist, dass wir zu sehr auf exzellente Noten und auf immer mehr Studien- und Fachabschlüsse setzen, statt zu fragen, was jemand wirklich kann. Und doch fehlt denen, die eine Inventur deutscher Gepflogenheiten fordern, viel zu oft das politische Denken. Ohne dieses ist alles, was in fast jeder-manns Ohr wohl klingt, nicht mehr als ein Versuch, mit der Luftpumpe die Windrichtung zu ändern. Politiker müssen mehr und anderes tun, als nur Bürokratie abzubauen. Was nützt es, wenn viele junge Deutsche den Mut zum Start-up aufbringen, wenn die sehr wenigen, die damit Erfolg haben, sofort von einem der fünf großen US-amerikani-schen Softwareunternehmen gekauft werden? Was tatsächlich fast überall passiert. Welches volkswirtschaftliche Problem ist damit gelöst, welche Arbeitsplätze werden damit geschaffen oder gesichert? Ein kurzer Blick über den Atlantik belehrt un-missverständlich darüber, dass eine hochinnovative Digital-wirtschaft von sich aus keine Volkswirtschaft rettet. Während das Silicon Valley boomt, stirbt die klassische Industrie über-all dahin und produziert Arbeitslosigkeit, Resignation und Trump-Wähler. Des Weiteren wird auch der kühnste Optimist nicht glauben, dass deutsche Unternehmen (mit Ausnahme vielleicht von SAP) in der Softwareentwicklung oder in sozia-len Netzwerken dem Silicon Valley unter gegenwärtigen poli-tischen Bedingungen ernsthaft Konkurrenz machen können, ohne sofort einverleibt zu werden.

Fast ein Jahrhundert hat es gebraucht, bis der ausgebeutete Hinterhof-Proletarier des 19. Jahrhunderts zum abgesicherten Arbeiter mit mehr als nur bescheidendem Wohlstand wurde. Nicht allein Unternehmergeist, sondern auch die auf Druck neu eingeführte Sozialgesetzgebung hat maßgeblich dazu beigetragen.

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Doch wer die Politik der Bundesregierung in den letzten Jahren, insbesondere des sozialdemokratisch geführten Arbeitsministeriums betrachtet, fahndet vergeblich nach guten Ideen. Sicher gibt es Menschen, die sich über einen Mindest-lohn freuen, und ja, Flächentarifverträge nutzen vielen Arbei-tern und Angestellten. Doch sie werden nichts davon haben, wenn es ihre Arbeitsplätze in ein bis zwei Jahrzehnten nicht mehr gibt. Was folgt auf die Gewerkschaften, wenn immer weniger Menschen angestellt arbeiten, sondern stattdessen ge-geneinander ihre Arbeitskraft auktionieren? Wer steht ihnen bei und stiftet gute alte Solidarität in einer völlig neuen Welt? Was heute und morgen ökonomisch dahinschmilzt, betrifft psychologisch das Selbstwertgefühl von Millionen Menschen. Noch definieren sie ihre Leistungsfähigkeit als Tugend, genau-er als »Tüchtigkeit« im Sinne einer strebsamen Arbeitsethik. Doch wir gehen Zeiten entgegen, in denen möglicherweise für sehr viele Menschen keine Arbeit mehr existiert — jedenfalls keine, für die jemand Lohn in Form von Geld zahlt. Für unser gegenwärtiges Sozialsystem wäre dies das Ende. Immer weni-ger Arbeitende müssen immer mehr einzahlen — bis zur Absur-dität. Was wird dann aus der Arbeitsgesellschaft? Drehen wir die Frage um. Warum sollte unsere bisherige so-genannte Leistungsgesellschaft weiter fortbestehen? Und was ist eigentlich schlimm daran, wenn langweilige und entfrem-dete Arbeit wegfällt, solange die Produktivität dadurch steigt? Seit Homo habilis und Homo erectus die ersten Faustkei-le zurechtklopften, träumte der Mensch davon, so viel Arbeit wie möglich durch die Technik einzusparen. Bedauerlicher-weise halfen dazu selbst die drei industriellen Revolutionen der Vergangenheit nicht weiter. Die Produktivität erhöhte sich, aber mit ihr wurden, wie gezeigt, zugleich immer mehr Arbeitskräfte benötigt.

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Vom Fortschritt zu weniger und angemessenerer Arbeit keine Spur! Noch im 19. Jahrhundert leb-ten 80 Prozent der Bevölkerung in England, Frankreich und Deutschland nicht besser als die Sklaven im antiken Rom. Sie waren politisch und privat nahezu rechtlos und starben mehr oder weniger schnell einen Tod durch Arbeit und Krankheit. Wie schön die Welt des Fabrikarbeiters nach der zweiten in-dustriellen Revolution aussah, zeigt der Film Moderne Zeiten von Charlie Chaplin. Der Arbeiter — nur ein Rad in einer gro-ßen Maschine. Wer trauert heute schon um die Arbeitswelt von früher? Um die Bergwerke und Stahlhöllen des späten 19. Jahrhunderts oder die Knochenarbeit auf den Feldern? Und wer wird in hundert Jahren den ungezählten langweiligen Bürojobs hinterhertrauern, die jetzt verloren gehen? Oder dem lauten, stinkenden und gefährlichen Straßenverkehr? Weniger zu arbeiten oder gar nicht mehr für Lohn arbei-ten zu müssen, ist ein Versprechen und kein Fluch — jedenfalls dann, wenn man in einer Kultur lebt, die sich entsprechend weiterentwickelt. Denn dass der Wert des Menschen abhängig ist von seiner Arbeitsleistung gegen Geld, ist keine anthropo-logische Konstante. Es ist ein ziemlich englisches Konzept des 17. Jahrhunderts, verbunden mit Namen wie William Petty, John Locke, Dudley North oder Josiah Child. Über Jahrtau-sende der Menschheitsgeschichte kannten Gesellschaften an-dere Tugenden und soziale Distinktionen. Warum sollten wir auf einer viel höheren Stufe der Produktivität nicht auch zu neuen Tugendbegriffen finden? Zum Problem wird Technologie also nicht schlichtweg da-durch, dass sie Lohnberufe ersetzt. Sondern vor allem dann, wenn sie unkontrolliert und zu unsittlichen Zwecken ange-wendet wird. Erschreckenderweise ist dies bei derzeit mäch-tigen Geschäftsmodellen leider oft der Fall. Die Informatiker, Programmierer und Netzwerkdesigner der Gegenwart arbeiten nicht an einer besseren Zukunft, sondern für den Gewinn weniger.

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Und sie verändern unser Leben und Zusammenleben ohne jede demokratische Legitimation. Das hunderttausend-fach wiederholte Versprechen ist, unser Leben einfacher zu machen und nicht demokratischer. Und schon das Verspre-chen des einfacheren Lebens ist uneinlösbar. Noch hat jeder Versuch, die Komplexität des Lebens zu verringern, diese wei-ter erhöht. Was wir der digitalen Technik und ihren Treibern tatsäch-lich verdanken, ist eine immer globalere Einheitszivilisation. Der digitale Code setzt sich spielend über Länder- und Kultur-grenzen hinweg und ebnet sie ein in einer technischen Univer-salsprache aus Einsen und Nullen, am Nil ebenso verständlich wie am Rhein und am Amazonas. Was winkt, ist die globale Einheitskultur mit alldem, was sich daran an Gewinnen beju-beln und an Verlusten betrauern lässt. Kulturell betrachtet ist jeder Fortschritt zugleich ein Rück-schritt. Die Biodiversität menschlicher Kultur wird immer klei-ner. Der Prozess begann mit dem Siegeszug des Effizienzden-kens, verstärkt durch sein mächtigstes Mittel: das Geld — der einzigen Sache, deren Qualität sich allein nach der Quantität bemisst. Wo das Geld regiert, verschwinden die Grenzen, aus beschaulichen Wochenmärkten wurden unübersehbare globa-le Märkte für Rohstoffe, Fertigprodukte und Spekulationen. Man tauscht Kultur gegen Wohlstand. Unsere Lebensweisen gleichen sich einander an, erst in Europa und Nordamerika, dann in Asien und dem Rest der Welt. Auch die sozialen Un-terschiede und Traditionen werden durch das Geld genichtet. Adlig oder bürgerlich, katholisch, protestantisch oder bud-dhistisch, Araber, Inder oder Deutscher, Frau oder Mann —das Geld macht keine Unterschiede, außer Arm und Reich. Wenn heute die Welt »flach« wird, wie der New York Times-

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Kolumnist Thomas Friedman 2005 in seinem Weltbestseller Die Welt ist flach kündete, dann ist sie nicht nur flach wie ein Bildschirm, sondern auch flach an Kultur.' Die Logik zur Einheitlichkeit ist die Logik des Geldes. Seit seiner Erfindung bei den Lydern im 6. vorchristlichen Jahr-hundert versucht es seine materiellen Grenzen zu sprengen. Entspricht der Wert des Geldes am Anfang noch seinem Ma-terialwert, wird es nach und nach zum reinen Symbol. Spä-testens mit der Einführung von Wechseln im 15. Jahrhundert und von Banknoten im frühen 18. Jahrhundert befreit sich das Geld völlig vom Realwert und wird virtuell. Kein Wunder, dass es sich in Kürze in den Industrieländern als Gegenstand auflöst und rein sphärisch wird: als bargeldloser Zahlungs-verkehr ohne irdischen Gegenwert, bewegt von Computern ohne Seele in den Millisekunden des Hochfrequenzhandels. Getrieben vom Effizienzdenken, das von Florenz aus über London und die Bucht von San Francisco die Welt für sich eingenommen hat, ebnen sich die globalen Unterschiede ein. An deren Ende steht das Bild des schlecht gekleideten Turn-schuh-Entrepreneurs, der keinen Stil, keine Haltung, keine Tradition mehr hat und verkörpert. Sein Versprechen an die Menschheit ist, dass jeder, wenn er denn schon in keiner eige-nen Kultur mehr lebt, zumindest in seiner eigenen Welt leben darf: selbst generiert durch die SuchbeWegungen im Netz, den Spuren und Pfaden im virtuellen Sand. Was früher der Wider-ständigkeit des Lebens ausgesetzt war, verwandelt sich in ein narzisstisches Spiegelkabinett, sorgsam gewartet von gesichts-losen Profiteuren im Hintergrund. Wenn diese Welt aus Welten bei vielen einen Schauder aus-löst, dann deshalb, weil sie doppelt paradox ist. Weithin sicht-bar baut sie die Hierarchien ab — und vertieft gleichwohl die Ungleichheit! Und je mehr Freiheit sie uns vor dem Spiegel

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verspricht, umso mehr nimmt sie uns auf der Rückseite. Be-troffen sind nichts Geringeres als die Werte der Aufklärung, auf deren Grundlage unsere Demokratie und Gesellschafts-ordnung steht. Marx' zeitlose Erkenntnis, dass alle wichtigen sozialen Prozesse stets »hinter dem Rücken« der Betroffenen in einem politisch unbewussten Raum stattfinden, bestätigt sich erneut. Es steht schlecht um die Werte der Aufklärung! Und jede Utopie einer Zukunftsgesellschaft muss sich fragen, wie sie ge-rettet werden können. Wenn das Ende der Lohnarbeit für viele nur dazu dient, ihre Daten statt ihrer Arbeitskraft verwerten zu lassen, verblasst das einzig große Versprechen, das die Di-gitalisierung anbietet: dass, mit Oscar Wilde gesagt, produk-tiver Individualismus die Kultur bestimmt und nicht entfrem-dete Lohnarbeit. Wer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutsch-land aufgewachsen ist, dem fällt es oft schwer zu glauben, dass die Geschichte der westlichen Kultur und ihre Art des Wirt-schaftens keine unendlich aufsteigende Linie sein soll. Zu be-stechend erscheint die Wohlstandsentwicklung vor allem in Deutschland, um am dauerhaften Segen unserer Wirtschafts-ordnung zu zweifeln. Wer das tut, gilt leicht als intellektuel-ler Miesepeter und bezeichnenderweise als »links «. Historisch betrachtet ist das ein verqueres Urteil. Denn der Glaube an den unaufhaltsamen technischen und wirtschaftlichen Fort-schritt ist tiefstes linkes Gedankengut! Die Technik sollte die Welt permanent besser machen und dabei auch dem Arbeiter zu Rechten, Absicherung, Bildung und Wohlstand verhelfen. Rechts beziehungsweise konservativ zu sein bedeutete dage-gen stets, die liberale und libertäre Entwicklung der westlichen Staaten als einen Verfall von Traditionen, Sitten und Werten zu betrachten.

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Die digitale Revolution verläuft heute völlig konträr zu die-sen in mehr als zwei Jahrhunderten lieb gewonnenen Freund-Feind-Linien von fortschrittlich/links und konservativ/rechts. Allgemein bedroht sie jede Form von Konservativismus in der Welt, ohne deshalb links zu sein. Ganz im Gegenteil, sie ist die radikalste Spielart, zu der kapitalistisches Wirtschaften über-haupt fähig ist, indem sie hinter dem Rücken ihrer milliarden-fachen Nutzer unsichtbare und undurchsichtige Geschäfte jen-seits jeder demokratischen Kontrolle macht. Sie manipuliert deren Verhalten in bunt und hübsch designten virtuellen Le-benswelten und übt eine Macht auf das Unterbewusstsein der Menschen aus, von der die Diktatoren des 20. Jahrhunderts nur träumen konnten. Und sie dringt in alle sozialen Räume vor, ins Auto, in die Wohnung, in Freundschaften und Liebes-beziehungen. Dass die ultimative Verwertung von allem, was sich an Men-schen gewinnbringend ausschlachten lässt, inhuman ist, darin dürften sich die meisten einig sein. Doch damit stellt sich für viele in reichen Ländern wie Deutschland ein Problem: Eine Wirtschaftsform, die man aufgrund ihrer Erfolge verständli-cherweise bejaht, paart sich mit einem Kultur- und Wertever-lust, den man ebenso nachvollziehbar betrauert. Was soll In-dividualität — also wörtlich: »Unteilbarkeit« — sein, wenn der Mensch in Millionen Daten zerlegt und als so gewonnenes Profil eingetütet und an die Meistbietenden verkauft wird, um ihn zu manipulieren, käufliche Dinge zu begehren? Spürbarer und sichtbarer noch sind der Lärm, die Geschwindigkeit, die Dauerwerbung und der Aufmerksamkeitsraub, die in die so-zialen Räume eindringen, ins gemeinsame Essen mit Kindern am Tisch, die Verbundenheit auflösen und Geborgenheit, Stil-le, Zurückgezogenheit und das »Bei-sich-Sein« zerschneiden. Kein Wunder, dass unserer Zeit trotz eines beispiellosen

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Wohlstands (wenn er auch immer schlechter verteilt ist) je-der Optimismus fehlt. Der Firmenchef, der seine Mitarbeiter mit flammenden Worten auf die digitale Zukunft einschwört, glaubt schon nach dem zweiten Glas Wein selbst nicht mehr so recht daran, dass alles gut oder gar besser wird. Ökono-misch betrachtet scheint die Welt gerade völlig aus den Fugen zu geraten. Die große Überforderung hat uns im Griff. Denn die Werte der Aufklärung zu verteidigen und Lebenswelten zu schützen kann niemand allein tun, kein Mensch und auch kein Unternehmen. Umso harscher und eindringlicher ergeht der Auftrag an die Politiker. Sie müssen uns helfen, die Zu-kunft lebenswert zu gestalten. Sind sie ihrer großen Heraus-forderung gewachsen?

je. In den 3D-Shops, in denen man seine fremd- oder selbst gebastelten Güter ausdruckt, werden geschickte Handwerker benötigt, die alles zusammensetzen oder abändern. Und auch die Roboter in den Haushalten der Zukunft brauchen jeman-den, der sie repariert. Nichtsdestotrotz dürfte die Tendenz klar sein. Sehr viele Berufe fallen in Zukunft weg. Von den »Jobs« des Niedrig-lohnsektors über einfache bis zu vergleichsweise anspruchs-vollen Dienstleistungsberufen. Und selbst wenn wir viele Be-rufe des neuen Arbeitsmarkts noch nicht kennen — daran zu glauben, dass die Beschäftigung konstant bleibt oder gar steigt, ist fahrlässig bis irrsinnig. Denn die Digitalisierung —und das unterscheidet sie von früheren industriellen Revolu-tionen — erobert kein neues Terrain, sondern sie macht beste-hendes effektiver. Das Solow-Modell, wie alle ökonomischen Weisheitslehren, ist kein Naturgesetz. Sehr wahrscheinlich ist, dass die Digitalisierung die Produktivität gewaltig beflügeln wird — auch wenn Solow hier persönlich skeptischer war als sein Theoriemodell. Aber was die Beschäftigung anbelangt, so muss diese nicht zwangsläufig dann steigen, wenn die Pro-duktion sich erhöht. Mindestens zwei Gründe sprechen stark dagegen. Die drei bisherigen industriellen Revolutionen gingen einher mit der Globalisierung. Als James Hargreaves 1764 die Spinnmaschi-ne erfand, fuhren die englischen und niederländischen Ost-und Westindiensegler bereits seit hundertfünfzig Jahren über die Weltmeere und handelten mit Gewürzen, Sklaven und —Baumwolle. Was die neue Technologie effektiv machte — das Spinnen von Baumwolle —, versorgte der globale Handel mit gewaltigem Nachschub. Noch waren die weit entfernten Län-der nur Rohstofflieferanten, doch der Imperialismus entdeck-te davon immer mehr. Was wäre der Kraftfahrzeugbau der

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zweiten industriellen Revolution ohne den Kautschuk, den Rohstoff für Gummi, den die Belgier unter barbarischen Um-ständen aus dem Kongo heranschafften? Die dritte industriel-le Revolution machte Südostasien zur verlängerten Werkbank der Textilindustrie, Brasilien und Argentinien zu Tierfutter-produzenten. Billige Fertigung und neue Absatzmärkte für Autos, Maschinen und Unterhaltungselektronik gingen Hand in Hand. In gleichem Maße wie die Wirtschaft effektiver produzier-te, vergrößerte sich das verfügbare Volumen von Rohstoffen und Absatzmärkten. Doch genau dieser Prozess gerät heute ins Stocken. Der Kampf um die letzten natürlichen Ressour-cen wird aktuell vom sogenannten Westen und von China gleichzeitig geführt. Wo früher wenige Länder unter sich wa-ren, konkurrieren heute die Volkswirtschaften von mehr als zwei Milliarden Menschen. Und dass völlig unterentwickelte Länder wie der Kongo, die Zentralafrikanische Republik, der Südsudan, Somalia oder Afghanistan künftig zu Tigerstaa-ten werden, denen die westlichen und fernöstlichen Hoch-leistungsländer ihre Produkte in Massen verkaufen werden, dürfte keiner glauben. Anders als hei den früheren techni-schen Revolutionen ist der Kuchen heute verteilt — es kommt nichts hinzu, was bei effektiverer Produktion zu mehr Beschäf-tigung führt! Apropos Produktion — der besondere Reiz vieler digita-ler Geschäftsmodelle liegt darin, dass sie im herkömmlichen Sinne gar nichts produzieren! Dies ist der zweite 1-7,in wand. Geschäfte über eine Plattform zu machen, statt über her. kömmliche Firmen oder Banken, erzeugt keinen Mehrwert. Das Gleiche gilt für das gezielte Bewerben des Konsumenten durch Ausschlachten von Personendaten. Unternehmerische Gewinne und volkswirtschaftlicher Nutzen von Maschinen,

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Autos, Flugzeugen, Bahntrassen, Straßen, Gebäuden und so weiter lassen sich zueinander in Bezug setzen. Die Gewin-ne von Facebook und Google zu ihrem volkswirtschaftlichen Nutzen nicht. Große Datenbestände maschinell zu verknüpfen und Entscheidungen aufgrund automatisierter Algorithmen zu treffen ist ein Riesengeschäft — fragt sich nur, für wen. »Wohl-stand für alle« schafft das nicht unbedingt, auch frappierend wenig Arbeitsplätze. Bei eBay in Deutschland arbeiten bei drei Milliarden Euro Umsatz gerade mal achtzig Beschäftigte, bei YouTube sind es noch viel weniger! Die Folgen wurden oft genug beschrieben: Ohne staatliche oder — besser noch — überstaatliche Ordnungspolitik und klu-ge politische Entscheidungen verstärkt die Digitalisierung vor allem Armut und Reichtum! Unreguliert vertieft sie den Keil in die Gesellschaft, den Soziologen seit Jahren ohnehin diagnos-tizieren und bemängeln: die Teilung der Mittelschicht in eine obere und eine untere Mittelschicht — fein geschieden durch Kapitalerträge, Erbschaften und ungleiche Bildungschancen ihrer Kinder. Und bereits die böse Vorahnung auf das Kom-mende wirbelt gegenwärtig viel braunschwarzen Bodensatz auf. Doch wer nimmt die Lage tatsächlich entsprechend ernst? Auf den Podien der Wirtschaftsforen tummeln sich Zukunfts-und Trendforscher und fordern zum ganz schnellen Umden-ken auf. Sie predigen die Berufe der Zukunft: Storyteller, Net-worker und Coaches, also Märchenerzähler, Strippenzieher und Betreuer — so als wenn eine Volkswirtschaft tatsächlich davon leben könnte! Nicht unberechtigt ermahnen sie junge Menschen zum Mut, »Entrepreneure« zu werden und ihr Boot nicht im vermeintlich sicheren Hafen großer Unternehmen zu vertäuen. Sie beklagen zu Recht, dass es in Deutschland an einer »Fehlerkultur« mangele, weil niemand scheitern dürfe.

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Ebenso richtig ist, dass wir zu sehr auf exzellente Noten und auf immer mehr Studien- und Fachabschlüsse setzen, statt zu fragen, was jemand wirklich kann. Und doch fehlt denen, die eine Inventur deutscher Gepflogenheiten fordern, viel zu oft das politische Denken. Ohne dieses ist alles, was in fast jeder-manns Ohr wohl klingt, nicht mehr als ein Versuch, mit der Luftpumpe die Windrichtung zu ändern. Politiker müssen mehr und anderes tun, als nur Bürokratie abzubauen. Was nützt es, wenn viele junge Deutsche den Mut zum Start-up aufbringen, wenn die sehr wenigen, die damit Erfolg haben, sofort von einem der fünf großen US-amerikani-schen Softwareunternehmen gekauft werden? Was tatsächlich fast überall passiert. Welches volkswirtschaftliche Problem ist damit gelöst, welche Arbeitsplätze werden damit geschaffen oder gesichert? Ein kurzer Blick über den Atlantik belehrt un-missverständlich darüber, dass eine hochinnovative Digital-wirtschaft von sich aus keine Volkswirtschaft rettet. Während das Silicon Valley boomt, stirbt die klassische Industrie über-all dahin und produziert Arbeitslosigkeit, Resignation und Trump-Wähler. Des Weiteren wird auch der kühnste Optimist nicht glauben, dass deutsche Unternehmen (mit Ausnahme vielleicht von SAP) in der Softwareentwicklung oder in sozia-len Netzwerken dem Silicon Valley unter gegenwärtigen poli-tischen Bedingungen ernsthaft Konkurrenz machen können, ohne sofort einverleibt zu werden.

Fast ein Jahrhundert hat es gebraucht, bis der ausgebeutete Hinterhof-Proletarier des 19. Jahrhunderts zum abgesicherten Arbeiter mit mehr als nur bescheidendem Wohlstand wurde. Nicht allein Unternehmergeist, sondern auch die auf Druck neu eingeführte Sozialgesetzgebung hat maßgeblich dazu beigetragen.

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Doch wer die Politik der Bundesregierung in den letzten Jahren, insbesondere des sozialdemokratisch geführten Arbeitsministeriums betrachtet, fahndet vergeblich nach guten Ideen. Sicher gibt es Menschen, die sich über einen Mindest-lohn freuen, und ja, Flächentarifverträge nutzen vielen Arbei-tern und Angestellten. Doch sie werden nichts davon haben, wenn es ihre Arbeitsplätze in ein bis zwei Jahrzehnten nicht mehr gibt. Was folgt auf die Gewerkschaften, wenn immer weniger Menschen angestellt arbeiten, sondern stattdessen ge-geneinander ihre Arbeitskraft auktionieren? Wer steht ihnen bei und stiftet gute alte Solidarität in einer völlig neuen Welt? Was heute und morgen ökonomisch dahinschmilzt, betrifft psychologisch das Selbstwertgefühl von Millionen Menschen. Noch definieren sie ihre Leistungsfähigkeit als Tugend, genau-er als »Tüchtigkeit« im Sinne einer strebsamen Arbeitsethik. Doch wir gehen Zeiten entgegen, in denen möglicherweise für sehr viele Menschen keine Arbeit mehr existiert — jedenfalls keine, für die jemand Lohn in Form von Geld zahlt. Für unser gegenwärtiges Sozialsystem wäre dies das Ende. Immer weni-ger Arbeitende müssen immer mehr einzahlen — bis zur Absur-dität. Was wird dann aus der Arbeitsgesellschaft? Drehen wir die Frage um. Warum sollte unsere bisherige so-genannte Leistungsgesellschaft weiter fortbestehen? Und was ist eigentlich schlimm daran, wenn langweilige und entfrem-dete Arbeit wegfällt, solange die Produktivität dadurch steigt? Seit Homo habilis und Homo erectus die ersten Faustkei-le zurechtklopften, träumte der Mensch davon, so viel Arbeit wie möglich durch die Technik einzusparen. Bedauerlicher-weise halfen dazu selbst die drei industriellen Revolutionen der Vergangenheit nicht weiter. Die Produktivität erhöhte sich, aber mit ihr wurden, wie gezeigt, zugleich immer mehr Arbeitskräfte benötigt.

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Vom Fortschritt zu weniger und angemessenerer Arbeit keine Spur! Noch im 19. Jahrhundert leb-ten 80 Prozent der Bevölkerung in England, Frankreich und Deutschland nicht besser als die Sklaven im antiken Rom. Sie waren politisch und privat nahezu rechtlos und starben mehr oder weniger schnell einen Tod durch Arbeit und Krankheit. Wie schön die Welt des Fabrikarbeiters nach der zweiten in-dustriellen Revolution aussah, zeigt der Film Moderne Zeiten von Charlie Chaplin. Der Arbeiter — nur ein Rad in einer gro-ßen Maschine. Wer trauert heute schon um die Arbeitswelt von früher? Um die Bergwerke und Stahlhöllen des späten 19. Jahrhunderts oder die Knochenarbeit auf den Feldern? Und wer wird in hundert Jahren den ungezählten langweiligen Bürojobs hinterhertrauern, die jetzt verloren gehen? Oder dem lauten, stinkenden und gefährlichen Straßenverkehr? Weniger zu arbeiten oder gar nicht mehr für Lohn arbei-ten zu müssen, ist ein Versprechen und kein Fluch — jedenfalls dann, wenn man in einer Kultur lebt, die sich entsprechend weiterentwickelt. Denn dass der Wert des Menschen abhängig ist von seiner Arbeitsleistung gegen Geld, ist keine anthropo-logische Konstante. Es ist ein ziemlich englisches Konzept des 17. Jahrhunderts, verbunden mit Namen wie William Petty, John Locke, Dudley North oder Josiah Child. Über Jahrtau-sende der Menschheitsgeschichte kannten Gesellschaften an-dere Tugenden und soziale Distinktionen. Warum sollten wir auf einer viel höheren Stufe der Produktivität nicht auch zu neuen Tugendbegriffen finden? Zum Problem wird Technologie also nicht schlichtweg da-durch, dass sie Lohnberufe ersetzt. Sondern vor allem dann, wenn sie unkontrolliert und zu unsittlichen Zwecken ange-wendet wird. Erschreckenderweise ist dies bei derzeit mäch-tigen Geschäftsmodellen leider oft der Fall. Die Informatiker, Programmierer und Netzwerkdesigner der Gegenwart arbeiten nicht an einer besseren Zukunft, sondern für den Gewinn weniger.

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Und sie verändern unser Leben und Zusammenleben ohne jede demokratische Legitimation. Das hunderttausend-fach wiederholte Versprechen ist, unser Leben einfacher zu machen und nicht demokratischer. Und schon das Verspre-chen des einfacheren Lebens ist uneinlösbar. Noch hat jeder Versuch, die Komplexität des Lebens zu verringern, diese wei-ter erhöht. Was wir der digitalen Technik und ihren Treibern tatsäch-lich verdanken, ist eine immer globalere Einheitszivilisation. Der digitale Code setzt sich spielend über Länder- und Kultur-grenzen hinweg und ebnet sie ein in einer technischen Univer-salsprache aus Einsen und Nullen, am Nil ebenso verständlich wie am Rhein und am Amazonas. Was winkt, ist die globale Einheitskultur mit alldem, was sich daran an Gewinnen beju-beln und an Verlusten betrauern lässt. Kulturell betrachtet ist jeder Fortschritt zugleich ein Rück-schritt. Die Biodiversität menschlicher Kultur wird immer klei-ner. Der Prozess begann mit dem Siegeszug des Effizienzden-kens, verstärkt durch sein mächtigstes Mittel: das Geld — der einzigen Sache, deren Qualität sich allein nach der Quantität bemisst. Wo das Geld regiert, verschwinden die Grenzen, aus beschaulichen Wochenmärkten wurden unübersehbare globa-le Märkte für Rohstoffe, Fertigprodukte und Spekulationen. Man tauscht Kultur gegen Wohlstand. Unsere Lebensweisen gleichen sich einander an, erst in Europa und Nordamerika, dann in Asien und dem Rest der Welt. Auch die sozialen Un-terschiede und Traditionen werden durch das Geld genichtet. Adlig oder bürgerlich, katholisch, protestantisch oder bud-dhistisch, Araber, Inder oder Deutscher, Frau oder Mann —das Geld macht keine Unterschiede, außer Arm und Reich. Wenn heute die Welt »flach« wird, wie der New York Times-

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Kolumnist Thomas Friedman 2005 in seinem Weltbestseller Die Welt ist flach kündete, dann ist sie nicht nur flach wie ein Bildschirm, sondern auch flach an Kultur.' Die Logik zur Einheitlichkeit ist die Logik des Geldes. Seit seiner Erfindung bei den Lydern im 6. vorchristlichen Jahr-hundert versucht es seine materiellen Grenzen zu sprengen. Entspricht der Wert des Geldes am Anfang noch seinem Ma-terialwert, wird es nach und nach zum reinen Symbol. Spä-testens mit der Einführung von Wechseln im 15. Jahrhundert und von Banknoten im frühen 18. Jahrhundert befreit sich das Geld völlig vom Realwert und wird virtuell. Kein Wunder, dass es sich in Kürze in den Industrieländern als Gegenstand auflöst und rein sphärisch wird: als bargeldloser Zahlungs-verkehr ohne irdischen Gegenwert, bewegt von Computern ohne Seele in den Millisekunden des Hochfrequenzhandels. Getrieben vom Effizienzdenken, das von Florenz aus über London und die Bucht von San Francisco die Welt für sich eingenommen hat, ebnen sich die globalen Unterschiede ein. An deren Ende steht das Bild des schlecht gekleideten Turn-schuh-Entrepreneurs, der keinen Stil, keine Haltung, keine Tradition mehr hat und verkörpert. Sein Versprechen an die Menschheit ist, dass jeder, wenn er denn schon in keiner eige-nen Kultur mehr lebt, zumindest in seiner eigenen Welt leben darf: selbst generiert durch die SuchbeWegungen im Netz, den Spuren und Pfaden im virtuellen Sand. Was früher der Wider-ständigkeit des Lebens ausgesetzt war, verwandelt sich in ein narzisstisches Spiegelkabinett, sorgsam gewartet von gesichts-losen Profiteuren im Hintergrund. Wenn diese Welt aus Welten bei vielen einen Schauder aus-löst, dann deshalb, weil sie doppelt paradox ist. Weithin sicht-bar baut sie die Hierarchien ab — und vertieft gleichwohl die Ungleichheit! Und je mehr Freiheit sie uns vor dem Spiegel

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verspricht, umso mehr nimmt sie uns auf der Rückseite. Be-troffen sind nichts Geringeres als die Werte der Aufklärung, auf deren Grundlage unsere Demokratie und Gesellschafts-ordnung steht. Marx' zeitlose Erkenntnis, dass alle wichtigen sozialen Prozesse stets »hinter dem Rücken« der Betroffenen in einem politisch unbewussten Raum stattfinden, bestätigt sich erneut. Es steht schlecht um die Werte der Aufklärung! Und jede Utopie einer Zukunftsgesellschaft muss sich fragen, wie sie ge-rettet werden können. Wenn das Ende der Lohnarbeit für viele nur dazu dient, ihre Daten statt ihrer Arbeitskraft verwerten zu lassen, verblasst das einzig große Versprechen, das die Di-gitalisierung anbietet: dass, mit Oscar Wilde gesagt, produk-tiver Individualismus die Kultur bestimmt und nicht entfrem-dete Lohnarbeit. Wer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutsch-land aufgewachsen ist, dem fällt es oft schwer zu glauben, dass die Geschichte der westlichen Kultur und ihre Art des Wirt-schaftens keine unendlich aufsteigende Linie sein soll. Zu be-stechend erscheint die Wohlstandsentwicklung vor allem in Deutschland, um am dauerhaften Segen unserer Wirtschafts-ordnung zu zweifeln. Wer das tut, gilt leicht als intellektuel-ler Miesepeter und bezeichnenderweise als »links «. Historisch betrachtet ist das ein verqueres Urteil. Denn der Glaube an den unaufhaltsamen technischen und wirtschaftlichen Fort-schritt ist tiefstes linkes Gedankengut! Die Technik sollte die Welt permanent besser machen und dabei auch dem Arbeiter zu Rechten, Absicherung, Bildung und Wohlstand verhelfen. Rechts beziehungsweise konservativ zu sein bedeutete dage-gen stets, die liberale und libertäre Entwicklung der westlichen Staaten als einen Verfall von Traditionen, Sitten und Werten zu betrachten.

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Die digitale Revolution verläuft heute völlig konträr zu die-sen in mehr als zwei Jahrhunderten lieb gewonnenen Freund-Feind-Linien von fortschrittlich/links und konservativ/rechts. Allgemein bedroht sie jede Form von Konservativismus in der Welt, ohne deshalb links zu sein. Ganz im Gegenteil, sie ist die radikalste Spielart, zu der kapitalistisches Wirtschaften über-haupt fähig ist, indem sie hinter dem Rücken ihrer milliarden-fachen Nutzer unsichtbare und undurchsichtige Geschäfte jen-seits jeder demokratischen Kontrolle macht. Sie manipuliert deren Verhalten in bunt und hübsch designten virtuellen Le-benswelten und übt eine Macht auf das Unterbewusstsein der Menschen aus, von der die Diktatoren des 20. Jahrhunderts nur träumen konnten. Und sie dringt in alle sozialen Räume vor, ins Auto, in die Wohnung, in Freundschaften und Liebes-beziehungen. Dass die ultimative Verwertung von allem, was sich an Men-schen gewinnbringend ausschlachten lässt, inhuman ist, darin dürften sich die meisten einig sein. Doch damit stellt sich für viele in reichen Ländern wie Deutschland ein Problem: Eine Wirtschaftsform, die man aufgrund ihrer Erfolge verständli-cherweise bejaht, paart sich mit einem Kultur- und Wertever-lust, den man ebenso nachvollziehbar betrauert. Was soll In-dividualität — also wörtlich: »Unteilbarkeit« — sein, wenn der Mensch in Millionen Daten zerlegt und als so gewonnenes Profil eingetütet und an die Meistbietenden verkauft wird, um ihn zu manipulieren, käufliche Dinge zu begehren? Spürbarer und sichtbarer noch sind der Lärm, die Geschwindigkeit, die Dauerwerbung und der Aufmerksamkeitsraub, die in die so-zialen Räume eindringen, ins gemeinsame Essen mit Kindern am Tisch, die Verbundenheit auflösen und Geborgenheit, Stil-le, Zurückgezogenheit und das »Bei-sich-Sein« zerschneiden. Kein Wunder, dass unserer Zeit trotz eines beispiellosen

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Wohlstands (wenn er auch immer schlechter verteilt ist) je-der Optimismus fehlt. Der Firmenchef, der seine Mitarbeiter mit flammenden Worten auf die digitale Zukunft einschwört, glaubt schon nach dem zweiten Glas Wein selbst nicht mehr so recht daran, dass alles gut oder gar besser wird. Ökono-misch betrachtet scheint die Welt gerade völlig aus den Fugen zu geraten. Die große Überforderung hat uns im Griff. Denn die Werte der Aufklärung zu verteidigen und Lebenswelten zu schützen kann niemand allein tun, kein Mensch und auch kein Unternehmen. Umso harscher und eindringlicher ergeht der Auftrag an die Politiker. Sie müssen uns helfen, die Zu-kunft lebenswert zu gestalten. Sind sie ihrer großen Heraus-forderung gewachsen?

 

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PRECHT 29-39 OLDAL

2018. július 16. 17:00 - RózsaSá

A 3D-shop-okban, ahol idegen és saját barkácsolt tárgyakat lehet kinyomtatni, ügyes kézművesek szükségeltetnek, akik mindent összeraknak vagy átépítenek. A háztartási robotok megjavításához is kell majd a jövőben valaki.

Ennek ellenére a tendencia világos. A jövőben sok foglalkozás fog eltűnni, kezdve az alacsonybérszektor „job”-jaitól az aránylag igényesebb szolgáltatásokig. Ha még nem is ismerjük az új munkapiac sok foglalkozását – azt hinni, a foglalkoztatás állandó marad, vagy még emelkedik is, felelőtlenség vagy őrültség. Mert a digitalizálás – a korábbi ipari forradalmaktól eltérően – nem új területeket hódít meg, hanem már meglevőket tesz hatékonyabbá. A Solow-modell, mint minden gazdasági bölcseleti tan, nem természeti törvény. Nagyon valószínű, hogy a digitalizálás a produktivitást nagyon megdobja. Solow személyesen itt szkeptikusabb volt, mint elméleti modellje. Ami a foglalkoztatást illeti, ennek nem kell kényszerűen növekedni, ha a termelés növekszik.

Ez ellen legalább két ok szól. A 3. ipari forradalom a globalizálással karöltve futott föl. Amikor James Hargreaves 1764-ben a szövőgépet föltalálta, az angol és a holland vitorlások már 150 éve Ny.-Indiába utaztak és fűszerekkel, rabszolgákkal és gyapottal kereskedtek. Ami az új technológiákat hatékonnyá tette - a gyapot szövése – a globális kereskedelmet bőven elárasztotta áruval. A távoli országok még nyersanyag-források voltak, de az imperializmus ezekből egyre többet fedezett föl.

30 Mi lett volna a járműépítéssel kaucsuk nélkül, a gumi nyersanyaga nélkül, amit a belgák barbár körülmények között Kongóból hoztak ki? A 3. ipari forradalom Délkelet-Ázsiát a textilipar meghosszabbított gyártópadjává tette, Brazíliát és Argentínát pedig állat-táp termelővé. Az olcsó előállítás és az értékesítési piacok az autók, gépek és szórakoztatóipari elektronika számára egyszerre fejlődtek.

Amint a gazdaság hatékonyabban termelt, olyan mértékben nőtt a föltárt nyersanyagok tömkelege és piaca. Ám mára pont ez a folyamat fékeződik le. Az utolsó természeti forrásért folyó harc ma az ún. Nyugat és Kína között folyik. Ahol korábban kevés ország egymás között volt, ma több, mint 2 mrd lakos népgazdaságai versenyeznek egymással. És azt, hogy a teljesen fejletlen országok, mint Kongó, Szomália, Dél-Szudán vagy Afganisztán a jövőben kis tigrisekké válnak, senki sem hinné. A torta – ellentétben a korábbi technikai forradalmakkal – ma már el van osztva. Semmi nem jön hozzá, ami a hatékonyabb termelésnél emelné a foglalkoztatást! Apropó produkció: sok digitális üzletmodell vonzereje abban rejlik, hogy eredeti értelemben nem is termelnek semmit! Ez a második ellenvetés. Régi cégek és bankok helyett, egy platformon át üzletelni nem teremt hozzáadott értéket. Ugyanez érvényes a fogyasztók célzott megnyerése személyes adatainak kiaknázásával. Gépek, autók, repülők, sínek, utak, épületek vállalkozási nyereségei és népgazdasági hasznai egymással egybe vethetők.

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Nem így az eBay és a Google népgazdasági hozzájárulásai. Óriási adathalmazok gépi összekötése, automatikus algoritmusok alapján hozott döntések gigantikus üzleteket erdeményeznek – csak kérdés, kinek? Ebből nem lesz föltétlen „jólét mindenkinek”, munkahely is csak kevés. A német eBay 80 munkatársa 3 mrd euró forgalmat bonyolít le, a YouTube-nál még kevesebb alkalmazott.

A következmények elég gyakrabban olvashatók: állami – még jobban – államokfeletti rendpolitika és okos politikai döntések nélkül a digitalizálás elsősorban szegénységet és gazdagságot generál! A társadalom szétfeszítése a szabályozatlanság hiánya miatt egyre erősödik. Ezt a szociológusok már évek óta jelzik és kritizálják: a középosztály egy felső és egy alsó középosztályra hasad szét – tőkenyereségek, örökségek, gyerekeik egyenlőtlen oktatási esélyeik finoman választják el őket egymástól. A fölsejlő rossz jövő már most sok barna-fekete lerakódást kavar föl.

Ám a fenyegető helyzetet ki veszi komolyan? Gazdasági fórumokon jövő- és trendkutatók tolongnak és gyors fordulatot követelnek. Jövőfoglalkozásokról prédikálnak: storyteller, networker és coach-ok – vagyis mesemondók, hálósítók és gondozók - mintha egy társadalom ebből valóban meg tudna élni! Nem alaptalanul bátorítják a fiatalokat, legyenek „entrepreneure-”k és ne bízzák magukat az óriásvállalatok biztosnak hitt jövőjére. Okkal panaszolják, hogy No.-ban hiányzik a „hibakultúra”, tilos hibázni.

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Ugyanígy bírálandó, hogy sokat adunk a kitűnő jegyekre és a diplomákra, ahelyett, hogy azt kérdeznénk, mit is tud egyáltalán valaki? A német szokásleltárt átnézve, azt találjuk, hogy túl gyakran hiányzik a politikai gondolkodás. E nélkül minden jól hangzó lózunk olyan, mintha biciklipumpával próbálnánk a szélirányt megváltoztatni.

A bürokrácia lebontásán felül, a politikusok többet és mást tehetnének. Mit ér, ha sok német fiatal a start up-ba bele mer vágni, ha azon keveseket, akik sikeresek lesznek, az 5 óriás US szoftvercég azonnal fölvásárol? Ez tényleg mindenütt megtörténik. Ezzel vajon milyen népgazdasági probléma lesz megoldva, milyen munkahelyek létesülnek vagy szilárdulnak meg? Egy pillantással az USÁ-ba láthatjuk, hogy a leginnovatívabb digitális gazdaság sem ment meg semmilyen népgazdaságot. Míg Silicon Valley dübörög, a klasszikus ipar mindenütt halódik, munkanélkülieket, rezignációt és Trump-választókat produkálva. A legderűsebb optimista sem hiheti, hogy német vállalat (talán a SAP kivételével) a jelenlegi politikai föltételeknél, Silicon Valley szoftverfejlesztőivel, szociális hálózatépítőivel komolyan versenyezhet anlkül, hogy rögtön beolvasztanák.

*

Majdnem egy évszázad kellett ahhoz, hogy a kizsákmányolt hátsóudvar proletárja biztosított munkássá váljon, szerény jóléttel. Ez nemcsak a vállalkozói szellemnek egyedül volt köszönhető, hanem javarészt a nyomásra bevezetett szociális törvénykezésnek. Ám aki a szövetségi kormány politikáját, különösen a szociáldemokrata munkaügyi minisztériumét az utóbbi években követte, hiába keres jó ötleteket. A minimálbérnek biztosan sokan örülnek, az országos bérszerződések is sok munkásnak és alkalmazottnak jók. De ha a munkahelyek egy-két évtized alatt eltűnnek, a semmi marad. Mi zúdul majd a szakszervezetekre, ha egyre kevesebb embernek lesz munkahelye és munkaerejükre egymás ellen licitálnak? Ki áll melléjük és vállal régi jó szolidaritást ebben a teljesen új világban?

Ami ma és holnap gazdaságilag elolvad, milliók önérzetét sérti. Ma még teljesítőképességüket erénynek mondják, pontosabban „szorgosságnak”, stréber munkaetikus értelemben. Ám olyan idők felé tartunk, amikor nagyon sok embernek nem lesz munkája, legalábbis olyan, amiért bért kap pénz formájában. Ez lenne a jelenlegi szociális rendszerünk vége. Egyre kevesebb dolgozónak egyre többet kellene befizetni - az abszurditásig. Mi lesz akkor a munkatársadalomból?

Fordítsuk meg a kérdést. Miért létezzen továbbra is ez a mi ún. teljesítménytársadalmunk? Mi a rossz abban, ha az unalmas és elidegenítő munka eltűnik, míg ez alatt a termelékenység nő? Amióta a homo habilis és a homo erectus első kőbaltáját élesre pattintotta, az ember arról álmodik, hogy a technika minél több munkát le vegyen a válláról. Sajnálatos módon a 3. ipari forradalom ebben nem segített. A produktivitás megnőtt, de egyre több munkaerővel. A kevesebb és mértékletes munkának nyoma sincs! Anglia, Franciao. és No. lakosságának 80%-a még a XIX. században sem élt jobban, mint a római rabszolgák. Politikailag és privát szinte teljesen jogfosztottak voltak és lassan vagy gyorsan munka és betegség miatt meghaltak. Hogy a gyári munkás élete a 2. ipari forradalom után milyen szép volt, mutatja Charlie Chaplin filmje, a Modern idők. A munkás csak egy fogaskerék egy óriási gépben. Ki sírja vissza ma a régi munkahelyeket? A XIX. századi bányákat és acélpoklokat vagy a kegyetlen paraszti munkákat? És ki fogja gyászolni, 100 év múlva, a számtalan unalmas irodai munkát, melyek most megszűnnek? Vagy a zajos, bűzlő és veszedelmes utcai közlekedést?

Kevesebbet, vagy a jövőben nem pénzért dolgozni, egy ígéret és nem átok – legalábbis egy ilyen irányba fejlődött kultúrában. Hogy az ember értéke pénzben kifejezett munkateljesítményétől függ, ez nem antropológai állandó. Ez egy XVII. századi angol fölfogás, William Petty, John Locke, Dudley North vagy Josiah Child nevéhez köthető. A társadalmak az emberiség történetében évtizedekig más erényeket és szociális distinkciókat ismertek. Miért nem kellene nekünk is – sokkal magasabb termelékenységi fokon – új erényfogalmakat találni?

A technika tehát nem egyszerűen az által lesz problémás, hogy bérfoglalkozásokat szorít ki. Hanem mindenekelőtt akkor, ha ellenőrizetlenül és etikátlan célokra fordítják. Félelmetes módon sajnos ez a hatalmas társadalommodelleknél gyakran megesik. Ám jelenleg informatikusok, programozók és hálódesigner-ek nem egy jobb jövőn dolgoznak, hanem kevesek profitjáért.

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Életünket, együttélésünket minden demokratikus legitimáció nélkül változtatják. Százezerszer elhangzott ígéret: életünket egyszerűbbé, de nem demokratikusabbá tenni. Már az egyszerű élet ígérete sem teljesíthető. Minden kísérlet, az élet komplexitását csökkentsék, azzal járt, hogy inkább növelték.

Amit a digitális technikának és építőinek valóban köszönhetünk, az az egyre globálisabb egységcivilizáció. A digitális kód könnyedén átugrik ország- és kultúrahatárokon. Egy technikai egyesekből és nullákból álló univerzális nyelvvé fejlesztik, amely a Níluson éppen olyan jól érthető, mint a Rajnán vagy az Amazonas-on. Egy globális egységkultúra közeleg, nyereségeit ünneplik, veszteségeit gyászolják. Kulturálisan tekintve, minden haladás egyben egy visszalépés is. Az emberi kultúra biodiverziása egyre kisebb lesz. A folyamat a hatékonyság-gondolkodás győzedelmes vonulásával kezdődik, leghatalmasabb eszköze a pénz, egyetlen dolog, amelynek minőségét mennyiségével mérik. Ahol a pénz kormányoz, eltűnnek a határok, az átlátszó hetipiacokból átláthatatlan globális piacok lesznek, ahol nyersanyagok, késztermékek és spekulánsok bonyolítják a helyzetet. Kultúrát cserélnek jólétre. Életmódjaink egyre jobban hasonlítanak, először Európában és É.-Amerikában, aztán Ázsiában és a maradék világon. Szociális különbségek és hagyományok is a pénz áldozatává esnek. Nemes vagy polgári; katolikus, protestáns, vagy buddhista; arab, indiai vagy német, nő vagy férfi – a pénz nem tesz különbséget, csak szegénnyé vagy gazdaggá tesz. Ha ma a világ „lapos” lesz, ahogy a New York Times újságírója, Thomas Friedman írja 2005-ös sikerkönyvében („A világ lapos”) akkor kultúrálisan is laposodik (9).

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Az egységesítés logikája a pénz logikája. Föltalálása óta, Kr.e. a VII. században a lídeknél, mindig megkísérli anyagi határait szétfeszíteni. A pénz először anyagi értékének felel meg, később egyre inkább tisztán jelképes lesz. Legkésőbb a XV. századtól, a váltók és bankjegyek bevezetésétől, át a XVIII. századig a pénz teljesen megszabadul reálértékétől és virtuális lesz. Nem csoda, hogy az ipari államokban tárgyi alakját is elveszíti és teljesen szférikus lesz: készpénzmentes fizetés, földi ellenérték nélkül, lélek néküli számítógépek által mozgatva, milliszekundumok alatt a magasfrekvencia-kereskedelemben.

Hajtva az efficiencia-gondolkodástól, mely Firenzétől Londonon át, a San Francisco-i öbölig az egész világot meghódította, a globális különbségek eltűnnek. A végén ott áll a rosszul öltözött tornacipős entrepreneure, akinek sem stílusa, sem tartása, sem hagyománya. Az emberiségnek azt ígéri, ha már nem élhet a saját kultúrájában, legalább a saját világában élhet. Ezt ő maga teremti a hálón való keresgéléssel, nyomokkal és ösvényekkel a virtuális homokban. Ami régen az élet ellenállásának volt kitéve, egy narcisztikus tükörkabinetté válik, gondosan karbantartva arctalan profitőrök által a háttérben.

Ha ez a világ sokakban borzongást vált ki, ez azért van, mert kétszeresen paradox. Láthatóan tovább hierarchiákat bont le – és ezzel csak az egyenlőtlenséget növeli!

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És minél több szabadságot ígér nekünk a tükörben, annál többet vesz el tőlünk a másik oldalon. Nem kisebbről van szó, mint a felvilágosodás értékeiről, amelyre demokráciánkat és társadalmi rendünket alapozzuk. Marx időtlen fölismerése újból beigazolódik: minden fontos szociális folyamat az érintettek háta mögött dől el, egy politkailag öntudatlan térben.

A fölvilágosodás értékei veszélyben vannak! Minden jövőtársadalom-utópia rá kell, hogy kérdezzen, ezek hogyan menthetők meg? Ha a bérmunka sokaknak csak arra szolgál, hogy munkaereje helyett adatait érékesítsék, az egyedüli nagy ígéret elhalványul, amit a digitalizálás kínál. Oscar Wilde nyomán: A kultúrát a produktív individualizálás kell, hogy meghatározza, nem az elidegenített bérmunka.

Aki a XX. század második felében nőtt föl, nehezen esik elhinnie, hogy a nyugati kultúra története és gazdasági fejlődése nem kell, hogy egyenesen fölívelő vonal legyen. A jólét fejlődése túlságosan is csábító, főleg No.-ban ahhoz, hogy a gazdasági rendünk tartós áldásában kételkedjünk. Aki ezt teszi, könnyen értelmiségi nyafogónak számít és tipikusan „balosnak”. Ez történelmleg nézve egy ferde ítélet. A technika és a gazdaság föltartózhatatlan haladása hite nem mély baloldali gondolat! A technika a világot mindig jobbá kell, hogy tegye, miközben dolgozókat jogokhoz, biztosításhoz, oktatáshoz és jóléthez kell, hogy segítse. Ellenben jobbosnak ill. konzervatívnak lenni annyit tesz, a nyugati államok liberális és liberter fejlődését a hagyományok, az erkölcsök és értékek pusztulásaként látni. A digtális forradalom ma teljesen szembe megy ezzel a több, mint 200 éve kialakult kedvelt barát - ellenség, haladó/bal - konzervatív/jobb közötti frontvonalaknak. Minden konzervatívot fenyeget a világon, anélkül, hogy az „balos” lenne. Épp ellenkezőleg: ez a kapitalista gazdaság legradikálisabb játékmódja, fölhasználók milliárdjai háta mögött láthatatlan és átláthatatlan üzleteit minden demokratikus ellenőrzés nélkül bonyolítani. A digitalizálás manipulálja fölhasználók magatartását, tarka és csinosan megrajzolt digitális világok által az emberek tudatalattiját eluralja, amiről a XX. sz. diktárorai csak álmodhattak. Behatol minden szociális térbe, autóba, lakásba, barátságokba és szerelmi kapcsolatokba.

Azzal, hogy ez egy ultimatív kiárusítása mindennek, ami csak az emberekből profitábilisan kiszedhető, ezzel nagyobbjára mindenki egyetért. Ám ezzel sok olyan gazdag ország, mint No., egy probléma elé kerül: egy gazdasági forma, melyre sikerei alapján mindenki rábólint, olyan kultúra- és értékveszteséggel jár, amit épp úgy érthetően mindenki sajnál. Mi lesz az individualizmussal – szó szerint „oszthatatlanság” - ha az embert millió adatra szedik szét, az így nyert profilt zacskózzák és a legtöbbet kínálónak eladják. Csak azért, hogy az embereket manipulálhassák, vásárolható dolgok iránti sóvárgását fölkeltsék? Látható és érezhető a lárma, a sebesség, az állandó reklám, a figyelemrablás, ahogyan ezek szociális tereinkbe betörnek, családi étkezésekbe gyerekekkel az asztalnál, ahogy kötődéseket és gondoskodásokat, csendet, visszavonulásokat és „magunknál levést” széttörnek.

Nem csoda, hogy a mi időnk, példátlan jólétünk ellenére (ami egyre inkább rosszabbul lesz elosztva) minden optimizmusa hiányzik. A cégvezető, aki tüzes szavakkal a digitális jövőt isteníti, a második pohár bor után már ő maga sem hisz abban, hogy minden jól vagy még jobban menni fog. A nagy kihívás szorongat bennünket. A felvilágosodás értékeit megvédeni, életvilágokat óvni senki sem teheti egyedül, sem ember, sem vállalat. Tehát a megbízás a probléma megoldására nyomatékosan és sürgősen a politikusokra hárul. Ők kell, hogy segítsenek nekünk a jövőt élhetővé tenni. Vajon elég erősek-e ehhez a föladathoz?

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SZELÍD ENERGIA FÜZETEK - OSZK/MEK LETÖLTÉSEK

2018. július 08. 12:29 - RózsaSá

SZELÍD ENERGIA FÜZETEK – LETÖLTÉSEK OSZK-MEK

 

FŰTÉS 2514

ENERGIAMÉRLEGEK 1322

ENERGIEBILANCE 877

MOSÓGÉPEK 1901

ÖKOLABOR 2089

ENERGIAMENÜ 1866

ENERGIEMENÜ 1412

ENERGIAÖSVÉNY 1482

TARTÁLYKOLLEKTOR 3676

PILLEPALACK 2585

ROBINZON-HÁZ 2169

ROBINSON-HAUS

OBSZOLENCIA 526

 

SZELÍD ENERGIA FÜZETEK – LETÖLTÉSEK OSZK-MEK

 

FŰTÉS 2514

ENERGIAMÉRLEGEK 1322

ENERGIEBILANCE 877

MOSÓGÉPEK 1901

ÖKOLABOR 2089

ENERGIAMENÜ 1866

ENERGIEMENÜ 1412

ENERGIAÖSVÉNY 1482

TARTÁLYKOLLEKTOR 3676

PILLEPALACK 2585

ROBINZON-HÁZ 2169

ROBINSON-HAUS

OBSZOLENCIA 526

 

A sasadi tsz levele a pestiekhez: 7992 (NOL-fórum, kinyírták 2017.nov.)

A sasadi tsz levele a pestiekhez: 7992 (NOL-fórum, kinyírták 2017.nov.)

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FLASSBECK (DEUTSCH) 21-48

2018. július 08. 10:06 - RózsaSá

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überhaupt den Freihandel gibt, den die Liberalen beschwö-ren. Braucht man tatsächlich flexible Löhne und Preise, um den Herausforderungen der Globalisierung wirksam begegnen zu können? Und inwieweit überfordern uns heute tatsächlich die Sachverhalte, die unter dem Stich-wort der »Digitalisierung« diskutiert werden?

,Freihandel als Lösung?

Kaum ein Thema brachte in den letzten Jahren mehr Men-schen auf die Straße als TTIP, das geplante Freihandelsab-kommen zwischen den USA und der EU. Viele Menschen haben offenbar ein gutes Gespür dafür, dass bei solchen Abkommen wichtige Werte einer Ideologie geopfert wer-den. Auf der anderen Seite steht die große Mehrheit der Ökonomen, die »den Freihandel« mit Klauen und Zähnen verteidigt. Für sie ist der Freihandel absolut notwendig, da-mit die Wirtschaft effizient arbeitet.Wenn sich jedes Land, so die dahinterstehende Idee, auf die Herstellung der Gü-ter spezialisiert, die es am günstigsten produzieren kann, gewinnt die Welt insgesamt. Nichts ist den liberalen Ökonomen und Politikern so heilig wie der freie Handel. Er ist schließlich das Einzige, was die liberalen Ökonomen zur Erklärung des »Wohl-stands der Nationen« anzubieten haben. Diese »Theorie« basiert im Kern immer noch auf einer Doktrin, die der englische Ökonom David Ricardo vor 200 Jahren postu-liert hat. Damals befürchtete man, dass der freie Handel sogar schaden könnte, weil einige Länder in der Lage seien, alle handelbaren Produkte effizienter herzustellen. Um solche absolute Vorteile auszugleichen.

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müssten unterlegene Länder durch Protektionismus dafür sor gen; dass auch ihre Produzenten eine Überlebenschance hätten. Dagegen stellte David Ricardo sein berühmtes Prinzip; wonach es im internationalen Handel nicht auf die abso-luten, sondern auf die komparativen Vorteile ankomme. Wenn also, das ist ein Beispiel von Ricardo, in einem Land ein Produzent besonders gut Schuhe herstellt, ein Pro-duzent in einem anderen Land aber besonders effizient ist bei der Herstellung von Tuch, dann können die beiden selbst dann miteinander Handel treiben, wenn der Her-steller von Schuhen auch Tuch günstiger herstellen könn-te. Die Spezialisierung, also die Konzentration des Schuh-herstellers auf die Produktion von Schuhen und die des Tuchherstellers auf Tuch, würde für beide nach dem Aus-tausch ein insgesamt besseres Ergebnis erbringen. Schon dieses Beispiel zeigt, wie realitätsfern Ricardos Idee ist. Denn offenbar nimmt er an, dass der Schuster mit der Herstellung von Schuhen vollständig ausgelastet ist, so dass er gar nicht auf die Idee kommt, gleichzeitig Schuhe und Tuch zu produzieren. Es gibt aber in der wirklichen Welt keine voll ausgelastete Volkswirtschaft. Jeder wird, wenn er absolute Vorteile hat, alle Vorteile nutzen und sich nicht auf die Herstellung eines Produkts beschränken.

Zudem unterstellt Ricardo, dass — bei Vollbeschäfti-gung — die Entlohnung der Arbeitskräfte jederzeit und in allen beteiligten Ländern exakt die jeweilige Knappheit von Arbeit und Kapital widerspiegelt. Das ist eine weitere heroische Annahme. Für den internationalen Handel sind nämlich nominale Größen entscheidend, weil sie — zusam-men mit den Währungsrelationen — die für den Handel entscheidenden Preise bestimmen.

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Was passiert zum Beispiel, wenn, wie das sehr oft zu be-obachten ist, die Inflationsraten zwischen den Ländern weit auseinanderlaufen? Nehmen wir beispielsweise an, die Zuwächse der ausbezahlten Löhne in einem Land über-schritten den Produktivitätsfortschritt weit stärker als in einem anderen. Dann verteuern sich die Produkte des ers-ten Landes systematisch, und die Nachfrage nach diesen Produkten geht zurück, obwohl sich an den Knappheiten von Arbeit und Kapital nichts geändert hat bzw. beide vollkommen gleich sind. Es müsste dann zumindest einen funktionierenden Me-chanismus geben, der dafür sorgt, dass die weit auseinan-derlaufenden Preise und Löhne — in internationaler Wäh-rung gerechnet — ausgeglichen werden. Nun könnte man vermuten, dieser Mechanismus sei der Devisenmarkt. Die-se Vermutung ist jedoch falsch.Währungen sind heute zum Spielball von Spekulanten geworden und werden von ih-nen oft über Jahre in die vollkommen falsche Richtung getrieben, da sie Inflations- und Zinsdifferenzen in unter-schiedlichen Währungsräumen ausnutzen, um kurzfristi-ge Gewinne zu machen. Auf diese Weise werten die Wäh-rungen von Ländern mit hoher Inflation auf und die von Ländern mit niedriger Inflation ab, was genau das Gegen-teil dessen ist, was zum Handelsausgleich beitragen könn-te. Ricardos Verteidigung des Freihandels läuft also auch an dieser Stelle ins Leere. Damit aber nicht genug. Die neoklassische Theorie des internationalen Handels unterstellt zudem, dass Direktin-vestitionen (also die Verlagerung von Sachanlagen); die von Produzenten aus Ländern mit hoher Produktivität in Ländern mit niedriger Produktivität und niedrigen Löh-nen getätigt werden, jederzeit von den relativen Preisen

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von Arbeit und Kapital gelenkt werden. Man nimmt folg-lich an, dass der westliche -Produzent eines mobilen Tele-fonS, der seine Produktion nach China verlagert, für die Produktion in China eine völlig neue Technologie erfin-det, die wesentlich arbeitsintensiver als die zu Hause ver-wendete ist, um dem niedrigeren Preis von Arbeit in China Genüge zu tun. Diese Annahme ist nicht mehr fragwür-dig, sie ist lächerlich. Die neoklassische Gleichgewichtstheorie unterstellt, dass Unternehmen keinen Gewinn machen. Vor allem dürfen die Unternehmen in der neoklassischen Logik kei-nen Gewinn machen, der sich aus einem monopolisti-schen Vorsprung ergibt. Wenn also mobile Telefone in China produziert werden, dann wird nach dieser Vor-stellung die erfolgreiche westliche Technologie wegge-worfen, und man erfindet für China eine neue arbeitsin-tensivere Technologie. Mit der stellt man dann das gleiche Produkt in gleicher Qualität her und bietet es auf dem Weltmarkt genau zum gleichen Preis an. Damit verzichtet der Produzent — wiederum laut neo-klassischer Theorie — auf den Gewinn, den er gemacht hät-te, wenn er die höhere westliche Produktivität mit den niedrigeren chinesischen Löhnen kombiniert hätte. Dann hätte er nämlich seine Lohnstückkosten, also den Lohn pro Stunde, dividiert durch den (realen) Produktionswert pro Stünde, deutlich senken können. Diese Chance nimmt der Unternehmer jedoch nicht wahr, da er ja keinen »Ex-tra-Gewinn« machen darf. Direktinvestitionen haben heute so gewaltige Effekte, dass man zum Beispiel den chinesischen Handel in keiner Weise mehr mit dem Handel eines westlichen Industrie vergleichen kann Der chinesische Händel besteht

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nämlich zum großen Teil aus dem Handel mit Produkten westlicher Unternehmen, die ihren Standort in China ha-ben. Man schätzt, dass es sich bei sechzig bis siebzig Pro-zent der gesamten Exporte Chinas nicht um Exporte von chinesischen Unternehmen handelt, sondern um Exporte ausgelagerter westlicher Unternehmen. Dies zeigt, dass die klassische Begründung für den Freihandel nicht auf tö-nernen, sondern auf gar keinen Füßen steht. Daraus folgt, dass die gesamte Freihandelsideologie dieser Welt auf einer Theorie beruht, die nicht nur unrea-listisch, sondern eindeutig falsch ist. Der internationale Handel mag folglich frei sein, wir wissen jedoch nichts darüber, ob er auch effizient ist. Die Gleichsetzung von Effizienz und Freiheit ist es aber, die als Grund und Rechtfertigung für den Abschluss von TTIP und anderen Freihandelsvereinbarungen vorgetragen wird. Wir wissen folglich auch nicht, ob die Liberalisierung des Handels effizient ist. Die Idee, dass jeder Eingriff in den freien Handel schädlich und ineffizient ist, ist einfach falsch. Ein Land beispielsweise, das sich gegen massive Importe aus einem anderen Land wehrt, in dem Unter-nehmen mit extrem hohen Monopolgewinnen hohe Pro-duktivität mit niedrigen Löhnen kombinieren, ist nicht zu verurteilen. Eine dagegen gerichtete protektionistische Maßnahme kann insgesamt die Wohlfahrt auf der Welt verbessern, weil sie verhindert, dass im Prinzip gesunde Unternehmen im Inland durch solche Monopolgewinne geschädigt werden. Noch schlimmer als all diese Effekte ist, dass einige Län-der versuchen, in merkantilistischer Manier viel mehr zu exportieren, als sie importieren. »Globale Ungleichgewich-te« heißt dieses Phänomen, das in krassem Gegensatz zur

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Freihandelsdoktrin steht. Deutschland ist hier als soge-nannter Exportweltmeister der größte Sünder weltweit. Für den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg, den der internationale Handel für die beteiligten Länder hat, sind Überschüsse oder Defizite im Handel viel wichtiger als potenzielle »Produktivitätseffekte«. In Wirklichkeit gibt es, sobald nennenswerte und dauerhafte Außenhandels-salden auftreten, für die Handelspartner überhaupt keinen Anreiz mehr, mit einem Land Abkommen abzuschließen, das seine Überschüsse verteidigt. Weder gewaltige Wechselkursänderungen noch Direkt-investitionen noch Lohndumping sind Gegenstand der Freihandelsideologie. Das heißt, Verteidiger des Freihan-dels fällen ihre Urteile auf Basis einer Doktrin, die mit der realen Welt nichts zu tun hat. Was die globalisierte Wirtschaft viel dringender braucht als eine doktrinäre Auseinandersetzung über Handelspolitik, ist ein Wäh-rungssystem, das verhindert, dass sich einzelne Länder über Lohndumping oder ähnliche Maßnahmen über lan-ge Zeit ungerechtfertigte absolute Vorteile verschaffen können.

Rigide Löhne und die Drohung mit der Globalisierung

Die Liberalen haben in der Diskussion um die Folgen der Globalisierung schon früh die Agenda vorgegeben, mit einem gewaltigen politischen Paukenschlag und mit einer massiven Drohung zugleich. Weil, so ihre mit Aplomb vor-getragene These, nach dem Fall der Berliner Mauer viele Länder in Osteuropa und in Asien (mit China als einer neuen wirtschaftlichen Supermacht) ihre Grenzen für den

 

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Warenaustausch öffneten, könne der Westen nicht so wei-termachen wie bisher. Angesichts des Auftauchens neuer Teilnehmer an der internationalen Arbeitsteilung hätten sich die Knappheitsverhältnisse zwischen Kapital und Ar-beit in der gesamten Welt fundamental verändert. Weil in den Entwicklungs- und Transformationslän-dem Arbeit reichlich vorhanden, Kapital aber knapp sei, müssten sich die Preise für Kapital und Arbeit auf der glo-balen Ebene an diese neuen Knappheitsrelationen anpas-sen. Arbeit müsse billiger und Kapital teurer werden. Inflexible Löhne in den Industrieländern würden unwei-gerlich Arbeitslosigkeit nach sich ziehen.Verteilungskämp-fe in den reichen alten Ländern würden das Kapital außer Landes treiben, weil es immer die Alternative gebe, sein Kapital in einem aufstrebenden Staat anzulegen. Vermutlich hat keine These die internationale Diskus-sion um die Folgen der Globalisierung so stark dominiert wie diese einfache, ja primitive Ableitung, die sich direkt aus der neoklassischen »Theorie« eines »Arbeitsmarktes« ergab. Diese Theorie ist zwar nicht zu halten, aber die gegen sie vorgebrachten Argumente waren ebenfalls äu-ßerst dürftig. Der entscheidende Grund: Die »progressi-ven Ökonomen« weigerten sich, die neoklassische Arbeits-markttheorie vollständig zu verwerfen. Hätten sie sich von Anfang an nicht auf die Knappheitsverhältnis-These eingelassen, sondern die Rolle der Löhne als Stabilisator der inländischen Nachfrage hervorgehoben, hätten sie zeigen können, dass es keineswegs so ist, dass die chinesi-schen Arbeiter die Löhne in Deutschland mitbestimmen. In Wirklichkeit geht es bei der Öffnung der Märkte und damit bei der Globalisierung nur um Strukturwandel und um wirtschaftliche Dynamik. Beides kennt der Neoliberalismus nicht und für beides hat er folglich keine Ant-wort.

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Die große Angst

Die größte wirtschaftliche und politische Bedrohung un-serer modernen Gesellschaften geht ohne Zweifel von der Arbeitslosigkeit aus. Arbeitslosigkeit ist zu Recht für vie-le Beobachter wie für die Betroffenen selbst der entschei-dende Hinweis darauf, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher. Doch die Folgerungen, die daraus ge-zogen werden, führen zumeist in die Irre. Ökonomen wie Nicht-Ökonomen, Arbeitgebervertreter wie Gewerk-schafter, besonders aber wohlmeinende Philosophen und kritische Intellektuelle sehen unsere Welt in einem Ge-genstrom der Globalisierung und Digitalisierung, der die liebgewordenen Annehmlichkeiten des Wohlfahrtsstaa-tes unweigerlich hinwegspülen wird. Aus ihrer Sicht verweigern sich nur noch Ewiggestrige und blinde Isolationisten der Einsicht in die historische Notwendigkeit, unseren Lebensstandard radikal infrage zu stellen und individuelle Lebensrisiken wie Arbeitslo-sigkeit, Alter und Krankheit statt durch den Staat in Zu-kunft privat abzusichern. Ist der Wohlfahrtsstaat also am Ende, weil mehr arme Länder dieser Erde aktiv am Welt-handel teilnehmen wollen? Überrennen Millionen Chine-sen die Grenzen der reichen Länder und erzwingen mit Gewalt ihre Teilhabe am allgemeinen Wohlstand auf un-sere Kosten? Wenn ja, wieso haben dann alle reichen Län-der den Absatz ihrer Güter nach China dramatisch er-höht?

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Solche Fragen muss man nicht beantworten, wenn man den Doomsday-Propheten der Globalisierung oder der Digitalisierung geben möchte. Es genügt dafür offen-bar, die entscheidenden Stichworte in den Raum zu wer-fen, und schon ist der verhängnisvolle Kreislauf von Gür-tel-enger-Schnallen und Über-die-Verhältnisse-Leben in Gang gesetzt, der immer mit dem Schleifen des Wohl-fahrtsstaates endet.

Was verlangt die Globalisierung? Jenseits des öffentlich zelebrierten Erschauerns im Ange-sicht der Globalisierung kann man ganz einfache Regeln für das friedvolle Zusammenleben der Nationen auf wirt-schaftlichem Gebiet aufstellen. Alle Regeln, von wem auch immer sie aufgestellt werden, können nur darauf hin-auslaufen, zu fordern, dass jedes Land sich an seine eige-nen Verhältnisse anzupassen hat, also nicht über seinen Verhältnissen leben darf. Mehr kann einfach kein Staat von einem anderen verlangen und mehr kann keine glo-bale Regelung von einzelnen Ländern und ihren Bürgern erzwingen. Mehr zu fordern, würde ja bedeuten, dass man von dem einen fordert, bewusst unter seinen Verhält-nissen zu leben, was logischerweise bedeutet, dass man einen anderen zwingt, über seinen Verhältnissen zu le-ben, denn alle zusammen können weder unter noch über ihren Verhältnissen wirtschaften (Flassbeck & Spiecker 2016). Übersetzt in ökonomische Terminologie bedeutet das: Jedes Land muss seine Ansprüche genau an seine eigene Produktivität an. assen. Auf einzelwirtschaft Ebene

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ist diese Regel unmittelbar einleuchtend: Auf Dauer kann ein Wirtschaftssubjekt nicht mehr ausgeben, als es ein-nimmt, das heißt, jeder muss das, was er beansprucht, auch erarbeiten. Gibt er mehr aus, lebt er über seinen Ver-hältnissen, er verschuldet sich und muss einen Gläubiger finden. Der Gläubiger ist derjenige, der ihm glaubt, dass er seine Schulden eines Tages zurückzahlen kann, seine Produktivität also ausreicht, um das in Anspruch Genom-mene zu begleichen. In der anderen Richtung gilt das Gleiche: Auf Dauer kann man nicht weniger ausgeben, als man verdient. Denn wer unter seinen Verhältnissen leben will, muss einen Schuldner finden, also jemanden, der bereit ist, über sei-nen Verhältnissen zu leben. Wer Gläubiger (oder Netto-Sparer) werden will, muss andere finden, die sich verschul-den wollen. Wenn niemand bereit ist, sich in der Höhe zu verschulden, in der ein anderer sparen möchte, gibt es keinen Abnehmer für das, was dieser andere quasi über seine eigenen gegenwärtigen Wünsche hinaus produzie-ren will. Dann fehlt ihm die Nachfrage, die er für seine Einkommenserzielung benötigt, und der Sparplan schei-tert. Was bedeutet die Regel, sich an seine Produktivität, sich an seine eigenen Verhältnisse anzupassen, für den interna-tionalen Handel? Von der internationalen Arbeitsteilung können auf Dauer alle nur dann profitieren, wenn kein Land seine Wettbewerbsfähigkeit durch Protektionis-mus oder ähnliche Maßnahmen auf Kosten anderer Län-der steigert. Gleichberechtigt miteinander Handel treiben können alle nur dann, wenn kein Land auf Dauer über sei-ne Verhältnisse lebt und keines darunter. Geschieht dies dennoch, werden also durch massive

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Verstöße gegen die allgemeine Regel langfristig Gläu-biger- und Schuldnerpositionen aufgebaut, kommt es zwischen Staaten mit einer je eigenen Währung über kurz oder lang zu Anpassungen der Wechselkurse. Verliert ein Land durch eine ständig anwachsende Schuldnerposition an Kreditwürdigkeit, wird seine Währung abgewertet. Um-gekehrt muss ein Land mit einer immensen Gläubiger-position früher oder später seine Währung aufwerten, das heißt, seine Guthdben im Ausland entwerten. Das Wech-selkursventil, obwohl in vieler Hinsicht problematisch, ist quasi der Beweis dafür, dass probatere Mittel zum Aus-gleich der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungs-fähigkeit von Nationen versagt haben. Länder selbst sind allerdings keine Wirtschaftssubjek-te, sondern bestehen vielmehr ihrerseits aus einer Vielzahl von Wirtschaftssubjekten. Wie kann ohne das Notventil des Wechselkurses dafür gesorgt werden, dass die einzel-wirtschaftliche Regel, jeder habe sich langfristig an sei-ne Produktivität anzupassen, auch auf nationaler Ebene durchgesetzt wird? Ein Land passt sich langfristig automa-tisch an seine Produktivität an, wenn das durchschnittliche reale Pro-Kopf-Einkommen (pro Stunde zum Beispiel) im gleichen Tempo wächst wie die durchschnittliche Pro-duktivität (also der Zuwachs des Realeinkommens pro Stunde). Dies wird logischerweise —und das ist durch viel-fältige empirische Erfahrung bestätigt — am besten da-durch erreicht, dass die Nominallöhne im Durchschnitt der Volkswirtschaft um die Summe aus erwarteter durch-schnittlicher Produktivitätssteigerung und der Zielinla-tionsrate wachsen. Diese einfache Lohnregel impliziert zum einen, dass nicht nur die Beschäftigten, der »Faktor Arbeit«, sondern

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auch die Kapitalseite angemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt wird. Zum anderen erlaubt sie ei-ne stabile Inflationsrate, weil der Abstand zwischen No-minallohnsteigerungen und Produktivitätssteigerung (die Entwicklung der sogenannten Lohnstückkosten) die ent-scheidende Determinante der gesamten Kostenentwick-lung ist, die wiederum die Preisentwicklung weitgehend bestimmt (wie später gezeigt wird). Es ist also gerade die Teilhabe der breiten Masse der Bevölkerung an der Produktivitätsentwicklung via Lohn-kostensteigerung, die mit der Regel für die internationale Arbeitsteilung harmoniert. Dagegen führt eine Strategie des Unter-den-eigenen-Verhältnissen-Lebens, also der Ver-such, die breite Masse über Jahre hinweg nicht an Pro-duktivitätssteigerungen teilhaben zu lassen, mit Sicher-heit in eine nationale und in eine internationale Sackgasse. Deutschland steckt seit Jahren in beiden, weil es den Her-ausforderungen der Globalisierung begegnen wollte, in-dem es selbst den Gürtel enger schnallte, und damit auf die Bereitschaft anderer setzte, eine immer höhere inter-nationale Verschuldung zu akzeptieren.

Handel zwischen Hoch- und Niedriglohnland

In Deutschland verdiente ein Arbeiter im Jahr 2000 etwa 25 000 Euro brutto, ein chinesischer Arbeiter verdiente umgerechnet etwa z i 5o Euro. Wie können zwei Länder miteinander Handel treiben, deren Lohnniveaus so weit auseinanderliegen ? Müssten nicht sämtliche Produkte in China hergestellt worden sein, und müsste nicht Deutsch-land alle Güter von dort importiert haben?

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Nein, denn entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Produktes am Weltmarkt ist — bei gegebener Quali-tät — sein Preis, und dieser wird nicht vom absoluten Ni-veau der Löhne bestimmt, zu denen es produziert wird, sondern von den Löhnen im Verhältnis zur Produktivität, also den Lohnstückkosten. Wie viel Lohn in einem Pro-dukt, einem »Stück«, steckt, hängt von der Höhe des Ka-pitalstocks ab, mit dessen Hilfe es hergestellt wird. Be-steht das Gut zum Beispiel nur aus Handarbeit und wird es an einem Tag von einem Handwerker produziert, so betragen die Lohnstückkosten genau den Tageslohn des entsprechenden Handwerkers. Wird das Gut jedoch mit einer Maschine produziert, die ein Arbeiter bedient, und kann der mittels dieser Maschine zehn Stück am Tag her-stellen, dann betragen die Lohnstückkosten genau ein Zehntel seines Tageslohns. Verdient dieser Arbeiter bei-spielsweise das Fünffache des Handwerkers, kann er ein einzelnes Stück immer noch preiswerter anbieten als sein Konkurrent. Daraus folgt, dass die gegenwärtigen hohen Lohnkos-ten in Deutschland so wenig vom Himmel gefallen sind wie die niedrigen chinesischen. Beide haben sich in klei-nen Schritten aus der Vergangenheit heraus entwickelt. Sie sind der Spiegel der Produktivität, die wiederum auf dem erwirtschafteten Kapitalstock eines Landes beruht. Wer den aktuellen Stand der Lohnstückkosten hierzulan-de für generell zu hoch erklärt, ignoriert die historische Entwicklung von Produktivität und Kapitalstock, oder er behauptet, der (west)deutsche Kapitalstock sei wegen der allmählich stärkeren Öffnung der Märkte seit dem Ende des Ost-West-Konflikts schlagartig obsolet geworden, ent-wertet durch die zunehmende Globalisierung. 34

Diese Vorstellung ist angesichts der Spitzenstellung vieler deutscher Exporteure auf den Weltmärkten (und insbesondere in den Niedriglohnländern) offensichtlich absurd. Der Preis eines Gutes hängt allerdings nicht nur von den Lohnstückkosten, sondern auch von den Kapitalkos-ten ab, also den Kosten, die der in der Produktion einge-setzte Kapitalstock verursacht. Um in unserem Beispiel zu bleiben: Der Arbeiter muss die Maschine erst einmal haben, bevor er mit ihr produzieren kann. Würden die Lohn- und Kapitalkosten der kapitalintensiven Produk-tionsweise zusammen den Produktivitätsvorteil gegen-über der arbeitsintensiven Herstellung überwiegen, wäre das kapitalintensiv produzierte Gut nicht konkurrenz-fähig. Die kapitalintensive Produktionsweise wäre dann entweder gar nicht entstanden oder sie würde von einer arbeitsintensiveren Produktionsweise verdrängt. Doch wer hat jemals beobachtet, dass maschinelle Webstühle Handwebern weichen mussten ? Im Gegenteil: Stets war und ist die Menschheit bemüht, einen möglichst großen Kapitalstock aufzubauen, weil der technische Fort-schritt vergleichsweise wenig produktive Tätigkeiten über-flüssig macht und man sich produktiveren Beschäftigun-gen zuwenden kann, mit denen sich höhere Einkommen und damit ein größerer Wohlstand erzielen lassen. Das heißt nichts anderes, als dass mittel- bis langfristig die Entwicklung hin zu einem ständig steigenden Kapital-einsatz eine Art Naturgesetz in der Welt der Ökonomie ist. Könnten die Weber langfristig so schlecht bezahlt werden, dass sich der Bau eines maschinellen Webstuhls niemals rentiert? Nein, das ist nicht vorstellbar. Das aber bedeutet zwingend, dass weder die historische Entwicklung unse-res Kapitalstocks noch die unserer Löhne ein Irrtum war.

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Ist nun die Produktivität in Deutschland aufgrund des vorhandenen Kapitalstocks um so viel höher als in Chi-na, dass die Lohnstückkosten trotz der unterschiedlichen Lohnniveaus gleich sind, findet keine Verdrängung am Weltmarkt statt, importiert also das Hochlohnland nicht automatisch alles aus dem Niedriglohnland. In den Berei-chen, in denen die deutschen Lohnstückkosten über den chinesischen liegen, findet Handel statt, bei dem die billi-geren Anbieter die teureren auf dem Weltmarkt verdrän-gen. Das ist der internationale Strukturwandel, bei dem Deutschland bisher hervorragend abgeschnitten hat. Hochlohnländer spezialisieren sich auf Güter, die allein mit einer besonderen Technologie hergestellt werden kön-nen. Nur wer über einen entsprechend großen und hoch spezialisierten Kapitalstock und das entsprechende Fach-wissen verfügt, kann auf dem Weltmarkt hoch spezialisier-te Güter anbieten. Das sind in der Regel nicht die Anbieter aus Niedriglohnländern, da diese Länder sich ja gerade da-durch auszeichnen, dass sie (noch) nicht so stark indust-rialisiert und spezialisiert sind. Sobald man also, anders als die meisten ökonomischen Lehrbücher, nicht nur von zwei Handelsgütern auf dem Weltmarkt ausgeht, sondern realistischerweise eine riesige Produktpalette in Betracht zieht, verliert die Vorstellung vom knallharten internationalen Verdrängungswettbe-werb, in dem die reichen Nationen unweigerlich verlie-ren, jede Plausibilität. Das übliche theoretische Modell, in dem Hersteller beliebig zwischen verschiedenen Pro-duktionstechniken wählen können, um sich optimal an das Faktorpreisverhältnis für die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital, also das Lohn-Zins-Verhältnis, anzupassen, ist unrealistisch und irreführend.

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Dabei sind es nicht nur Anpassungsfriktionen oder die zeitlich begrenzte Immobilität von Produktionsfaktoren, die dafür verantwortlich sind, dass es keine beliebige An-passung an das Faktorpreisverhältnis gibt. Es geht um et-was viel Grundsätzlicheres. Man kann schlicht ein Handy oder einen Mercedes nicht beliebig arbeitsintensiv produ-zieren. Wollte man das, müsste man erst eine völlig neue, auf höhere Arbeitsintensität zielende Produktionsweise erfinden. Das wäre nicht nur teuer, sondern auch sinnlos. Die kapitalintensive Produktionsweise ist langfristig im-mer die überlegene, weil sie mehr Wohlstandspotenzial und damit die Voraussetzung für auf der ganzen Welt stei-gende Löhne schafft. Daher führte eine durch niedrigere Arbeitskosten getriebene hypothetische Parallelentwick-lung arbeitsintensiverer Produktionsverfahren auf lange Sicht immer ins Aus. Wer das nicht glaubt, suche einen Un-ternehmer, der in China oder Indien mit der Technologie der siebziger Jahre moderne weltmarktgängige Rechner herstellt. Doch selbst wenn das Vorhalten einer arbeitsintensive-ren Produktionsweise technisch möglich wäre, fände es nicht statt. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass es viel rentabler ist, die heute üblichen kapitalintensiven Pro-duktionstechniken mit den Billiglöhnen der aufholenden Länder zu kombinieren. Die dadurch möglichen tempo-rären Monopolgewinne machen jede andere Lösung von vornherein unwirtschaftlich. Nur weil die ökonomischen Standardmodelle unterstellen, Monopolgewinne spielten in den Kalkülen der Unternehmen keine Rolle, hat die herrschende Lehre keinerlei Zugang zu einer realistischen Analyse des internationalen Handels und der Faktorwan-derüng. Tragisch ist dabei, dass sich fachfremde Intellek-

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tuelle — freilich ohne zu wissen, was sie tun — die Annah-men der Standardmodelle zu eigen machen und auf dieser Basis die Globalisierung zu analysieren versuchen.

Handel bei Kapitalwanderung

Befürworter von Lohnkostensenkungen in den reichen Ländern führen als Argument dafür regelmäßig die Mög-lichkeit des Kapitals an, in Niedriglohnländer abzuwan-dern. Die hiesige Arbeitslosigkeit zeige, dass zu wenig im Inland investiert werde. Das läge daran, dass aufgrund der vergleichsweise zu hohen Löhne die Rentabilität des Kapitals zu gering sei. Böten sich außerhalb Deutschlands gewinnträchtigere Anlagemöglichkeiten, würden diese auch genutzt und das Kapital fließe ab. Dieser Mechanismus habe seit Ende des Ost-West-Konflikts und der damit einhergehenden intensiveren Teil-nahme ärmerer Volkswirtschaften am Welthandel eine neue Dynamik erreicht, an die man sich hierzulande anzu-passen habe. Die Knappheitsverhältnisse der Produktions-faktoren hätten sich grundlegend gewandelt: Es stünden eben sehr viel mehr Arbeitskräfte zur Verfügung, zugleich brächten diese aber keinen auch nur annähernd so hohen Kapitalstock mit in die Weltwirtschaft ein wie ihre Kolle-gen aus den Industrienationen, so dass der Faktor Kapital im Vergleich zu Arbeit viel knapper geworden sei. Diese gestiegene Knappheit mache es notwendig, das Kapital durch niedrigere Löhne zum Bleiben zu bewegen, da- die niedrigen Löhne in den aufholenden Volkswirtschaften eine enorme Sogwirkung auf das hiesige Kapital ausübten (vgl. Sinn 2003, S.91 ff.).

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Richtig ist an dieser Sichtweise, dass es für hiesige Un-ternehmer tatsächlich lohnend sein kann, ihre kapitalin-tensiven Produktionstechnologien mit den in den aufho-lenden Volkswirtschaften herrschenden Billiglöhnen zu kombinieren. Das war schon immer eine Möglichkeit, vorübergehende Monopolgewinne zu erzielen, und mag seit 1989 einfacher zu realisieren sein. Auch für Unterneh-mer in den Billiglohnländern selbst besteht ein großer An-reiz, die westlichen Technologien zu kopieren, das heißt, diese zu importieren, um dann in Kombination mit den niedrigen heimischen Löhnen überdurchschnittliche Ge-winne zu erwirtschaften. Denn sofern die Lohnentwick-lung im Niedriglohnland der durchschnittlichen Pro-duktivitätsentwicklung in der dortigen Gesamtwirtschaft folgt, können über Jahre und sogar Jahrzehnte hinweg beachtliche Monopolgewinne erzielt werden, da das Pro-duktivitätsniveau dort aufgrund des niedrigen Ausgangs-wertes des Kapitalstocks noch lange unterhalb dessen lie-gen wird, was in den reichen Ländern erreicht ist. Abwegig ist es jedoch, die Kapitalwanderung in Nied-riglohnländer für die hiesige Arbeitslosigkeit verantwort-lich zu machen. Denn wer die wirtschaftliche Entwick-lung der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg oder etwa die Polens seit dem Fall der Mauer betrachtet, stellt fest, dass Kapitalwanderungen nicht schlagartig und in großem Maßstab, sondern allmählich erfolgen. Sonst hätte der Aufbau des westdeutschen Kapitalstocks nach dem Krieg viel schneller geschehen müssen. Auch Polen müsste mit seinen Billiglöhnen nach dreißig Jahren längst hoch industrialisiert sein, wenn die Nettokapitalbewegung von Hoch- zu Niedriglohnländern so gewaltig wäre, wie dies die Globalisierungspessimisten behaupten.

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Das überschaubare Ausmaß. von Kapitalverlagerungen erklärt sich einerseits dadurch, dass sie nicht risikolos zu bewerkstelligen sind. So muss etwa das erforderliche »Hu-mankapital« im Niedriglohnland vorhanden sein, also das Know-how auf allen Ebenen des Produktionsprozesses. Die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingun-gen der aufholenden Volkswirtschaft müssen stabil genug sein, um Unternehmen dazu zu bringen, langfristig in die-sem Land zu investieren. Häufig wechselnde Regierun-gen mit unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Konzep-ten können auf in- wie ausländische Investoren ebenso abschreckend wirken wie mangelnde innere Sicherheit. Gegen die Angst vor massiver Kapitalabwanderung in Niedriglohnländer und drohender Kapitalknappheit in Hochlohnländern spricht jedoch noch ein viel grundle-genderes Argument. Fasst man die wirtschaftliche Ent-wicklung als einen Prozess auf, in dessen Verlauf Gewin-ne und damit Kapital entstehen, geht es gar nicht in erster Linie um das gegenseitige Ausstechen der Unternehmer, Arbeitnehmer oder Länder beim angeblich nur sehr lang-sam (via Sparen) vermehrbaren Produktionsfaktor Kapi-tal. Wenn tatsächlich Gewinnchancen in Niedriglohn-ländern genutzt werden können, vermehrt sich das im Entwicklungsprozess der aufholenden Länder so drin-gend benötigte Kapital durch den Prozess selbst. Also auf eine Weise, welche die Kapitalbilanz des Niedriglohn-landes nicht belastet und es ihm erlaubt, mehr Güter als sonst möglich aus den Hochlohnländern zu importieren. Der Import von Kapital und Know-how ist aus der Perspektive des Entwicklungslandes und aus der Sicht der reichen Länder also langfristig vorteilhaft. Aus Sicht des Niedriglohnlandes ist zunächst entscheidend, dass das

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Land wegen seines geringen Kapitalstocks nur mit ei-ner' sehr kleinen Palette vCin, Gütern am Weltmarkt kon-kurrenzfähig sein wird. Jeder ausländische Investor trägt zum Aufbau des Kapitalstocks und damit der Basis für mehr Einkommen und Wohlstand bei. Selbstverständlich findet auch hier ein Strukturwandel statt, und in der Re-gel ein viel gewaltigerer als in den Hochlohnländern. Denn das Nachahmen von Produktionsprozessen für weltmarkt-gängige Produkte funktioniert schneller als das Erfinden und Umsetzen neuer Technologien. Entwicklungsländer können beim Aufbau ihres Kapitalstocks Sprünge im technologischen Wandel realisieren, die den hoch entwi-ckelten Volkswirtschaften nicht möglich sind. In China müssen nicht erst die während der sechziger Jahre in den westlichen Industrieländern vorherrschenden Technolo-gien angewendet werden, sondern Investoren können so-fort die aktuelle Technik einsetzen. Dass mit dem internationalen Strukturwandel immen-se Veränderungen für die Bevölkerung des Niedriglohn-landes verbunden sind, denen meist kein mit unserem ver-gleichbares soziales Sicherungsnetz an die Seite gestellt wird, wird hierzulande oft übersehen. Dennoch stellt die Kombination der niedrigen Löhne mit der Technologie aus den Industrieländern die große Chance dar, wirt-schaftlich aufzuholen und das Wohlstandsgefälle zu den reichen Ländern zu verringern. Der Standortvorteil in Form von Niedriglöhnen ermöglicht es, technologisches Wissen zu importieren, die Palette weltmarktfähiger Pro-dukte nach und nach auszuweiten und so vom Welthandel zu profitieren. Durch die Forderung nach Lohnsenkungen in Hoch-lohnländern wird folglich implizit versucht, die Chan-

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cen der Entwicklungsländer zum Aufholen zu schmälern oder sie ihnen gar gänzlich vorzuenthalten. Diese Posi-tion wird üblicherweise von Leuten vertreten, die strikt gegen Protektionismus sind und den ärmeren Ländern alle Chancen dieser Welt versprechen, wenn sie nur ihre Märkte vollständig öffnen. Wenn aber zugleich die Wett-bewerbsfähigkeit der Industrieländer auf den Weltmärk-ten durch lohninduzierte Preissenkungen steigt, nimmt man den sich entwickelnden Volkswirtschaften zugleich die Märkte weg, da sie ihre wenigen Produkte noch schlech-ter international verkaufen können. Ginge man in die Richtung einer absoluten Angleichung der deutschen Löhne an die chinesischen oder indischen, wäre zudem eindeutig das Wechselkursventil gefordert, weil dann Deutschland gegen die zentrale Regel des inter-nationalen Handels- und Kapitalverkehrs verstieße. Bei Lohnkostensenkungen in Deutschland wäre eine weitere drastische Aufwertung des Euro unvermeidlich. Wechsel-kurse können und müssen systematisch Lohnstückkos-tendifferenzen ausgleichen, aber niemals die absoluten Lohnniveaus. Anders als viele Ökonomieprofessoren wis-sen Devisenhändler nämlich, worauf es im internationa-len Vergleich ankommt. Mindestens ebenso gravierend sind jedoch die Folgen der Lohnsenkungsstrategie im Hochlohnland Deutsch-land für all die Länder, die auf der Industrialisierungslei-ter zwischen den Weltmarktführern und den gering ent-wickelten Ländern stehen, noch dazu, wenn sie dieselbe Währung haben wie etwa Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland. Versuchen deutsche Unternehmen durch Lohnsenkungen auf den Weltmärkten wettbewerbsfähi-ger zu werden, trifft das all diejenigen, die nur etwas nied-

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rigere Löhne haben als wir und den bisherigen Abstand bei der Ausstattung mit Kapital durch ebendiese Lohn-differenz wettgemacht haben. Diese Länder müssen dann unserem Lohnsenkungspfad folgen, wenn sie nicht sämt-liche Marktanteile verlieren wollen. Dass dies auf mittlere Sicht unweigerlich zu einer Aufwertung des Euro führt und insofern die Bemühungen der Deutschen, sich dem chinesischen Lohnniveau anzunähern, zunichtemacht, ist ein Glück für die Entwicklungsländer, aber eine Katastro-phe für die ärmeren Mitglieder der Währungsunion. Das scheint der für die Währungsunion zuständigen Euro-päischen Zentralbank erst allmählich zu schwanen — von der auf diesem Wege heraufbeschworenen Deflations-gefahr ganz zu schweigen (vgl. Europäische Zentralbank' 2005)

Diese Argumente mögen jene Arbeitnehmer in einem Hochlohnland, die ihren Arbeitsplatz wegen der Verla-gerung eines Produktionsstandortes ihres bisherigen Ar-beitgebers in ein Niedriglohnland verloren haben, nicht wirklich überzeugen, und das ist zweifellos eine schwieri-ge Situation für die Betroffenen. Die Gesellschaft muss für diese Fälle über ein funktionsfähiges soziales Siche-rungsnetz verfügen und Möglichkeiten schaffen, damit die Betroffenen in anderen Wirtschaftszweigen wieder Fuß fassen können.

Trotz dieser sicherlich nicht zu vernachlässigenden Ein-zelschicksale sieht die Situation jedoch aus einer gesamt-

1Dort zwar wurden die relevanten Daten sorgfältig zusammen-gestellt (z.B. Table z, S. 64), die naheliegende Schlussfolgerung wird aber nicht gezogen. Die einmalige Chance, die Eurokrise • in einem frühen Stadium zu vermeiden, wurde hier vertan.

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wirtschaftlichen Perspektive für Deutschland ganz an-ders aus: Deutschland exportiert wesentlich mehr Güter, als es importiert. Das bedeutet, dass der damit einherge-hende Mehr-Absatz von Waren im Ausland die deutsche Wirtschaft stützt und per Saldo Arbeitsplätze schafft. Das dürfte in der Regel zwar in anderen Branchen der Fall sein als in denen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Aber in der Summe stellt sich Deutschland durch den in-ternationalen Handel in Sachen Arbeitsplätze besser und nicht schlechter. Der notwendige Anpassungsprozess an den interna-tionalen Strukturwandel muss zweifellos sozial abgefe-dert werden. Jedoch so zu tun, als ob eine Wirtschaft wie die deutsche insgesamt in Hinblick auf die Arbeits-plätze der Verlierer bei der Globalisierung sei, ist schlicht falsch. Wer bei der Analyse der Ursachen der gravieren-den Arbeitsmarktprobleme in Europa auf die Globali-sierung verweist, hat nicht gründlich nachgedacht oder verfolgt mit dem Schüren von Angst eine verborgene po-litische Agenda.

Handel bei Wanderung von Arbeit

Was geschieht, wenn einzelne oder auch ganze Gruppen von Arbeitnehmern aus den Niedriglohnländern nicht warten wollen, bis ihnen Kapital zur Verfügung steht, son-dern sich selbst auf den Weg zum Kapital machen, sprich, in die Hochlohnländer einwandern? Ob das wirklich ein Massenphänomen werden könnte oder aus demografi-schen Gründen gar sollte und welche rechtlichen Gren-zen eine solche Wanderungsbewegung einschränken, soll

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hier nicht diskutiert werden. Doch welche ökonomischen Mechanismen laufen zwischen den betroffenen Ländern ab, und welche ökonomischen Spielregeln sollten gelten, um die Wanderung des Produktionsfaktors Arbeit für Herkunfts- (also Niedriglohn-) wie Einwanderungsland (also Hochlohnland) sinnvoll zu gestalten? Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern wandern in Hoch-lohnländer, weil sie dort mehr Jobs oder einen höheren Lohn oder beides erwarten. Bei normaler Arbeitsmarkt-situation im Hochlohnland gilt de facto ein sogenanntes Bestimmungslandprinzip, das heißt, die Zuwanderer ver-dienen im Hochlohnland bei gleicher Qualifikation den gleichen Lohn wie die einheimischen Arbeitskräfte. Wel-che wirtschaftlichen Folgen hat das im Hochlohnland? Wenn die zuwandernden Arbeitskräfte reibungslos Jobs finden, ist die Zuwanderung kein Problem für das Hoch-lohnland, sie erhöht sogar das Wachstumspotenzial. Herrscht im Hochlohnland jedoch Arbeitslosigkeit, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Zuwanderer zum herrschenden Lohn Arbeit finden. Denn warum sollte ein Zuwanderer unter sonst gleichen Bedingungen der inländischen Arbeitskraft, die in der Regel keine Sprach-schwierigkeiten oder sonstige Anpassungsprobleme hat, vorgezogen werden? Finden die Zuwanderer keine Ar-beit, beanspruchen sie Leistungen der sozialen Sicherungs-systeme. Das aber wird keine Gesellschaft in größerem Umfang tolerieren. Denn den Mindestlebensstandard, den eine reiche Gesellschaft durch soziale Sicherungssysteme für ihre Mitglieder zu garantieren versucht, um den sozia-len Frieden und den Zusammenhalt zu sichern, kann sie nicht für den Rest der Welt oder auch nur einen spürbaren Tgil davon zur Verfügung stellen. Wäre sie bereit dazu,

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könnte sie jedenfalls ihre Solidarität viel effektiver über eine massive Erhöhung der Entwicklungshilfe unter Be-weis stellen. Was aber geschieht, wenn die Zuwanderer bei Arbeits-losigkeit im Hochlohnland bereit sind, dort zu einem we-sentlich geringeren Lohn als die heimischen Arbeitskräfte zu arbeiten, und das Gastland bereit ist, das zu tolerieren? Die Zuwanderer erhöhen ja durch diese Bereitschaft die Wahrscheinlichkeit, im Gastland Arbeit zu erhalten. Dass sie sich trotz des niedrigeren Lohnes oft besserstellen als in ihrem Herkunftsland, ist sicher ein zentrales Motiv für die Wanderung) Und welcher inländische Unternehmer wollte diese Gewinnchance (bei gleicher Qualifikation der Arbeitskräfte und unter Vernachlässigung sonstiger Anpassungsschwierigkeiten) nicht nutzen, um seinen hoch effizienten Kapitalstock mit nicht der Arbeitsproduktivi-tät entsprechenden niedrigen Löhnen (diesmal im Inland statt im Niedriglohnland) zu kombinieren? Durch die Außerkraftsetzung des Bestimmungsland-prinzips und die Einführung eines Herkunftslandprin-zips verdrängen die Zuwanderer einheimische Arbeits-kräfte. Diese werden entweder arbeitslos und müssen über die sozialen Sicherungssysteme finanziert werden —ein für die Gesellschaft kaum akzeptabler und auf Dauer nicht finanzierbarer Zustand —, oder sie passen ihre Löhne nach unten an. Gerät auf diesem Weg das Lohnniveau des Hochlohnlandes insgesamt ins Rutschen, treten alle oben

1Dass diese Rechnung nicht immer aufgehen muss, weil etwa die Lebenshaltungskosten unterschätzt werden, der Wohnraum knapp und entsprechend teuer ist oder die soziale Integration nicht funktionert, steht auf einem anderen Blatt.

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bereits beschriebenen negativen Folgen ein: Nachfra-geausfall im Inland sowie sinkende Gewinne der Unter-nehmen und verschenkte Wachstums- und Wohlstands-möglichkeiten, verstärkter Verdrängungswettbewerb auf den Weltmärkten und/oder Aufwertung der heimischen Währung. Das heißt, dass auch die Herkunftsländer der Zuwande-rer durch die von ihnen ausgelöste Lohnsenkung geschä-digt werden. Zwar wird ihr Arbeitsmarkt möglicherwei-se unmittelbar entlastet,' aber durch die Wanderung wird kein zusätzlicher Kapitalstock im Niedriglohnland auf-gebaut, wie das im Fall der Kapitalwanderung geschieht. Die zurückbleibende Bevölkerung profitiert nicht von den Abwandernden, das durchschnittliche Produktivi-tätsniveau steigt nicht und damit auch nicht das durch-schnittliche Lohnniveau: Es findet kein Aufholprozess statt. Vielmehr sehen sich die Anbieter aus dem Niedrig-lohnland noch wettbewerbsfähigeren Anbietern auf dem Weltmarkt gegenüber; denn die Lohnsenkung im Hoch-lohnland schafft Raum für Weltmarktanteilsgewinne der dortigen Unternehmer mittels Preissenkung. Zwar wird eine Aufwertung der Währung des Hochlohnlandes am Ende diesen Gewinn wieder zunichtemachen, aber die Folgeschäden sind in der Regel enorm. Zudem reißt das. Lohndumping all die Länder mit in die Abwärtsspirale, die mit dem Hochlohnland zusammen Mitglied einer

1Wenn jedoch gerade die fähigsten und flexibelsten Arbeitskräfte die Wanderungswilligen sind, ist die Abwanderung eher als ein »brain drain« für das Niedriglohnland anzusehen und insofern ebenfalls ein Schaden.

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Währungsunion sind oder aus sonstigen Gründen ihren WechIelkurs fixieren. Nur die konsequente Anwendung des Bestimmungs-landprinzips auch bei hoher Arbeitslosigkeit im Hoch-lohnland kann diesen alle Handelsteilnehmer schädi-genden Teufelskreis verhindern. Das bedeutet, dass in Deutschland kein ungebremster Strom von Zuwanderern verkraftet werden kann und — im ureigenen Interesse der uns umgebenden Niedriglohnländer — auch nicht ver-kraftet werden darf. Für jede einzelne Nation, jede sich kulturell zusammengehörig fühlende Gesellschaft oder jeden geografischen Raum der gleichen Entwicklungs-stufe, das heißt ähnlicher Kapitalausstattung, muss ganz strikt das »law of one price« gelten, der Grundsatz des gleichen Lohns für gleiche Arbeit also. Wird dieser Grundsatz durchlöchert, werden Mittel zur Behebung der Krise empfohlen, die eine Abwärts-spirale in Gang setzen: Lohnsenkungen schwächen die Binnennachfrage, lassen dadurch die Gewinne und mit ihnen die Investitionsbereitschaft im Inland sinken. Das stärkt zwar vorübergehend die Exporte, aber nie in dem Maße, wie es zur Kompensation des inländischen Nach-frageausfalls notwendig wäre. Zugleich ist der Staat über-fordert, die Funktion der Sicherungssysteme zu gewähr-leisten, die ja in der Tat nicht für dauerhaftes Versagen der Wirtschaftspolitik geschaffen wurden, sondern zur temporären Abfederung des intertemporalen wie des in-ternationalen Strukturwandels. Die falsche Analyse findet hier sofort den nächsten Schuldigen für die Misere: Der Staat insgesamt, sagt der Neoliberalismus, müsse radikal in seine Schranken gewie-sen werden, wolle man die Herausforderung der globali-

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sierten Märkte meistern. Wen wundert es da noch, dass die Bevölkerung sich zunehmend vor der Globalisierung fürchtet und Fremdenfeindlichkeit auf dem Vormarsch ist? Wer die gesamte Gesellschaft in ihren Grundfesten in-frage stellt, sollte sich nicht nur über die wirtschaftlichen, sondern auch über die politischen Folgen seiner Ratschlä-ge im Klaren sein.

Digitalisierung als Bedrohung?

Der Roboter als Jobkiller?

Ein neues altes Thema macht rasend schnell die Runde. Automation, die Verdrängung des Menschen durch Robo-ter, wird als große Gefahr an die Wand gemalt und die uralte Konfusion »on machinery«, wie der englische Öko-nom David Ricardo es vor 200 Jahren genannt hatte, feiert fröhliche Urstände. Der Punkt, um den es geht, ist allerdings so einfach, dass man sich fragt, wie es sein kann, dass die Menschheit ihn nicht begreift. In dem Buch Das Ende der Massenar-beitslosigkeit haben Friederike Spiecker und Heiner Flass-beck den Zusammenhang so beschrieben:

Ist es nicht eindeutig? Arbeitslosigkeit ist ein unabwendbares Schick-sal: Was gestern noch mehrere Arbeiter am Fließband bewerkstellig-ten, erledigt heute ein Roboter. Wo gestern Arbeiterinnen die fer-tig produzierte Ware wenigstens noch verpacken und beschriften mussten, packt und adressiert heute eine von Computern gesteuerte Verpackungsmaschine. Immer mehr Menschen verlieren ihren Ar-beitsplatz und finden — möglicherweise trotz mehrfacher Umschu-lung — keine neue Verdienstmöglichkeit und werden zu (Langzeit-) Arbeitslosen. Machen wir uns nicht durch den zunehmenden Ein-

 

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MINT MIKOR SZÖKŐÁR ELŐTT

2018. július 07. 05:16 - RózsaSá

LEMENT KUTYÁBA

négyről

két lábra állt

de a sok út közül

a legkönnyebbet választotta

a gépekét

 

ez becsábította a városba

ott meggazdagodott

de elhagyta istenét

elűzte barátait

 

és ismét négy lábra állt

lement kutyába

 

körülötte tömegek

még sincs senkije

 

MINT MIKOR SZÖKŐÁR ELŐTT

mint mikor

szökőár előtt

visszahúzódik a tenger

az emberek kíváncsian

kagylókat gyűjtenek

vissza-vissza néznek a partra

megfeledkeznek

 

OLCSÓ JEGY

ez a drága jegy

nekem mért ilyen olcsó

hát tudja

ön nyugdíjas

és nem biztos

hogy élve megérkezik

az előadásra

 

NEVESÍTIK

nevesítik az írót

nevesítik a slágerénekest

nevesítik a képviselőt

csak a bányász

aki nekik szenet hoz

csak a kútásó

aki megitatja őket

csak a paraszt

aki enni ad nekik

marad névtelen

 

EGYSZER A BAJOR HATÁRON

az első határon hazafelé

civil rendőr

mint a filmekben

jelvényét villantotta

mert kiradíroztam

egy pecsétet a passzusomban

visszafordított

nem sejtve

milyen jót tett velem

a városszéli kavicsbánya

biotópba mentem

és először láttam

ahogy életre kel

a vadrepce

a fűz

a bodobács

 

PIRKADATKOR

ébredj

itt vagyok

beszüremlik a résen

szempillám alá

ez a szebb

ez a valódi világ

a málna színe

a hárs illata

a barack tapintása

még a muhar

ragaszkodása is

 

GRÓSZLACI NINCS A HELYÉN

ez az apró ember

a légópincében bicajok között

mindig ott van

ahányszor arra járok

a cyclo-kötény rajta

káromkodva keres valamit

a termérdek roncs között

mikor mutánsbicikli-fölvonulás van

vagy tíz ezer kerékpáros vonul

grószlaci paránynak tűnik

de én tudom

hogy ő óriás

 

A HALÁL MEGÁLLT A KÜSZÖBÖN

a halál megállt a küszöbön

köhintett

semmi

mindenki csak a kütyüjét kaparászta

én vagyok a halál recsegte

és dobbantott

semmi

mérgesen földhözvágta kaszáját

és el

 

A-BÓL B-BE

mindenki azt hiszi

b-ben jobb lesz neki

de onnan is

megy c-be tovább

míg nem egyszer

vissza ér

 

TISZTELT SZERKESZTŐ ÚR

kértem

az ökokiskátét

ne nyomtassák ki

szegény öreg

jött szembe

és nem tudta

az írás meghalt

és most én is

csókolgatom

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FLASSBECK 1-20 SEITEN

2018. július 07. 03:52 - RózsaSá

Suhrkamp Verlag

Leseprobe

 

Flassbeck, Heiner / Steinhardt, Paul

Gescheiterte Globalisierung

Ungleichheit, Geld und die Renaissance des Staates

© Suhrkamp Verlag edition suhrkamp 2722

978-3-518-12722-3

edition suhrkamp 

 

Die Globalisierung war eine wunderbare Idee. Nachdem die politische Spaltung in Ost und West überwunden war, schien der friedlichen Kooperation aller Menschen nichts mehr im Wege zu stehen.Würde man nur alle Hürden aus dem Weg räumen, so die liberale Vorstellung, bildete sich eine spontane Ordnung, die den Traum vom freien und wohlhabenden Erdenbürger wahr werden ließe. Doch nach der großen Krise, nach Trump und Brexit ist das Projekt gescheitert. Dieliberale Wirtschaftstheorie ist prinzipiell ungeeignet, die Dynamik einer Marktwirtschaft zu verstehen und valide politische Empfehlungen zu geben. Weder für die globale Kooperation der Nationen noch für die angemessene nationale Politik gibt es heute ein tragfähiges Konzept. Die Autoren zeigen, wie man das auf der Basis einer modernen Wirtschaftstheorie schafft.

Heiner Flassbeck ist ein deutscher Ökonom. Er war / Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen und von  bis  Chefvolkswirt der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD).

Paul Steinhardt war in Führungspositionen für deutsche Banken und deren Tochtergesellschaften im In- und Ausland tätig. Gemeinsam geben sie das wirtschaftspolitische Magazin Makroskop heraus.

Heiner Flassbeck/Paul Steinhardt Gescheiterte Globalisierung

Ungleichheit, Geld und die Renaissance des Staates

Suhrkamp

Erste Auflage  edition suhrkamp 

Originalausgabe

© Suhrkamp Verlag Berlin 

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung

durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form

(durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme

verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Satz: Satz-Offizin Hümmer GmbH,Waldbüttelbrunn

Druck: Druckhaus Nomos, Sinzheim

Umschlag gestaltet nach einem Konzept von Willy Fleckhaus: Rolf Staudt Printed in Germany

ISBN ----

Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

I. Globalisierung und Digitalisierung – die Herausforderungen unserer Zeit . . . . . . . .  Warum ist die liberale Globalisierung gescheitert? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

Was verlangt die Globalisierung? . . . . . . . . . . 

Digitalisierung als Bedrohung? . . . . . . . . . . . 

Die Scheinantworten des Liberalismus . . . . . . 

II. Der demokratische Staat und die

Gesamtwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

Geld, Kapital und Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . .  Demokratie und Nationalstaat . . . . . . . . . . . . 

Grundzüge einer neuen Ökonomik . . . . . . . . 

III. Der Neoliberalismus als Regression . . . . . . . . 

Der Arbeitsmarkt ist kein Markt . . . . . . . . . . 

Funktionslose Ungleichheit . . . . . . . . . . . . . . 

Funktionslose Gewinne . . . . . . . . . . . . . . . . 

Finanzmärkte produzieren falsche Preise . . . . 

IV. Geld als Domäne des Staates . . . . . . . . . . . . . 

Geld, Banken und unternehmerische Haftung . 

Geld als Ware und der Monetarismus . . . . . . . 

Der Staat und die Zentralbank . . . . . . . . . . . . 

Die europäische Krise ist keine

»Staatsschuldenkrise« . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

V. Moderne Wirtschaftspolitik und die Rolle des Staates . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

Welche Aufgaben stellt die Globalisierung der

Wirtschaftspolitik? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

Rückbesinnung auf die Bedeutung von Arbeit  Eine neue Rollenverteilung für die

Wirtschaftspolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

Klimawandel und Umweltschutz . . . . . . . . . .  Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 

Vorwort

Die Globalisierung war eine wunderbare Idee. Nachdem die große politische Spaltung in Ost und West, in Planund Markt nach dem Fall der Berliner Mauer überwunden war, schien der friedlichen Kooperation aller Menschen nichts mehr im Wege zu stehen.Warum sollten die Menschen nicht in Freiheit miteinander kommunizieren und arbeiten und damit gemeinsam ihre persönliche Wohlfahrt mehren können?

Die hinter diesem Konzept der Globalisierung stehende Philosophie war denkbar einfach: Würde man nur die nationalen institutionellen Hürden aus dem Weg räumen, bildete sich auf globaler Ebene eine spontane gesellschaftliche Ordnung, in die sich jeder Einzelne nach seinen individuellen Fähigkeiten zum Nutzen aller einbringen könnte. Die globale Arbeitsteilung freier Menschen wäre die Krönung der uralten Idee des Liberalismus gewesen. Sie hätte die Freiheit des Individuums und gleichzeitig seine Effizienz maximiert. Der Traum vom freien und zugleich wohlhabenden Erdenbürger schien zum Greifen nah.

Alexis de Tocqueville, der Autor des großen Buches über (die Demokratie in) Amerika, hatte bereits im Jahr  erwartet, die Demokratie werde eine solche offene und global vernetzte Gesellschaft hervorbringen:

In demokratischen Zeitaltern bewirkt die gesteigerte Beweglichkeit der Menschen und die Ungeduld ihrer Wünsche, dass sie unaufhörlich ihren Standort wechseln und dass die Bewohner der verschiedenenLändersichvermischen,sichsehen,sichangehörenundnachahmen. Nicht nur die Angehörigen eines gleichen Volkes werden

sich so ähnlich; die Völker selber gleichen sich wechselseitig an, und alle zusammen bilden für das Auge des Betrachters nur mehr eine umfassende Demokratie, in der jeder Bürger ein Volk ist. Das rückt zum ersten Male die Gestalt des Menschengeschlechts ins helle Licht. (Zitiert nach Heidenreich , S. )

Doch die Hoffnungen Tocquevilles auf die segensreichen Folgen des »demokratisches Zeitalters« wurden vom realen Verlauf der Geschichte bitter enttäuscht. Es hätte nicht der Wahl eines Präsidenten Trump bedurft, um zu sehen, dass der ökonomische und politische Liberalismus, der die gesamte Welt in den vergangenen vierzig Jahren mehr als jede andere Idee geprägt hat, kläglich gescheitert ist.

Die Unzufriedenheit vieler Menschen, die in der Wahl eines offen reaktionären Präsidenten zum Ausdruck kam, belegt nicht nur die politische Unfähigkeit des Liberalismus, die nötige Balance zwischen Freiheit und Gleichheit zu wahren, sondernviel mehr noch seine Unfähigkeit, die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge in komplexen modernen Gesellschaften in ihrer Interaktion angemessen zu deuten und darauf basierend tragfähige politische Konzepte zu entwickeln.

Während die philosophischen und politischen Probleme des Liberalismus intensiv diskutiert worden sind, ist immer noch unverstanden, warum er auf seinem ureigenen Gebiet – der Gestaltung der wirtschaftlichen Kooperation – so eklatant versagt hat. Bis heute hält die große MehrheitderÖkonomenandemDogmafest,»derMarkt« solle bei fast allen wichtigen gesellschaftlichen Entscheidungen die Führungsrolle übernehmen, und dem Staat stehe lediglich die Rolle eines Rahmensetzers und Lückenfüllers zu.

Das war schon immer eine unangemessene Vorstellung

von den Aufgaben eines Staates. Inzwischen ist sie jedoch schlicht durch die Realität widerlegt. Ja, es ist keine Übertreibung zu sagen, dass der Untergang des Liberalismus von vorneherein unvermeidlich war, da er weder für die unabdingbare globale Kooperation der Nationalstaaten noch für die daraus sich ergebenden Folgen auf der nationalen Ebene ein zufriedenstellendes intellektuelles Konzept entwickelt hatte.

Was bis heute nicht verstanden wird: Die wirtschaftliche Theorie hinter dem Liberalismus ist nicht nur an manchen Stellenunzureichend und verbesserungsbedürftig. Nein, diese »Theorie«, der man eigentlich schon das Signum einer Theorie nicht zugestehen sollte, ist prinzipiell nicht in der Lage, die Dynamik eines marktwirtschaftlichen Systems zu verstehen, und daher ungeeignet, um aus ihr valide politische Handlungsempfehlungen abzuleiten.

WeraufdemtheoretischenFundamentdesWirtschaftsliberalismus eine historische oder politische Analyse vornimmt, liegt zwingend falsch. Denn wirtschaftsliberale Theorien, insbesondere die sogenannte Neoklassik, interpretieren gesellschaftliche Systeme, die dynamisch und jeweils historisch einmalig sind, als ein wiederkehrendes Spiel von Zuständen (Gleichgewichtszuständen), dessen Grundcharakteristik vollkommen statisch und ahistorisch ist.

Aus einem dynamischen Ablauf, der essenziell aus sequenziellen Zusammenhängen besteht – also einer Abfolge von Ereignissen, die sich nur im Ablauf der realen Zeit begreifen lassen –, hat die liberale Ökonomik eine Kunstlehre entwickelt, bei der sich zeit- und geschichtslos Angebots- und Nachfragekurven schneiden. Liberale Öko-

nomik ist im Kern der gescheiterte Versuch, fast alle relevanten wirtschaftlichen Phänomene als die Lösung des Problems der Verteilung knapper Güter über einen perfekten Markt zu erklären.

Offensichtlich geworden ist die Konzeptionslosigkeit des Wirtschaftsliberalismus in der großen globalen Krise an den Finanzmärkten, die  begann und in den beiden Jahren danach die Weltwirtschaft erschütterte. Höchst ineffiziente Kapitalmärkte haben damals gezeigt, dass das Dogma der Überlegenheit der marktwirtschaftlichen Steuerung aller Wirtschaftsbeziehungennicht richtig sein kann. Aber auch die nicht enden wollende Arbeitslosigkeit, die obszöne, weil dysfunktionale Ungleichheit, die Hilflosigkeit bei der Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft und der in vielen Ländern der WeltimmerstärkerzunehmendeDruck,derArmutdurch

Abwanderung zu entkommen, zeigen, wie fundamental falsch die liberale Weltdeutung ist.

Dennoch kam der Wirtschaftsliberalismus – nach einem kurzen Intermezzo der Staatsintervention und einer aufkeimenden Einsicht in das fundamentale Versagen von Märkten – fulminant zurück. Es war schiere wirtschaftliche Macht, die den politischen Entscheidungsträgern unmittelbar nach der Krise klargemacht hat, dass der Staat zwar den Retter in der Not spielen darf, dass daraus aber keineswegs der Schluss gezogen werden könne, dass über die Aufgaben- und Machtverteilung zwischen Markt und Staat neu nachgedacht werden müsse.

Die Systemkrise, die sich damals offenbarte, ist inzwischen als Thema aus dem öffentlichen Diskurs weitgehend verschwunden. Überwunden aber ist sie keineswegs.

Deflationäre Tendenzen, Nullzinsen, die anhaltend hohe



Arbeitslosigkeit, die Krise des Freihandels und die Unfähigkeit, die Investitionsdynamik früherer Zeiten wiederzubeleben, belegen zehn Jahre später, dass von einer Rückkehr zur Normalität nicht die Rede sein kann.

Dieses Buch zeigt an den Brennpunkten der Globalisierung detailliert auf, warum die (neo)liberale Hoffnung, den Staat auf die Rolle eines Rahmensetzers und Lückenfüllers reduzieren zu können, getrogen hat. Die Kapitalmärkte beispielsweise brauchen tagtäglich Hilfestellung vom Staat, um überhaupt funktionieren zu können; die sogenannten Arbeitsmärkte brauchen die Stabilisierung durch den Staat ganz unmittelbar, und das Geldwesen ist – anders als es der Liberalismus glauben macht – eine Domäne des Staates.

Die überragende Bedeutung der staatlichen Steuerung der Marktprozesse führt die Nationalstaaten jedoch in ein Dilemma. Denn es gibt keinen Mechanismus, der dafür sorgen könnte, dass die auf nationaler Ebene gefundenen Preise, Löhne und Zinsen sich so ergänzen, dass schwere Konflikte zwischen den Staaten verhindert werden können. Daher ist die internationale Koordination der Politik unumgänglich, wenn eine Weltordnung angestrebt wird, die den intellektuellen und kulturellen Austausch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Ländern, den Handel mit Gütern und Dienstleistungen zum Vorteil aller daran Beteiligten und die Bewegungsfreiheit des Einzelnen über die nationalen Grenzen hinweg ermöglicht.

Kurz gesagt: Der demokratische Nationalstaat braucht eine globale Ordnung, und die globale Ordnung braucht handlungsfähige Nationalstaaten. Denn nur in einem demokratischen Nationalstaat können die Preise gefunden



werden, die zugleich effizient und demokratisch legitimiert sind, und nur mithilfe eines globalen Ordnungsrahmens ist ein fairer Interessenausgleich zwischen den Staaten möglich.

Die Bewältigung dieser Aufgabe ist allerdings viel anspruchsvoller,alsesunsderliberaleMythosvonderspontanen Selbstregulierung gesellschaftlicher Systeme vierzig Jahre lang vorgegaukelt hat. Zentrale Voraussetzung für eine harmonische und friedfertige Koordination der Zusammenarbeit der Nationalstaaten ist nämlich ein übereinstimmendes Verständnis der zentralen ökonomischen Zusammenhänge.

Ein solches Verständnis hat es in den vergangenen dreihundert Jahren nur ein einziges Mal gegeben: Unter den Delegierten aus fast fünfzig Ländern, die sich am Ende des Zweiten Weltkrieges in dem kleinen Ort Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire trafen. Dort hat man sich in der Tat (allerdings ohne deutsche Beteiligung) erfolgreich auf die Grundzüge der Ausgestaltung eines globalen Geldsystems verständigt, das für mehr als zwanzig Jahre ein globales Wirtschaftswunder ermöglichte.

Heute sind die Aufgaben, die es auf der globalen Ebene zu bewältigen gilt, viel umfassender und komplexer. Insbesondere muss die ökologische Dimension der globalen Zusammenarbeit mit der ökonomischen Dimension in Einklang gebracht werden. Es ist keine Übertreibung, wenn man konstatiert: Die Staatengemeinschaft steht heute vor der größten Herausforderung der Menschheitsgeschichte.



I. Globalisierung und Digitalisierung – die Herausforderungen unserer Zeit

Fragte man die Menschen überall auf der Welt nach den größten Herausforderungen ihrer Zeit, die Antworten wären ziemlich ähnlich. Die meisten würden die Globalisierung und die Digitalisierung als die Phänomene identifizieren, die das Potenzial haben, ihr Leben entscheidend zum Guten wie zum Schlechten zu verändern.

Das ist mehr als erstaunlich. Die Digitalisierung ist zwar ein neues Phänomen, aber die Rationalisierung von Arbeit prägt die Menschheitsgeschichte schon seit Jahrhunderten, so dass man meinen würde, wir hätten inzwischen gelernt, damit umzugehen.Verwunderlich ist auch, dass es weder den internationalen Organisationen noch der internationalen Politik gelungen ist, für die sogenannte Globalisierung auch nur das Gerippe einer »Global Governance« vorzulegen, ja, dass noch nicht einmal begonnenwurde,diedamitaufgeworfenenFragenernsthaft zu diskutieren.

Woran liegt es, dass die Welt unfähig ist, die Folgen eines uralten Phänomens wie der Verdrängung menschlicher Arbeit durch technischen Fortschritt zu verstehen oder sich auch nur auf Grundzüge einer internationalen Wirtschaftsordnung zu einigen? Lässt sich das mit widerstreitenden Interessen der gesellschaftlichen Akteure erklären?Dochwer verhindert,dassetwadieArbeitnehmer und ihre Interessenvertreter wenigstens Lösungsansätze benennen? Und warum sollten die Interessen von Regierungen, die doch immerhin durch den Glauben an die wohltätige Wirkung des freien Handels, freier Märkte



und des freien Unternehmertums geeint sind, so unterschiedlich sein?

Esmusstieferliegende Gründedafürgeben,warumdie Politik nicht verstanden hat oder nicht verstehen will, wie eine funktionsfähige Wirtschaftsordnung auf nationaler und internationaler Ebene auszugestalten wäre. Offenkundig ist jedenfalls, dass eine solche Wirtschaftsordnung nur auf derBasis einerempirisch abgesicherten ökonomischen Theorie entworfen werden kann.

Doch eine solche umfassende ökonomische Theorie gibt es allerdings noch nicht. Entscheidend für jede neue Theorie muss aber sein, dass, wie wir das in diesem Buch versuchen, eine Neubestimmung des Verhältnisses von »Arbeit« und »Kapital« vorgenommen wird und »Geld« seinen Platz als zentrales Steuerungsinstrument der Wirtschaft einnimmt.

 

Warum ist die liberale Globalisierung gescheitert?

In den letzten Jahren hat sich eine Flut von Äußerungen über uns ergossen, die alle einen Tenor haben: Globalisierung und Digitalisierung überfordern die Masse der Menschen. Sie verunsichern die Bürger und Wähler, die sich daher vermehrt dem »Populismus« verschreiben. Sie liefen also denen hinterher, die versprechen, sie seien in der Lage, die unumgänglichen Anpassungsschmerzen, die von derGlobalisierungundderDigitalisierunghervorgerufen werden, zu lindern oder gar zu verhindern.

Die Wahl Donald Trumps in den USA und die Stimmengewinne »extremistischer« Parteien in ganz Europa,



wie zuletzt die der deutschen AfD, werden von den Leitmedien und den Parteien »der Mitte« fast unisono diesem Globalisierungs-/Digitalisierungskomplex zugeschrieben. Ob zunehmende materielle Ungleichheit oder Unzufriedenheit mit der eigenen wirtschaftlichen Situation, alles ist am Ende aus der konventionellen Sichtweise das Ergebnis der mangelnden Bereitschaft der Menschen, sich den Anpassungserfordernissen der neuen Welt zu stellen, die dem Einzelnen zwar wehtun mögen, im Großen und Ganzen aber unseren Wohlstand erhöhen. Wollt ihr, so die unterschwellige Botschaft der Populismuswarner, die bittereMedizinvon»Flexibilität«und»Anpassungsbereitschaft« nicht schlucken, wird euch am Ende der Populismus mit seiner unerträglichen Leichtigkeit des Seins zur Hölle schicken.

Die Kritik an der Globalisierung ist scheinbar umfassend, aber sie ist zugleich unkonkret und unstrukturiert, weil bei allen unterschiedlichen Blickrichtungen und ganz unterschiedlicher Kritik praktisch nie infrage gestellt wird, dass der freie Handel Gutes tut. Die Globalisierung, sagt etwa Peter Bofinger, schade zwar dem Einzelnen, nütze aber den Nationen (Kaufmann ). Die Manager in Deutschland und anderswo seien in Alarmstimmung, schreibt beispielsweise das Handelsblatt (Reuters ), weil es immer mehr Menschen schwierig finden, mit der sich schnell verändernden Welt klarzukommen. Man fürchtet neue Handelskriege, weil die Populisten nicht bereit sind, die notwendigen Härten des globalen Strukturwandels gegen den Widerstand ihrer Bevölkerung durchzusetzen. Thomas Fricke sieht die »entgleiste Globalisierung« als das entscheidende Problem unserer Zeit an (Fricke ) und findet gar einen engen Zusammen-



hang zwischen der Globalisierung und den Suizidraten in bestimmten Regionen der USA (ebd.), kommt aber nicht auf die Idee, zu fragen, an welcher Stelle und warum die Globalisierung entgleist ist.

Mark Schieritz fürchtet in der Zeit, dass Deutschland für sein »Bemühen«, als Vorsitz der G die »Wunden der Globalisierung zu heilen«, kaum internationale Partner findet (Schieritz ), vergisst aber geflissentlich, dass Deutschland selbst mit seinen Handelsbilanzüberschüssen jeden Tag neue Wunden schafft. Seine Kollegen in der gleichen Gazette sehen einen Aufstand gegen den Freihandel, obwohl es doch, so ihre feste Überzeugung, in Deutschland mehr Gewinner als Verlierer des Freihandels gibt (Nienhaus & Tönnesmann ). Ob Deutschland vielleicht ein besonderer Gewinner ist, vergessen auch sie zu fragen. Dazu gesellt sich Pascal Lamy (ein früherer Generaldirektor der Welthandelsorganisation), der zum Besten geben darf, dass »Populisten« sagen, Importe seien schlecht und Exporte gut, obwohl jeder drittklassige Ökonom (Lamy ist kein Ökonom) wisse, dass das Unsinn sei. Woher aber Lamy weiß, dass Importe gut sind, erfährt man nicht.

Das ARD-Magazin Plusminus schafft es (Krull ), mithilfe der Bertelsmann-Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zu »erklären«, dass Freihandel auf jeden Fall gut ist. Julian Nida-Rümelin glaubt (Nida-Rümelin ), dass Phasen der Entglobalisierung sehr gefährlich seien, was man daran erkennen könne, dass eine solche Phase Mitte des vergangenen Jahrhunderts im »Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg« geendet habe. In der FAZ, wie könnte es anders sein, wird ausführlich beschrieben (Armbruster ),



wiesehrderfreieHandelvonderGegenseitigkeitlebtund daher keineswegs einseitig zu Lastenbestimmter Länder gehen könne – wenn auch Härten für Einzelne freilich leider nicht zu vermeiden seien. Auch hier kommt der deutsche Fall nicht vor.

Richard David Precht, Philosoph,Weltversteher, Autor und Entertainer, wiederum hat die Digitalisierung entdeckt, die den Menschen die Arbeit nimmt (vgl. z.B. Phoenix ). Er wird nicht müde, davor zu warnen, dass uns ungefähr übermorgen die Arbeit ausgehen wird. Die dritte, die digitale industrielle Revolution droht, Chaos und Umsturz erschienen am Horizont, Gewerkschaften würden obsolet, die SPD verliere ihre Arbeiterklientel, und die Parteien hätten insgesamt keine Antworten auf die enormen neuen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die CDU habe gar nichts verstanden, die Linke wolle zurück in die siebziger und die AfD sogar zurück in die fünfziger Jahre.

Wie weit neben der Sache die aktuelle Diskussion zur sogenannten Digitalisierung liegt, hat Philip Plickert in der FAZ (Plickert ) eindrucksvoll demonstriert. Die dort zitierten »Experten« begreifen offenbar nicht, dass sie einem uralten Vorurteil aufsitzen. So sagt der Arbeitsmarktforscher Richard Freeman von der Universität Harvard: »Sobald Roboter und Computer etwas billiger erledigen können, nehmen sie den Menschen die Jobs ab – außer, diese sind bereit, weniger Lohn zu akzeptieren.«

Das ist falsch. Natürlich werden durch den technischen Fortschritt immer wieder bestimmte Jobs (nicht aber

»Jobs schlechthin«) vernichtet, weil Maschinen etwas besser, zuverlässiger und schneller können. Das hat sich seit Beginn der Menschheitsgeschichte nicht geändert. Und



wenn die Menschen von Beginn der Rationalisierung (die weit vor derIndustrialisierungbegann) anerfolgreichversuchthätten,denVerlusteinesbestimmtenArbeitsplatzes (ihres Arbeitsplatzes) durch Lohnsenkung zu verhindern, hätte es den steigenden materiellen Wohlstand schlicht nicht gegeben.

Das erkennt sogar der Autor der FAZ, wenn er richtigerweise feststellt:

Auf die Dauer hat sich nicht bewahrheitet, dass die neue Industriewelt keine Arbeitsplätze mehr bietet – im Gegenteil. Durch steigende Produktivität nahm mit der Zeit der Wohlstand auch in der BreitederBevölkerungzu.DerEinsatzmodernerMaschinenverbilligte die Produktion, die Preise fielen, und damit konnte auch die Nachfrage zunehmen. Statt der alten Berufe in Landwirtschaft und Handwerk, die überflüssig geworden waren, bildeten sich neue Industrieberufe heraus.

Er kann aber keine vernünftige Schlussfolgerung daraus ziehen, weil er nicht zugeben kann, dass es steigende Löhne sind, die man braucht, um die Rationalisierung abzufedern. Daher schreibt er schwammig über »steigenden Wohlstand und steigende Produktivität«, kann aber nicht erklären, warum die Preise fallen müssen, damit der Wohlstand steigen kann.

Das vergiftete Angebot des Neoliberalismus

Der neue Wirtschaftsliberalismus trat in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit dem Versprechen an, mithilfe einer einzigen zentralen Stellschraube alle wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Das Stichwort dazu heißt »Flexibilisierung«. Gemeint war zwar die Fle-



xibilisierung aller Lebensbereiche, aber vorneweg und in der Hauptsache ging es um den sogenannten Arbeitsmarkt. Inflexible Löhne waren aus der großen Kontroverse zwischen dem Keynesianismus (entstanden in den dreißiger Jahren des . Jahrhunderts) und der alten klassischen Gedankenwelt vom Beginn des . Jahrhunderts (begründet vonAdamSmithundDavidRicardo,aberentscheidend modifiziert und zu einer allgemeinen Theorie der Märkte umgebaut von Léon Walras) als das entscheidende Merkmal des neuen gesamtwirtschaftlichen Denkens hervorgegangen.

Inflexible Löhne wurden jedoch auch in der neuen, keynesianischen Gedankenwelt, die sich erstmals in der Geschichte der Ökonomik (auch Karl Marx blieb einzelwirtschaftlichem Denken verhaftet) auf die Analyse gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge konzentrierte, als hinzunehmendes Übel angesehen oder gar als soziale Errungenschaft, die man aus politischen Gründen nicht infragestellensollte.AuchimZugederkeynesianischenRevolution wurden inflexible Löhne nur selten explizit als eine entscheidende Voraussetzung für erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung angesehen. Deswegen stellte man sichindensiebzigerJahrendesvergangenenJahrhunderts nur halbherzig gegen den Versuch der Vertreter des alten liberalen Paradigmas, erneut die Flexibilität aller Preise einschließlich der Löhne als den wichtigsten Faktor einer erfolgreichen Entwicklung der Wirtschaft hervorzuheben.

Als im Gefolge der Ölpreisexplosionen in den siebziger Jahren hohe Inflation und hohe Arbeitslosigkeit zugleich auftraten (die berühmte Stagflation), war die Stunde der Liberalen gekommen. Nun konnten sie scheinbar über-



zeugend belegen, dass Systeme, in denen der wichtigste Preis einerMarktwirtschaft, derPreis für Arbeit nämlich, inflexibel ist, unlösbare Konflikte schaffen, die mit den Rezepten des Keynesianismus nicht zu bekämpfen sind. Nur flexible Preise und unabhängige Notenbanken, so die Botschaft des »neuen Wirtschaftsliberalismus«, würden die Bedingungen schaffen, die es erlaubten, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Der Neoliberalismus verband sich mit dem Monetarismus und schuf auf diese WeiseeinnurschwerzuüberwindendestheoretischesBollwerk. Monetarismus ist die uralte Lehre, die darauf setzt, es könnegelingen,eine Geldmenge zudefinierenund technokratisch so zu steuern, dass die Inflation für immer zu einer Randerscheinung des Wirtschaftsgeschehens degradiert würde.

Doch was dieser »Neoliberalismus« an konstruktiven Lösungen zur Überwindung der Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung anbot, war extrem dürftig und gar nicht so neu. Neben der Flexibilisierung allerPreisekannte und kennt er nur den freien Handel als notwendige und hinreichende Bedingungen für Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung. Folglich wurde die Globalisierung als das Mittel schlechthin erachtet, um dafür zu sorgen, dass überall auf der Welt freie Unternehmer auf freien Märkten das tun, was sie nach Meinung der Wirtschaftsliberalen besser können als jeder Staat: die Chancen des technischen Fortschritts über unternehmerische Investitionen konsequentnutzenunddadurchdieoptimaleVersorgung aller Menschenmit Wirtschaftsgütern aller Art sicherstellen.

Betrachten wir also die Lösungsvorschläge des Neoliberalismus genauer und beginnen mit der Frage, ob es

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MÁR OKOS VAGYOK, MERT VAN OKOSTELEFONOM!

2018. július 05. 15:31 - RózsaSá

MÁR OKOS VAGYOK, MERT VAN OKOSTELEFONOM!

-A kormány elrendelte, hogy mindenki hordjon magával egy kis fénylő dobozt és kövesse az azon látható utasításokat.

-Vettem egy okostelefont 60 ezerért, de nem tudta megmondani, miből fizessem vissza a 60 ezer kölcsönt.

-Este ott felejtettem a telefonom az asztalon – másnap megjelentem az interneten meztelenül.

-Ha mindent elmondok a telefonba, mit mesélek el, ha haza értem?

-A Halál megállt a küszöbön. Semmi. Mindenki a kütyüjét kaparászta tovább. -Én a Halál vagyok! - recsegte mérgesen és dobbantott. Semmi. Erre földhöz vágta kaszáját és el.

-És a valóságban, ott is vannak ilyen lények? A gyerek egy pillanatra fölpillantott: -Mi az, hogy valóság?

-Eltévedtél, Pistike? Ne sírjál, csak mondd meg, mi a címed! -Pistike.hu!

-Főtt tojást akartam enni, de nem tudtam tüzet csinálni. Erre fogtam a telefonom és azzal főztem meg a tojást.

-Valahol elhagytam a papírjaim, de nem emlékeztem, hogy hol. Fölhívtam a telefonközpontot, mondják meg, merre jártam egész nap?

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PRECHT: VADÁSZOK...9-28 OLDAL

2018. július 04. 08:21 - RózsaSá

Ma, 2018-ban korszakváltás küszöbén állunk. A rég áhított „automatizálás”, először az emberiség történelmében, tényleg egy bérmunka nélküli betöltött élet lehetőségét kínálja: a régi munkavilág, gyakran monoton szolgáltató foglalkozásokkal, melyekre az iskola még dresszíroz, eltűnőben van; nem másképp mint a XX. sz. második felében a bányászok és a kohászok nehéz testi munkája. Ami vonz, egy elidegenedés, kondicionálás és egyhangúság nélküli, szabadon választott tevékenységű élet.

Ám hogy is fognak a jövő vadászai, pásztorai és kritikusai pontosan élni? Ki fog arról gondoskodni, hogy az automaták kigazdálkodott, szociálköltségmentes, fantasztikus nyereségei hozzájuk eljusson? Ki ösztönzi tehetségeiket és kiváncsiságukat az önrendelkező élet tekintetében? És az élhető jövő tereit milyen színekre fogjuk festeni?

Sok európai, különösen a németek számára, egy ilyen élhető élet bizarrnak tűnhet. Vajon világunk, civilizációnk, kultúránk nincs-e a legnagyobb válságban? A klímaváltozás kiszárítja az afrikai sztyeppéket. Míg gyakran sajátunkért aggódunk, megfeledkezünk a tűző nap globális burn-out-járól. A tengerszint emelkedik, termékeny földeket áraszt el és egész atollokat nyel el. A lakosság rohamos növekedése megavárosokat hoz létre, óriási szeméthegyekkel. A menekültek áramlatai, mint egy delta ömlenek a Földközi tengerbe és a Európa, a szegénység ellen épített, düledező védőbástyáit mossa alá, míg nem ezek egyszer teljesen leomlanak.

Az állat- és növényvilág haldoklik, csak a hasznosak élik túl, vagy az állatkertben mutogatható állatok. A nyersanyagokért (olaj, lítium, kobalt, koltán, ritka földfémek, ivóvíz) kereskedelmi háborúk folynak - vallásháborúknak és humanitárius beavatkozásoknak álcázva. A fosszilis energiák korszakából, egy utolsó ízben, ágaskodnak a nagyhatalmak olyan végítélet jelenségekkel, mint Donald Trump és ripityommá zúzzák a Földet – ahelyett, hogy gyógyítanák. Ez az önrendelkező életű utópia ideális táptalaja? Egy korszakváltás? Vagy nem több egy végítéletnél?

A helyzet zavarba hozó. Míg a technika és a forgalom rajongói arról zengedeznek, milyen „bámulatos” a közeledő forradalom, a Nyugat legtöbb emberében hiányzik a hit. „A jövő és a kapitalizmus, így együtt, idegenül hangzik, mintha nem tartoznának össze.” - írta az író Ingo Schulze már 10 éve. Már nem álmodunk többé kolóniákról a Marson és a Holdon (De bizony a NASA! RS18VI27), mint a 60-as és a 70-es években. A Nyugat társadalmai a jelen és a „csakígytovább” irányában kötelezték el magukat – nem egy sokatígérő jövő fejlesztésében. És míg a politikusok választóikat egy hálózsákban, széles Európában, ilyen szép szavakkal álmosítják: „közösen”, „bizakodóan”, „jól megy nekünk”, addig a technika fölborítja a Földet és összes életviszonyainkat megkeveri. A társadalom ideálmodott fölfordító „automatái” már dolgoznak: hálósított számítógépek és robotok. Ezekbe özönlenek az adatok, olyan mennyiségben, hogy az meghaladja az ember fölfogó képességét. És nyakunkon az egyre autonómabban eljáró mesterséges intelligencia. Ezek pontosan a „csakígytovább” ellenlábasai.

11 Ám ki rajzolja meg egy ilyen jövő képeit? Ki mutatja meg, mit és hogyan kell kialakítani? Engedjük át a jövőt a csak rövid távon gondolkodó nyereségoptimálóknak, mint a Google, Amazon, Facebook, Apple? A német liberálisok esetlen potyautazóinak: „Digitalizálás first – megfontolás second”? Higgyünk az apokaliptikusoknak, akik szerint a gépek diktatúrája jön; végítélet-prófétáknak, akik az USÁban már rég elorozták az optimistáktól a jövőképek előrejelzését? Vagy az öko-pesszimistáknak, akik a bolygóra már rég keresztet vetettek, mert már minden késő? Utópia és rezignálás, ígéretes és elbukó emberiség ismét olyan közelre került egymáshoz, mint a késői középkorban. Akkor egyesek Krisztus ezeréves birodalmát várták a Földön, mások a következő háború és pestis végítéletét. És – ma már tudjuk – épp ezen egyidejűség volt a kezdete egy újnak, az emberiesség újjászületésének, a reneszánsznak a kora. Ha ma magunkat madárperspektívából megnézzük, az emberiséget egy ugyanolyan elágazásnál látjuk. (Reneszánsz 2.0? Vagy harc a maradékért?RS18VI27). Ám a bajt csak az képes elhárítani, aki hisz az esélyben; ha a vélt ténykényszerek és alternatívák logikájából ki tud törni, a kishitűségből és a pusztító kívánságból, hogy csak a mindenki által szeretett dolgokat szabad tennünk. „Politika” és „utópia” ma annyira összeférhetetlen, mintha Schulze fogalompárja, a „kapitalizmus” és a „jövő” ne tartozna össze. Ám csak azt tudni, amit nem akarunk, nem visz az életben előre, a társadalmat pedig a pusztulásba engedi.

Ez a könyv ahhoz próbál hozzájárulni, hogy az elkerülhetetlen jövő fatalizmusát az akarat és az alakítás optimizmusára cseréljük. Egy jó jövőkép festéséhez szeretne segítséget adni.

Megmutatni, hogy az orvoslás soha nem a technikában magában keresendő, ahogy sok „geeks” hiszi a Silicon Valley-ben, hanem a mód, ahogy vele bánunk, lehetőségeit kihasználjuk, veszélyeit időben kivédjük. Egy szóval: nem a technika fog életünkről dönteni, - mit ér egy okostelefon vagy egy mesterséges intelligencia, amit senki sem használ? A kultúra kérdése a döntő. Meg kell kérdeznünk magunktól, a technikát milyen emberi elvárással fejlesztjük és használjuk? Segítsen vagy helyettesítsen? Van az embereknek tényleg egy optimáló igényük? Nem kellene az ember valódi igényeire koncentrálnunk és nem az embert a géphez idomítani? Kultúra nélküli ökonómia embertelen. És a kultúra nem mozi, színház, zene és jólkeresők díszes kísérője, hanem az értékes élet irányadója. Hold- és Mars-települések, vízalatti városok nyilván nem ilyenek. Egy adatfelhő mátrixába szőtt élet sem lesz az.

T.S. Eliot nyomán: Nem csak agyunkkal kell majd a digitalizálást olvasnunk, hanem belsőségeinkkel, idegvégződéseinkkel is (4). A digitalizált jövő nem algoritmizálható, csak a gépek. És áldásos nem akkor lesz, ha technikai próféciái beválnak, hanem ha a Föld ilyen sok embere életét tényleg értékessé teszi!

 

FORRADALOM

A technikusok még soha nem értették meg az embert, a spekulánsoknak pedig az ember mindegy. Tehát mért is bíznánk ezekre a jövőnket?

Az általunk ismert teljesítménytársadalom vége

Átfordulások

 

Egy kísértet járja be a digitális társadalmat, a digitalizálás kísértete. Látja az egész világ. Egyesek örömmel-reménységgel, mások aggódással, félelemmel. Hol az az ipar, az a szolgáltatás, amely nem érzi magát eltalálva? Vannak-e emberek, akiknek már most kijut ebből a kétélű boldogításból,vagy szórakoztatásból?

Ebből a tényből kettő következik: a digitalizálást ma már minden közgazdaság hatalomnak ismer el. Itt az idő, hogy irányítását kézbe vegyük, mert most dől el, áldás vagy átok lesz-e számunkra? Mert a jövő nem j ö n , a jövőt mi c s i n á l j u k – mondjanak bármit is a magabiztos „jövőkutatók”. (A tömegtársadalom sodródik, A sasadi tsz levele, 1998, RS18VI28). A kérdés nem az, hogyan fogunk élni, hanem: hogyan akarunk élni!

A nagy barokkfilozófus, Gottfried Wilhelm Leibniz nem is sejthette, mit tett, amikor Ernst Augustus Hannover-nek, Braunschweig hercegének azt javasolta, kódolja az egész világot egy egyetemes nyelvben – az 1 és a 0 nyelvén. Nem gondolhatta, hogy ez a matematikai megjelenítésmód majdan egész élet- és munkavilágunkat forradalmasítja, azt, hogyan kommunikálunk és gondolkodunk,

azt, hogy önálló, közösen működő gépek lesznek, lesz egy dolgok internetje, robotok és mesterséges intelligencia, melynek programozói arról álmodoznak, hogy ezek az emberi agyat is túlszárnyalják.

Mindez úgy tűnik, mint régi emberiség-álmok megvalósítása. Mint az angyalok, siklunk, szörfölünk időn és téren át, megszabadítjuk magunkat a kemény és unalmas munkától, virtuális világokat barkácsolunk, betegségeket győzünk le, és egyszer matuzsálemi kort is megélünk vagy akár a halhatatlanságot. De mi történik, ha így valóságot nyerünk, de álmot veszítünk? Mi lesz mindama nem-technikai, hanem lelki életterekkel, melyek sok embernek nagyon fontosak; mi lesz az irracionalitással, a megokolhatatlansággal, a véletlennel, az élővel? Ez a technikai világkép vajon nem teszi-e tönkre mindazokat, „akiknek a lélekhez kell valamit érteni, mert mint lelkészek, történészek, és művészek megélhetésüket erre alapozzák?” És a matematika egy „gonosz értelem” forrása lesz, mely bár az embert a világ urává, de egyszersmint a gépek szolgájává teszi?

Egy mérnök az, aki ezeket a kérdéseket fölteszi, a matematika egy őszinte csodálója. Az osztrák író, Robert Musil, több ezer oldalon át írja le, mit csinál a technikai forradalom az ember lelki életével. Átalakít bennünket – ahogy regényének címe mondja – „tulajdonságnélküli” férfiakká és nőkké. Musil regényét olyan időben indítja, amit a második ipari forrdalomnak neveznénk, az ipari tömegtermelés, a Ford-művek futószalagjai által beharangozva. De Musil már a húszas években az emberiség megszabadítását látja, mely nem ismer határokat. Ez ui. minden funkcionális differenciálása, „egy belső aszály felé”; „az egyes élessége és az egész közönye rettenetes keveréke felé”, „az egész elhagyatottsága felé, a részletek sivatagában”. „A logikai éles gondolkodás milyen lelki veszteségeket okoz?” kérdi Musil. (Az értelmiségi munka megvetendő, A sasadi tsz levele, 2008, RS18VI29).

Az idők és a kérdések mennyire hasonlítanak! Ma is, a 4. ipari forradalom kezdetén, szinte minden emberi életterület fölforgatásra kerül. És ismét az innovatív technika az, ami ezt kiváltja. Mit fog, Musil-lal kérdve, lelki életünkkel tenni? És mit együttélésünkkel? Kapitalista gazdasági rendszerünket erősíteni fogja, vagy mással fogja helyettesíteni? A fölforgatások az 1. és a 2. ipari forradalmáéhoz lesznek hasonlók. Az első a XVIII.-XIX sz.-ban az agrárállamokat alakította át ipari államokká, a XX. sz. elején pedig megteremtette a fogyasztói társadalmat. Hosszú távon, mindkét forradalom nagyon sok emberre áldásos volt, a polgári társadalom és a későbbi szociális piacgazdaság alapjait fektette le.

 

Ám menetközben, teljesen váratlanul és ellenőrizhetetlenül kollaterális károkat okoztak: gyerekek, akik Anglia szénbányáiban gyermekségüket és életüket vesztették el, a sötét londoni és berlini bérkaszárnyák hátsó udvaraiban a tüdőbeteg emberek, akik hullottak, mint a legyek a budin; a beteg-, baleset-, munkabiztosítás hiánya a városba özönlőknél, akiknek szülei vidéken még parasztok vagy kézművesek voltak. Az ipari forradalom következményei, kubista életmód-változtatásával, nem kevésbé voltak drámaiak. A modernnek a magas házak, a liftek, a villamosítás és a motorizált közlekedés megadták az iszonyú tempót. Ám egyúttal mást is fölszítottak: túlterhelés, védő-mozgalmak, nacionalista gyűlölködés jött, amely a két világháborúban eszkalálódott. Egyedül a 3., a mikroelektronikai forradalom ment ma aránylag szerencsésen végbe. Ám a 4. - ennyi bizonyosra vehető – a Richter-skálán meglehetősen nagy kilengést fog okozni. Mert most nem a termelőgépek változnak, hanem az információs gépek. A jelen és a jövő információcseréje és hálósítása az emberiség történetében példa nélküli sebességgel zajlik. A számítógép chipjeinek tárolóképessége az utóbbi 10 évben ezerszeresére nőtt és tovább nől. Ma már gazdaságunk minden területe digitalizált, kezdve a nyersanyagok beszerzésétől, a marketing, a forgalmazás, a logisztika területein át, egészen a szolgáltatásokig. Az ún. platform-kommunikáció hagyja, hogy az ügyfelek teljesen önállóan, saját maguk intézzék üzleteiket, az eBay-jel, az Uber-rel, az Airbnb-vel, továbbá blokkláncok és FinTechs segítségével. Sok új üzleti modell dinamikája diszruptív – ez a digitális forradalom varázsszava. (Kiszorító?RS18VI30). Ahelyett, hogy a régi technológiákat és rég bevált szolgáltatás-teljesítéseket lépésről lépésre megújítanák, egyszerűen helyettesítik. A taxisofőrt kilöki az Uber, a hoteleket a Airbnb, a hagyományos autóipar nagy teljesítményű termékeit kiszorítja az önjáró autó. A jövőben a gyártás jelentős részét additíven a 3D nyomtatás veszi át. A bankok klasszikus ügyfélszolgálata hamarosan fölöslegessé válik, mert a digitalizált pénzforgalom közvetítő emberek és intézetek nélkül is megoldható. Az értékteremtés jelentős része ezzel decentralizálttá válik.

 

Mindezen fejlesztéseket semmilyen természeti haladás-törvény nem kényszeríti ki, hanem a gondolkodás és a gazdálkodás egy bizonyos válfaja: a hatékonyságra törekvés! Hogy az emberek mindennél, amit előállítanak, csak egy célt, a pénz szaporítását követik, semmi esetre sem biológiai természetük része. Ha ez így lenne, az emberiség egészen a reneszánszig saját természete ellenében élt volna és élne ma is a világ egyes részein, pl. az Ituri-őserdőben, a masszaiaknál, vagy a Fülöp-szigeteken a mangyanoknál. A költség-haszon kalkuláció csak a XIV. és a XV. században az olasz kereskedőknél lesz kulturális vezető motiváció. (?? Nem Évánál?RS18.06.30). A középkor még a statikus céhi rend-szisztémát követte, a fix árakat és alkukat, irtózva minden dinamikától, változástól és haladástól. A rég bevált megváltoztatását gyűlölték, és az egyház hatalmas férfiai, mint Aquinói Tamás, eleget fáradoztak, hogy az újításokat kiátkozzák. A pénznek rossz volt a hírneve, a pénzsóvárság bűnnek számított, a kamatszedés be volt tiltva. Ha a pápák és a fejedelmek a szabályokat gyakran át is hágták, mégis ebben a korban az állandóság és nem a haladás volt a vezető ideológia.

Azóta a hatékonyság, a teljesítőképesség és az optimalizálás gazdaságunk fő ösztönzői. Fosszilis anyagokat, olajat és szenet használunk, tüzelünk el a pillanat kedvéért. És ez soha több, mint az új tegnap. (??). A kapitalizmus nem ismer végállapotot, hanem mindig új átlépendő határokat. Ám nem csak fizikai, hanem metafizikai határokat is használ forrásként. Az idő legkésőbb a 2. ipari forradalom óta számít pénznek. Amit a Ford-futószalagok látványosan bemutattak – a termelés kérlelhetetlen időritmusa – ma egész életünkre átterjedt. Az időt mérik, az idő drága jószág, amit ki kell használnunk és nem elherdálnunk. A hatékonyság-gondolkodás – vagy ahogy Max Horkheimer és Theodor W. Adorno óta a filozófia mond: az „eszközösített értelem” - egy kérlelhetetlen értékesítéslogikának engedelmeskedik. Egyre kegyetlenebb lesz és egyre gyorsabb.

Mégis van valami új a 4. ipari forradalom efficiencia-gondolkodásában: az optimalizálás-parancsot nemcsak a termelőviszonyokra alkalmazza. Magát az embert is optimalizálandónak tekinti! A Silicon Valley prófétái az ember és a gép egybeolvasztását hirdetik meg. A homo sapiens csak egy chippel az agyában tűnik nekik optimálisnak. A jelenlegit mindenesetre deficitesnek tartják. De ki definiálhatja egyáltalán, hogy az embert föltétlen optimalizálni kell? Az embernek valami hiányzik, amit meg kell (újra) találnia, ez Platon óta filozófiai hagyomány. Ám ott arról volt szó, hogy igazságosabbá és belátóbbá váljék. Fajunknak valamennyi figyelmesség, szerénység, békeszeretet, szeretetreméltóság valóban nem ártana. A pénz, a hírnév és a hatalom iránti sóvárgást zabolázni kéne – de mindezt a digitális forradalomnak eszében sincs optimalizálni! Nyereségeket akar optimalizálni. És az „optimalizálás” az embernél annyit jelent, hogy a géphez kell hasonlóvá tenni – tehát nem humánusabbá, hanem kevésbé emberivé.

 

Tehát számolatlanul megkérdőjelezik nemcsak a hatástalannak megbélyegzett gazdasági formákat, társadalmi modelleket és vállalkozásokat. Emberi önképünket is kétségbe vonják, „ineffektív” életmódunkat és együttélésünket, politizálásunkat. (Sakkoztam a téren, de odalépett egy rendőr hozzám, hogy mért nem emelem a dzsídípít? RS18VII1). Ám jobb, boldogabb lesz-e az ember, ha „smart”-tabb lesz és egymással optimáltabban fogunk bánni? Ki mondja meg tulajdonképpen, hogy az optimum az időtakarékosságban rejlik-e, rövid, egyenes utakon? És annál individuálisabbak leszünk, minél jobban kitesszük magunkat a technikának? Ki állít és milyen céllal ilyen egyenleteket föl? Egy átlátszó, mindenkor lehívható élet értékesebb-e, mint egy átláthatatlan, kiszámíthatatlan?

 

Eddig, úgy tűnik, nincs humánus ellenmodell a steril és csontig embertelen Silicon Valley világokkal szemben. Ezek technokrata szabadságígérete inkább kevesebb szabadsággal jár: személyes adataink ellopása, cégek és titkosszolgálatok általi észrevehetetlen megfigyelésünk, ellenőrizésünk, egyének optimalizálásra kényszerítése. Minél jobban fényezik életviláguk felhasználó felületeit, annál jobban fogják magukat hiányosnak érezni a user-ekre degradált emberek. Valamikor önmagukat is olyan diszfunkcionálisnak fogják látni, ahogyan már a géprajongók szerint amúgy is azok. Nemcsak olyan technikák, mint a diafilmek, autók és floppyk, CD-k halnak ki, nemcsak olyan cégek, mint a Nokia, Kodak, VW, Commerzbank és HUK-Coburg. És nemcsak cég- és közigazgatási épületek válnak a haladás látható romjaivá, mint egykor a szénbányák és acélművek – életemlékeink, életstílusaink és nagyon régimódi önéletrajzok a jövő technoszférájába nem fognak belepasszolni. A nyilvános vita ma még mindenekelőtt a munka világára, a politprofikra, popsztárokra, poétákra, profétákra és professzorokra korlátozódik, akik a munka jövőjéről színpadokon, fórumokon, kongresszusokon és „summits” találkozókon vitatkoznak. Két tábor áll szemben - előrejelzései ellentmondóbbak nem is lehetnének. Egyesek a teljes foglalkoztatást vízionálják. Vajon nem a technikai haladás emelte-e mindig a termelékenységet, az pedig a dolgozók számát? Ebben az US Nobel-díjas Robert Solow-ra hivatkozhattak. „A Contribution to the Theory of Economic Growth”, 1956-os cikke szerint a technikai haladás tett mindig egy óriási termelékenység-növelést lehetővé. Nem a munka és a tőke, hanem a technika a döntő növekedési tényező. Mi szól tehát az ellen, hogy most is több produktivitásból, több növekedésből és több foglalkoztatásból indulhatunk ki?

 

Ez a magatartás csak egy tudós mosolygással támasztható alá. Nem jelezte-e a brit közgazdász, John Maynard már 1933-ban előre, hogy a haladás az ipari államokban tömeges munkanélküliséghez vezet? „Gyorsabban találunk több munkahatékonyság-növelésre lehetőségeket, mint amilyen gyorsan a fölöslegessé váló munkaerőknek új foglalkozási területeket?” És nem másképp jött? A SPIEGEL (1978. ápr.17.) címoldala kecsegtető képet vetít előre: „A haladás munkanélkülivé tesz. A computer-forradalom.” Egy barátságtalan robot kampós kezével tart egy kónyadozó munkást. „Parányi elektronikus építőkockák milliók munkahelyét veszélyeztetik az iparban és a szolgáltatásban.” Ám a sötét jóslat ismét mellé ment. 1995-ben pedig az US-szociológus és ökonóm Jeremy Rifkin beharangozta a „munka végét”, amire azóta is várunk.

Gőzgép, szövőgép, villamosítás és elektronika – nemhogy a munkát csökkentette volna, hanem inkább növelte.

A derűlátó jövőbarát mára kijózanodva kételkedik a proféciákban. A víziókat fölöslegesnek tartja, mert a jövő-témánál egyébként sem lehet időszerűnek lenni és senkinek nincsen üveggolyója. Így a világ változásainak hátterét nem kutatja, a honaputánt firtató gondolkodókat kigúnyolja és a sok apró tényeken, számokon és görbéken kívül, melyek a technikai haladást naponta produkálják, nem hisz semmiben.

A tegnap prófétái a ma bolondjai. Tehát semmi, csak téves riasztás, ha a Davos-i világgazdasági fórum 2016-ban bejelenti, hogy a digitális forradalom az ipari államokban a következő 5 évben 5 millió munkahelyet töröl el? Vagy a kisérteties számok, melyeket az Oxford professzor Carl Frey idéz, miszerint az összes US-munkahely fele radikálisan átalakul vagy eltűnik? Társával, Michael Osborne-nal készített terjedelmes tanulmánya a munka jövőjéről, hasonló eredményre jut. E szerint a világ legfejlettebb államai a következő 25 évben munkahelyei 47%-át elveszítik (6).

Ezen számok egyike sem megbízható – ezt maguk a szerzők is tudják. Ám várható, vagy akár valószínűsíthető, hogy könyvelők milliói, pénzhivatalnokok, közigazgatási szakemberek, jogászok, adótanácsadók; kamion-, busz-, és taxisofőrök, banki alkalmazottak, pénzügyelemzők, biztosítási ügynökök százezrei stb., nemsokára fölöslegessé válnak. Minden foglalkozás, melyek rutinjai algoritmizálhatók, elvileg lecserélhetők. Szemantikus keresőmotorok, mint az IBM „Watson”, filmelőzeteseket készítenek, vagy orvosi és jogi szakvéleményeket nyomtatnak. Önvezető autók már rég futnak és a hagyományos utcai közlekedésünk ember-sofőrjeit belátható időn belül helyettesítik. Autóvezetői vagy irodai foglalkozások közül Frey és Osborne több mint 700-at sorol föl, melyeket részben vagy teljesen számítógép vált le.

A korábbi szakiskolák munkáját robotok veszik át. Sok mindent, amit korábban szakemberek végeztek, elvégzik maguk az ügyfelek síkképernyő felületén. A „prozument”-té, a produkciós konzumentté való válás régebbi, mint a digitalizálás. Emlékezzünk csak a 60-as évek No.-ára, amikor az élelmiszer kisboltokat nagy szupermarketek váltották le. A diszkont nemcsak olcsóbb lett, mert nagyobb lett, hanem mert a vásárlók kiszolgálták magukat és a cég megspórolhatta a személyzetet. Ugyanez érvényes a kávé- és a vonatjegy-automatákra is, a 70-es és a 80-as években ahogyan az IKEA-vásárlók önépítő-művészetére szintúgy. A digitális korszak a „dolgozó ügyfele” nem más, mint ennek az „önkiszolgálásnak” a konzekvens folytatása: utazást venni, repülőtéren besorolni, ruhát vagy könyvet rendelni, átutalásokat intézni, stb.

 

Ám ha valaki a jövőben bárhol a síkképernyője hátlapjára pillant, melynek előlapján valaki valamit magyaráz, amit magunk is meg tudunk csinálni, annak a tanácsadónak a fogalkozási profilja eltűnik.

A síkképernyő-hátlap-tanácsadó-munkák („Flachbildschirmrückenseitenberatungsjobs”) a matematikus és volt IBM menedzser Gunter Dueck szerint, kihalnak. És a platformkapitalizmus mindennel tud kereskedni: tárgyakkal, szállásnapokkal, kommunikációval, közlekedéssel, energiával, pénzügyi tranzakciókkal, táplálkozással, életmód-tanácsadással, párkereséssel, szórakoztatással – és mindezt minden szakszemélyzet nélkül. Oscar Wilde megálmodott ”automatái” diadalútja föltartózhatatlannak tűnik.

E közben nem tárulhat-e föl új foglakoztatási lehetőségek egész sora? Az UPS-sofőrök legalább egy ideig drónokat kezelhetnének, csomagok szállítása helyett. De csak addig, amíg ezeket a munkákat is nem robotizálják. A digitális forradalom alacsony bér-korszaka talán még egy-két évtizedig tarthat, de aztán ennek is vége.

A jövő foglakozásai ma az informatikus és a technikus. Ma ők a menők, a cégek vadásznak rájuk. Aki No.-ot derűlátásra akarja bírni, informatikusok tömegét vízionálja, mely a teljes foglalkoztatást hozza el. (Csakhogy versenyezni kell 1 mrd kínai, 1 mrd. indiai, stb. közül kikerülő szuper programozóval!RS18VII3). De itt is jól járunk, ha figyelmesebben odanézünk. Nem mindenki rendelkezik ilyen igényes és specializált foglalkozáshoz alkalmas képességgel, az informatikus képzésben óriási a leszakadás. Hosszabb távon és országosan nem minden informatikus kap munkát, hanem csak a legjobbak. Mert amit a mesterséges intelligencia egy napon biztosan tudni fog: programozni. Csak bizonyos magasan képzett specialisták kapnak az ún. MINT szakokban állást. (MINT: matek, informatika, term.tud. és technika). Ilyenek a virtuális és embervilágok webdesigner-jei, akik robotokat építenek és javítanak, új üzleti ötleteket fejlesztenek. A „normális” informatikus valószínűleg közép- és hosszútávon helyettesíthető lesz.

 

Ebben a helyzetben olyan szakvélemények sem segítenek, mint a MIT-technológia-szakemberek, Erik Brynjolfsson és Andrew McAfee vígasztaló megállapításai: „Az automata Google-autó m é g nem jár minden utcában és m é g mindig tömegével dolgoznak ember-pénztárosok, ügyfél-kiszolgálók, ügyvédek, sofőrök, rendőrök, mobilis ápolók, menedzserek és mások.” (7). Továbbá: „Nem mindenki van veszélyben, hogy lemossák a pályáról”(8). Röviden: Nem minden dolgozót fog érinteni (8). Egy kicsi munka marad az embernek is. De ez kit kellene, hogy megnyugtasson? Hogy a munka még nem mindenki elől tűnik el, a politikusokat nem biztos, hogy derűlátásra ingerli. Olyan államokban, mint No., elég, ha csak a pénzért dolgozók egytizede veszíti el munkáját és itt a szociális katasztrófa. A cool MIT-szakik azt tanácsolják: nyugodtan bízzunk a régi gazdasági modellben és továbbra is a legnagyobb növekedésre törekedjünk. Aki Erik Brynjolfsson és Andrew McAfee könyvét, a The Second Machine Age-et olvasta, ilyen ajánlásokokon csak csodálkozni tud. Fölvilágosít, hogy a digitálizálás az egész gazdasági modellünket kibillenti és egy újjal helyettesíti. A szerzők bezsongnak, mikor a mesterséges intelligencia korszaka új gépeiről mesélnek. Nincs fantázia, amely ezt a teljesen megváltozott világot elénk tárja. Ám amikor emberek kerülnek szóba, társadalom és politika, vége a fantáziának. Hát az 1. ipari forradalom nem borította föl teljesen az emberek életét, nem hozta el a polgári demokrácia teljesen új társadalommodelljét oda, ahol előbb az egyház és a nemesség uralkodott? Ám a MIT-szakik szerint egy összehasonlíthatatlan óriási törés ellenére, a mi jelenlegi társadalmi modellünkkel vígan tovább élhetünk! A munkapiac kiegyenlítése több oktatásba fektetett pénzzel, magasabb tanári fizetésekkel, starts ups és gyorsabb hálósítás-impulzusokkal sikerülhet. Ilyeneket a vállalkozói szövetségek szívesen hallanak. Valójában azonban az ilyen javaslatok nyájassága a 60-as évek propaganda filmjeire emlékeztet, miszerint egy atomtámadás esetén barrikádozzuk el magunkat homokzsákokkal, feküdjünk a földre és tegyük a fejünkre az aktatáskánkat.

 

Természetesen a jövőben is lesznek új foglalkozások. Kérdés, mennyi? És ezek kevésbé az alacsony-bér-szektorban, inkább a nagy teljesítményű IT- és hasonló területeken. Egyik ilyen a magas rangú szolgáltatás négyes szektora. Egy repülőteret időben megépíteni nyilván a digitális korszakban is izgalmas kihívás. Projektmenedzser és logisztika is a jövő foglalkozásai. Az élet túl tarka, a körülmények túl szeszélyesek, az emberek túl kiszámíthatatlanok ahhoz, hogy ezeket a föladatokat gépekre lehessen rábízni. A XXIV. sz. Enterprise sem jön ki személyzet nélkül...

A második területhez minden olyan foglalkoztatás tartozik, ahol az embereknek a jövőben is fontos lesz, hogy hús-vér fajtársaikkal vegyék körül magukat. Nyilván itt is lehetséges óvónőket, tanítókat valamikor robotokkal és computerprogramokkal helyettesíteni. De ez nem is kívánatos, nem is valószínű. Autentikus megszólítás, részvétel és gondoskodás a jövőben is érték marad.

Ugyanez érvényes a szociális munkásokra, integrálás-segítőkre és terapeutákra. Egy szálloda igazi ember-recepciósa, szabadidő-animátor, kedves és kompetens eladó, táj- és belső építész, fodrász továbbra is nehezen nélkülözhető. Egészség terén ugyanígy. Nyilván egy intelligens mérőeszköz a csuklón, rákötve az egyetemi klinikára egy cukorbeteg életét védheti és meg is mentheti. Mindenki mérhet vérnyomást, megbízhatóbban, mint a háziorvos sebtiben. De egy emberre is szükségünk van, akivel testi és lelki hogylétünket megbeszélhetjük. Egy emberre, aki elpirulás nélkül tud ránk nézni, ha meztelenek vagyunk. Valaki kell, aki nem aszerint ítél meg, hogyan nézünk ki és akkor is ránk néz, ha csúnyák vagyunk. Amit a háziorvos technikai fölényéből elveszít, hozzáadódik az emberi felelősség oldalán. A life count a jövőben lehet, hogy ismét egy „háziorvos” lesz – egy ember, aki házunkba jön, ismeri biotópunkat, meghallgat és gondoskodk rólunk – fizikailag és lelkileg. (A pap újraföltalálása? RS18VII3). Szabad idő és egészség területén a jó emberi erők mindig keresettek maradnak.

A jövő nyertesei a kézművesek is lehetnek. Minél kevesebb olyan szolgáltatás marad, amihez érettségi és diploma kell, annál jobban fölértékelődnek az akadémiai bizonyítványokat nélkülöző foglalkozások. A 3D-nyomtató sorozatban gyártja le a kért termékeket és olyan üzleti modelleket fenyeget, mint az IKEA. Jó kézműves munka, egy ember által ácsolt asztal, vagy egy egy jól lefektetett kőlap-padló a jövőbben értékesebb és drágább lesz.

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PRECHT: VADÁSZOK, PÁSZTOROK, KRITIKUSOK toplistás könyv

2018. június 26. 14:12 - RózsaSá

PRECHT: VADÁSZOK, PÁSZTOROK, KRITIKUSOK

-Egy digitális társadalom utópiája-

A német toplista Nr. 1-ja: Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker -Eine Utopie für die digitale Gesellschaft, Goldmann 2018. Mai Ez egy online-könyv, kéthetente jön egy új fejezet, két nyelven. (Előzőek: Flassbeck: Gescheiterte Globalisierung, Adler/Sch.: Green New Deal /11 társadalommodell/, Hermann: Atomzeitalter, Nürnberger: Luther). www.okobetyar.blog.hu

 

TARTALOM

Az első kapcsolat 7

 

A FORRADALOM 13

Az általunk ismert teljesítménytársadalom vége 15

Átfordulások

A nyugágyakat festjük át a Titanic-on 40

A nagy túlterhelések

A palo-alto kaptalizmus kormányozza a világot 59

A disztrópia

Az elmúlt sohasem halott 83

A retrópia

 

AZ UTÓPIA

A gépek dolgoznak – a munkások énekelnek 101

Egy világ bérmunka nélkül

Szabadon élni 125

Alapjövedelem és emberkép

A nap jó ötletei 150

Kíváncsiság, motiváció, értelem és boldogság

Gondoskodnak rólunk? 17

Az előre nemlátott ingere

Történetek tervek helyett 200

A politikai visszatérése

Az emberiesség szabályai 219

Rossz és jó üzletek

A másik társadalom 21

Búcsú a monetocéntől

 

ÉJI GONDOLATOK 263

Mi és a többiek 265

A digitalizálás az egész világra kihat

FÜGGELÉK Jegyzetek Ajánlott irodalom Köszönet

 

A jövő gazdasága kicsit másként funkcionál. Nézze, a XXIV. században nincs pénz. A gazdagság keresése már nem ösztönző erő az életünkben. Azért dolgozunk, hogy önmagunkat és a maradék emberiséget jobbítsuk.” (1)

Több, mint 20 éve, hogy Jean Luc Picard, az Enterprise kapitánya, a jövő 2373. évéből előrejelezte, ami ránk vár: egy pénz és bérmunka nélküli társadalom! Ui. a XXIV. században teljesen elképzelhetetlen, ami 1996 szokványos emberi hétköznap: anyagilag motiválni lenni, hogy magunkért és a társadalomért valamit tegyünk. Ami a Star Trek VIII „Első kapcsolat”-ában a jövő maszkjában megjelenik, több, mint egy sci-fi fantázia. Ez egy régi emberiség-álom, a XVI. és XVII. sz. beköszöntő kapitalizmusa és bérmunkája óta. Már az angol gentleman, Thomas Morus, a kalabriai dominikánus szerzetes, Tommaso Campanella és a technika-rajongó lordkancellár Francis Bacon nem ismerik sem a pénzt, sem az áhított munkabért.

8

A XIX sz. korai szocialistái olyan időkért rajonganak, amikor a gépek dolgoznak és a munkások énekelnek – az okos automatáknak köszönve.”A valódi cél, egy olyan alapon való társadalom fölépítése, amely a szegénységet lehetetlenné teszi.” (2) Ezt a föladatot Oscar Wilde adja meg a XX. századnak. A bérmunka vége az „automatizáció”-álommal jön el. Mert az emberek tökéletesedése csak szabad idejükben történhet. Csak akinek szabad a keze, az élheti ki igazán magát, azt, ami a legfontosabb: saját individualizmusát!

Ennél híresebb az az őskép, amit Karl Marx és Friedrich Engels vázoltak. Eszméiktől és jó sok bortól ittasan, a fiatalok brüsszeli száműzetésükben megfogalmazták, milyen legyen a kommunista társadalom: „Ma ezt, holnap azt tenni, reggel vadászni, du. halászni, evés után kritizálni, ahogy nekem tetszik, anélkül, hogy vadász, pásztor, vagy kritikus lennék.” (3). Az osztálynélküli társadalom – álmodta meg a két fiatalember – meg fogja teremteni a „totális embert”. És a társadalmi munkából szabad foglalkozás lesz.

Kommunizmus, mint individualizmusunk gondozása, szeretetteljes gondoskodás, és hamisítatlan felelősség? Ez a Marx-Engels-utópia mennyire távol esik a sztálinista államkapitalizmus torzképétől! Ezt a szót „kommunizmus” hányszor ejtették már túszul és a „totális embert” hányszor helyettesítették már egy totálitárius rendszerrel. És mennyire csillogóak és korfüggőek a színek, amilyenre az emberek egy tényleg szabad társadalom passzentos külalakját kifestették: a dominikánus Campanella napimádó szolarier-jei fehér köntösei, Oscar Wilde bársonykabátos dandy-jei, a letűnt feudalizmus pásztorromantikái Marx és Engels-nél, a füstölgő gyárkémények árnyékában megálmodva.

9 És néha ez egy steril űrhajó minden zöld nélkül, fantáziátlanul, mint Picard kapitány atombunkere.

 

 

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MAGYAR TÁNCREND: 1. LASSÚ ORBÁNCSÁRDÁS 2. FRISS ORBÁNCSÁRDÁS

2018. június 25. 05:42 - RózsaSá

MAGYAR TÁNCREND: 1. LASSÚ ORBÁNCSÁRDÁS, 2. FRISS ORBÁNCSÁRDÁS, 3. LEGÉNYES 4. SIRATÓS

 

-Bejelentette: egyesülünk Horvátországgal és Magyhorv néven indulunk a következő VB-n.

-Orbán az első, akit a Stop Soros miatt be kellene csukni: haverja, az osztrák Kurz bezárja a mecseteket, ezzel Erdogánt erősíti; az ránk engedi a migránsokat, ezért Orbán hozza be az idegen népeket...

-A kereskedelmi háborúra készülve, új tankokat és bombázókat vásárol. -De főnök, ez nem o l y a n háború! -Pofa be! Hátraarc! Lelépni!

-Semjén módosítót nyújtott be az Új Testamentum, Máté 25, 35 paragrafusához: „Jövevény voltam és befogadtatok... és megfizettétek a 25% adót.”

-Juncker és Orbán helyet cserélt. Orbán: Emlékszel, mikor háromszor nyakon vágtál? Nesze! Nesze! Nesze!

-Szerelemlakatot akasztott Orbán és Németh Szilárd az országház kerítésére. A kulcsot a Dunába dobták. (De járókelők búvárruhás alakokat véltek látni a közelben).

-Magánál mennyi a tarifa, képviselő úr? - kérdezte a lány.

-Kormányablak nyílt, mögöttük a kormánytagok: Orbán (bánya-ügyek), Pintér (olaj-ügyek), Kósa (disznó-ügyek), Rogán (lakás-ügyek), Seszták (cég-eltüntetés).

-Palkovics mindent tud: most a villanyautókat rendezi le. „Ahol mi vagyunk, minden tönkre megy, de nem lehetünk mindenütt ott!”

-A farkas nem tekinti az embert zsákmánynak. De van itt egy másik f-betűs...

-1000 mrd-ot nyerünk 2021-ben! Ennyivel többet kellene befizetnünk az EU-ba...”de van jobb.”

-Megjelent az LMP 50 árnyalata című új pártprogram. A kritikusok szerint a pártnak csak egy árnyalata van: a narancssárga.

-Fuss a pénzed után: vándorolj ki Vajdaságba! Az oda küldött 50 mrd-ot ott könnyebb lehívni!

-Vezethetnek autót a szaudi nők. Kimaradt: De csak akkor és oda, amikor és ahová a hátul ülő férfi mondja.

-A múzeumok, a kutatók, a piac éjszakája után - itt a betörők éjszakája...

-Egy éjszaka a mozdonyok között – csalogat a vasútmúzeum. Köszönöm, már többször volt benne részem – mikor lekéstem a csatlakozást!

-Látogassa meg MÁV-múzeumunkat: a Kelenföldi állomást. 100 év óta semmi változás...

-Közlekedési edzőtábor nyílik a fővárosiaknak. Itt gyakorolandó: kigyulladt buszok elhagyása, föl-leszállás 100 emberrel, ellenőrverés, hazatalálás eltévedt járatokról.

-Kölcsönt vettem föl a bankban, 6 milliót, de megfordították a papírt és 9 milliót kértek vissza.

-Mondjátok meg Matolcsynak, máskor ne mossa ki az ezreseket a farmerjaival együtt!

-Hajba kapott a Mária Rádió, a Szent István Rádió és a Mindszenthy Rádió.-Én voltam itt előbb: (Mária R.). -Mi a magyarok utódjai vagyunk! (Szt. István R.). -Mi vagyunk az első szent, akit láttak is nagyapáink! (Mindsz. R.) -Klassz FM Rádió: Páppá-pá-duppá, pám-pám-pá!

-A kormányrádió azt mondta, +3% növekedés lesz, az ellenzéki, hogy -3%. Összeadtam: 0% jött ki. Minek is hallgatok rádiót?

-Nem lehet elektromos fényt és rádiókészüléket, betegség esetén modern orvosi és klinikai eszközöket igénybe venni és egyidőben az Új Testamentum szellem- és csodavilágában hinni, mondja Rudolf Bultmann, 1941-ben. Ha látná a mi kereszténydemokráciánkat, bizony csodálkozna, hogy mégis, mi mindent lehet...

-A nők salátát és veszekedést mindenből tudnak csinálni.

-Mért vetted el a húgát? -Na hallod, egy új anyóst megszokni...

-A múltkor idéztem egy hölgyet, aki szerint volt már fasiszta férje, meg marxista férje, de egyik sem akarta levinni a szemetet... Nos, nekem volt már szőke feleségem, meg vörös is, de egyik sem értett sem a marxizmushoz, sem a fasizmushoz...

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