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Der Weg In Das Atomzeitalter - Armin Hermann

2015. december 28. 20:24 - Ökobetyár

001-cim.jpgÚt az atomkorszakba (magyarul)

Ein unersätzliches Sachbuch, Grundstein der Wissenschaftsgeschichte, enzyklopädisch, gründlich, detailiert, zäh - genießbar nur für Physiker und Chemiker! Die Story von Atomweltbild-Schaffung wird hier erzählt, mit vielen Photos, Diagrammen und Dokumenten. (So werden auch die Nichtspezialisten, die Bilderbücher mögen, doch daran etwas Freude haben.)

Wieso konnte die ungarische Wissenschaft so ein Schatz links liegen lassen? (Ein einziges Exemplar im ganzen Ungarn!)

Von den wissenschaftliches-technischen Errungenschaften (Computer, Auto, Medizin) keiner ist so tödlich, wie die Atombombe und das Atomkraftwerk. Eine nuklear-Rakete - auch unbeabsichtigt - kann uns jeder Zeit treffen und der Atomstrom kann man uns jeden Tag abgeschaltet werden. Tagtäglich sind wir von den Nuklearwaffen in Nord-Korea, Iran, Rußland - aber auch in unseren NATO-Ländern (“Freundschaftsfeuer) bedroht - wenn das uns auch nicht bewußt erscheint.

So, für uns, Atomkraft in Atomzeitalter ist und bleibt ein ewiges “Fluch oder Segen. (Für Ungarn eher ein Fluch, wegen den geplanten zweiten Reaktor in Paks, mit enormen russischen Darlehen).

 

Wenn das Atomzeitalter deutscher Ursprungs ist, dann seine Geschichte kann wohl nur von einem Deutschen geschrieben werden - zB. von Armin Hermann. Wissenschaftsgeschichte ist sein Beruf: Heisenberg- und Planck-Monografien, Physik-Lexikon, Wie die Wissenschaft ihre Unschuld verlor, usw.

 

Das Buch geht mehr oder weniger chronologisch vor: mal heißen die Kapitel, wie die Atomphysiker-Pioniere (Einstein, Hahn); mal nach den Städten benannt, wo sich die Ereignisse abspielten (Salzburg, Berlin). Gibt es aber Theorien-Kapiteltitel (Relativitäts-, Quantentheorie) oder Politik-Leitmotive. Der schwere Fachtext ist mit vielen Forscherszenen, Dialogen, Anekdoten gelockert. Die Physiker sind auch Menschen!

 

Aber schon an Anfang, (“Vor einhundert Jahren, Geburtszeiten von Einstein, Hahn, Meitner, Laue) stellt sich heraus, das es sich die ganze Geschichte, hundert Seiten lang, vorwiegend um diese paar Physiker dreht! Abgesehen davon, daß man Ausländer vergießt, kommen auch viele “arme Landsleute zu kurz! (Hund, Schrödinger, Geiger, Weizsäcker, Dürr).

Madame Curie ist auch wohl der Rede wert, verdiente eigenes Kapitel, denn ihre Tätigkeit hat mehr mit dem Atomzeitalter zu tun, als zB. Laues Strahleninterferenzen! Aus der Sicht einer feministischen Wissenschaftskritik das Bild ist noch düsterer: gutbürgerliche, alte Herren mit Bierbauch, um die Jahrhunderwende, spielen mit dem (Atom)Feuer. Das wird aber erst später, bei den Protesten der Nobelpreisträger sichtbar. Wer dazu noch “Forschen auf deutsch liest, nicht einmal die Max-Planck-Gesellschaft bleibt für ihn unberührt!

 

Erfreulich ist dagegen die Darstellung von Frau Lise Meitner: hier wird ihr Fleiß, Leistungen und Schicksal, in diesem harten Männerwelt, uns detailliert bekannt gegeben.

 

Die Figur Einsteins ragt hoch hinaus - mit ihm ist das ganze Buch voll. Mit recht: er ist ein Paradigmenwechsler. Warum aber das Einstein-Mythos weiter aufblasen? Herr Hermann liest den Paradigmenautor Thomas Kuhn nicht? Von dem Wissenschaftskritiker Feyerabend gar nicht gesprochen! Denn: spätestens bei der Relativitätstheorie tauchen gefährliche erkenntnistheoretische und naturphilosophische Fragen auf. “Newton ist tot - es lebe Einstein! - hier rutscht Heisenberg aus. Kuhn zeigt uns am schönsten: Newton, in seinem Begriffkreis, behält immer recht!

 

Hier würde auch die Bolyai-Nichteuklidische Geometrie, ein Grundstein der Relativitätstheorie, reinpassen - aber, leider, er ist auch kein Deutscher, er ist Ungar. (Von Gauss bekommen wir genug.) Das Wort ”Ungar suchen wir auch vergebens, obwohl etliche Budapester hatten zum Atomzeitalter mehr als genug beigetragen (Wigner, Szilárd, Neumann, Teller). H-Bomben-Teller, bei seinem Vortrag in Budapest 1992, hat etwas von uns abbekommen!

 

So, besonders aus unserem antinuklearen Sicht, die Statue Einsteins bekommt dicke Risse.

Denn, letzten Endes, was hat uns Einstein gebracht:

die A-Bombe und das A-kraftwerk - beide Sackgassen!

Heute, 2016, wo wir die Zeit der “Mythbustler erleben (Higgs - Faust des Atomzeitalters), das neue Paradigma greift auch Einstein an. Die Quantenverschränkung scheint Einsteins Instantenwirkungsverbot und den Lichtgeschwindigkeit-Rekord zu stürzen, dunkle Materie/Energie, Multiversum, Branen rennen Einstein die Tür ein.

Ein endloses Spiel, bis der Vorrat reichts! Gegen Technikwahnsinn spricht auch H.-P. Dürr, Einsteins Kollege:

...unsere ursprüngliche, erlebte Erfahrung viel reicher ist, als die Erfahrung, die sich wissenschaftlich fundieren läßt.” (in: Natur und Wirklichkeit).

Die Technik schreitet nicht voran, bloß vermehrt sich: groß ist der Unterschied zwischen nichts und eine Bakelitplatte, klein aber zwischen Bakelit und Magnetband, CD oder Pendrive. Wir stopfen unsere Wohnung mit Paralelltechniken voll, und nach paar Jahren schmeißen wir sie alle raus, weil sie veraltet sind. Warten auf die Wunderwaffe Quantencomputer, der alle unsere Problem lösen wird?

 

Der Kapiteltitel “Einsteins Quantenkonzept suggeriert uns, er hätte auch noch die Quantenmechanik entdeckt, wobei in der Tat, ganze Zeit hat sich dagegen gewehrt. ( “Gott würfelt nicht”).

 

Deutsche Physiker und Nationalsozialisten: das Verhältnis wird offen und ehrlich dargestellt. Wir erfahren, daß die meisten Physiker Widerstand leisteten, Laues Sohn wurde sogar hingerichtet, mehrere emigrierten (Born, Meitner, Einstein) und nur wenige wurden zu Nazis, wie Fritz Haber. Diesem Mann verdanken wir “das Brot aus der Luft (und die Massen von Waffenmunition!). Sein Schicksal ist mehrfach tragisch: er wird nach dem ersten Weltkrieg wegen Giftgaseinsätze als Kriegsverbrecher gefahndet, danach von Nazis ausgetoßen und verfogt, heute von Biobauern wegen Kunstdünger verflucht.

 

Wir vermissen dem, neulich wieder aufgeflammten, Heisenberg-Bohr-Streit (1939), ein besonderes Kapitel. Konnte oder wollte nicht Heisenberg die deutsche Atombombe weiter bauen? Nahm Bohr eine Skizze - nach dem Gespräch mit Heisenberg - mit in die USA? (Das hätte den Amerikanern einen enormen Stoß in Richtung Bombe gegeben.) In wieweit sind Heisenbergs Entschuldigungen glaubhaft? Wußten die Starter des Manhattan-Projekts, daß sie 180 000 Menschen und eine riesige Atomstadt brauchen werden, um die Bombe zu bauen? Und das, für die Deutschen unter damaligen Umständen, völlig unmöglich war?

Wie auch immer, eins wurde geklärt: die Japaner hätten auch ohne Atombomben-Abwurf kapituliert. (Was für ein Glück für uns, daß die dritte Atombombe bis heute nicht abgeworfen wurde! /Vilmos Csányi/).

 

So wird die Geschichte der A-Bombe hier etwas vernachlässigt - weil sie wurde schon von Robert Jungk ausführlich niedergeschrieben? (“Heller als tausend Sonnen)

Nahezu tragikomisch, wie die Atomphysiker, die den Atomgeist aus der Flasche freigesetzt hatten, ihn nachhinein wieder zurückzustopfen versuchen! Nach “Mainauer Erklärung” vermissen wir die zweite, die Göttinger Erklärung” für atomare Abrüstung, ebenfalls mit Unterschriften von gut ein Dutzend Physiker und Nobelpreisträger. Auch die Spiegel-Affäre 1962, wo die halbe Redaktion verhaftet wurde, auf die Landesverrat-Anzeige von FJ Strauß’, wäre erwähnenswert.

 

Unverzeihlich ist aber Hermanns schwerste “Sünde”: das Streichen des ganzen Kapitels in der II. Auflage, mit antinuklearen und Friedensbewegung! Mutlangen, Ostermärsche, Kalkar, Biblis, Wackersdorf - Proteste und Kampf jahrzehntelang, als nicht geschehen? Was ist passiert, nach der ersten Auflage des “Atomzeitalters? Atomlobby zugeschlagen? Keine Dotationen, Anzeigen mehr?

Zum Glück, uns ist es gelungen, Fragmente hinüber zu retten! (Abgesehen davon, daß wir selbst dabei waren, wie 1982 in Bonn, in 300 000-Demo gegen Atomwaffen.) Ist das kein Atomzeitalter? Oder angesagt ist nur der Weg dahin?

 

Trotzdem konnte der Aufsatz “Einstein - Vater der Weltvernichtung schließlich erscheinen (in Raum&Zeit 1992), wie auch “Zurück die Nobelpreise!” 1988; das, allerdings, nur im kleinen Ungarn.

 

Alles in allem: DER WEG IN DAS ATOMZEITALTER ist und bleibt ein wissenschaftsgeschichtliches Basiswerk.

Für Ungarn heißt es: übersetzen oder deutsch lernen!

 

* * *   Auszüge aus dem Buch   * * *

 

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KAPITEL XV

 

Die politischen Probleme der Kernenergie

Hoffnung und Bedrohung für die Menschheit

 

Im April 1951 zog MAX VON LAUE nach Berlin und übernahm dort das Direktorenamt im Institut für Pysikalische Chemie und Elektrochemie. Er wurde damit der indirekte Nachfolger von FRITZ HABER. der als deutscher Patriot in Krieg und Frieden für sein Vaterland gewirkt hatte, bis er, als Jude, von den Nationalsozialisten vertrieben wurde. Als LAUE sein neues Amt antrat, gehörte aber das Institut nicht mehr zur Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, sondern zur Forschungshochschule Dahlem. Die Wiedereingliederung in die Max-Planck-Gesellschaft, die Nachfolgeorganisation der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft, folgte

erst zwei Jahre später.

OTTO HAHN blieb in Göttingen als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. LISE MEITNER wurde 1947 in den Ruhestand versetzt; statt wie vordem am Nobel-Institut arbeitete sie nun in einem kleinen Laboratorium, das die schwedische Atomenergiebehörde für sie an der Technischen Hochschule in Stockholm eingerichtet hatte, und später an der Schwedischen Akademie für Ingenieurwissenschaften, wo ein Versuchsreaktor stand.

ALBERT EINSTEIN verließ kaum noch die kleine Universitätsstadt Princeton. Hier hatten sich die Menschen an ihn gewöhnt, und es gab keinen Volksauflauf, wenn er von seinem Haus in der Mercer Street zum Institute for Advanced Study ging, wo er nach wie vor seine „Denkzelle“ hatte, sein Arbeitszimmer. MAX von LAUE war der einzige der vier Kollegen, dessen Lebensweg zurück nach Berlin führte.

Stärker als in jeder anderen deutschen Stadt zeigten sich in Berlin die Schäden, die der Krieg angerichtet hatte. Zusammen mit ganzen Wohnvierteln waren die einst geheiligten Tempel der Wissenschaft, die Preußische Akademie, die Technische Hochschule (Charlottenburg, die Physikalisch-Technische Reichsanstalt, die Forschungsinstitute in Dahleın zu Ruinen geworden. Vor den zertrümmerten Mauern der

Friedrich-Wilhelm-Universität weideten Kühe und Schafe. Kaum hatten die notdürftigsten Instandsetzungsarbeiten begonnen, drohten neue Gefahren: Gestützt auf die sowjetische Besatzungsmacht versuchten Kommunisten eine „Demokratie“ in ihrem Sinne in ganz Berlin zu etablieren. „Ich fühle mich“, sagte MAX von LAUE, „gleich den meisten anderen Westberlinern als auf Vorposten stehend gegen den Vormarsch dieser Ungeistigkeit.“

 

Eine Generation zuvor, im Jahre 1918, hatte schon einmal die gleiche Gefahr bestanden. Damals hatte EINSTEIN im Deutschen Reichstag an die revolutionären Studenten appelliert: „Alle wahren Demokraten müssen darüber wachen, daß die alte Klassen-Tyrannei von rechts nicht durch eine Klassen-Tyrannei von links ersetzt werde. Laßt Euch nicht durch Rachegefühle zu der verhängnisvollen Meinung verleiten, daß eine vorläufige Diktatur des Proletariats nötig sei, um Freiheit in die Köpfe der Volksgenossen hineinzuhämmern. Gewalt erzeugt nur Erbitterung, Haß und Reaktion.“EINSTEINs Parole war 1918, daß alle Menschen guten Willens loyal zurdemokratischen Regierung stehen müßten. Wie in seinen wissen-schaftlichen Ansichten folgten ihm die Gelehrten nur langsam und zögernd. Noch mehr als in der Physik stehen in der Politik dem Fortschritt eingewurzelte Vorurteile entgegen. In seinem Buch Die Struktur wissenschaftlicher Revoltionen hat THOMAS S. KUHN die Analogie zwischen der wissenschattlichen und der gesellschaftlichen Entwicklung herausgearbeitet.

 

Der junge EINSTEIN war in der Wissenschaft den Kollegen um Jahrzehnte voraus gewesen; nur langsam halte sich der Abstand verringert. Das entscheidende Datum war das Jahr 1927. Hier blieb EINSTEIN stehen; die jungen Quantenphysiker aber schritten weiter voran, geführt von NIELS BOHR, WERNER HEISENBERG und WOLFGANG PAULI.

Wie war es auf dem politisch-gesellschaftlichcn Gebiet? EINSTEIN hatte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg, im Zeitalter des Imperialismus, als Weltbürger gefühlt. Seine deutschen Kollegen dagegen, auch die jüdischen, wie etwa MAX BORN oder FRITZ HABER, dachten „national“. Erst durch die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges und durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten bahnte sich eine Änderung an. Ein besonders typisches Beispiel war ARNOLD SOMMERFELD: Dem Ostpreußen war der höchste politische Wert das deutsche Vaterland gewesen. 1934 aber schrieb er an EINSTEIN, „daß das nationale Gefühl, das bei mir stark ausgeprägt war, mir gänzlich durch Mißbrauch des Wortes ,national` seitens unserer Machthaber abgewöhnt wurde. Ich hätte jetzt nichts mehr dagegen, wenn Deutschland als Macht zugrunde ginge und in einem befriedeten Europa aufginge.“

Der Pazifismus EINSTEINs war den meisten Berliner Kollegen noch in den zwanziger Jahren suspekt. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg hatten sie endlich alle verstanden, was ein Krieg im Industriezeitalter bedeutet. Wenn sie sich auch nicht ausdrücklich „Pazifisten“ nannten, so waren sie dies doch faktisch geworden.

Die Atombombe hatte das Arsenal des Schreckens noch einmal entscheidend vergrößert. Am 16. Juli 1945 war zum ersten Mal eine Atombombe zur Explosion gebracht worden, und die Menschheit hatte damit die Schwelle in das „Zeitalter des Atoms“ überschritten, wie es im offiziellen Bericht des amerikanischen Kriegsministeriums hieß: „An einem Stahlturm befestigt wurde eine revolutionäre Waffe

 

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- bestimmt, den Krieg, so wie wir ihn kennen, zu ändern oder aller Kriege Ende herbeizuführen - entladen mit einer Wucht, die den Eintritt der Menschheit in eine neue physikalische Welt ankündigte.“ Es gehört zur Tragik seines Lebens, daß gerade EINSTEIN, der den Krieg so sehr haßte, den Anstoß zum Bau der Atombombe gegeben hat. „Meine Beteiligung bei der Herstellung der Bombe bestand in einer einzigen Handlung: Ich unterzeichnete einen Brief an Präsident Roosevelt . Ich war mir der furchtbaren Gefahr wohl bewußt, die das Gelingen dieses Unternehmens für die Menschheit bedeutete, aber die Wahrscheinlichkeit, daß die Deutschen am selben Problem mit Aussicht auf Erfolg arbeiten dürften, hat mich zu diesem Schritt gezwungen. Es blieb mir nichts anderes übrig, obwohl ich stets ein überzeugter Pazifist gewesen bin. Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord.“

EINSTEIN hatte durch seine Formel E = mxc2 den ersten Fingerzeig gegeben; OTTO HAHN durch die Entdeckung der Kemspaltımg die konkrete wissenschaftliche Entwicklung in Gang gebracht. Jetzt fühlten sich beide gleichermaßen verpflichtet, die Welt eindringlich vor einem Atomkrieg zu warnen.

Sehr scharf hat EINSTEIN reagiert, als nach Ausbruch des Korea-Krieges in der amerikanischen Öffentlichkeit Pläne zur Wiederaufrüstung der Bundesrepublik Deutschland und Japans auftauchten. Überrascht habe ihn nicht die Haltung Deutschlands, „sondern die Haltung der westlichen Nationen, die trotz ihrer unglücklichen Erfahrungen in der Vergangenheit eifrigst daran arbeiten, die so gefährliche deutsche Macht wiederherzustellen. “

EINSTEIN hat wohl nicht registriert, daß die Bevölkerung Deutschlands eine grundlegend gewandelte Einstellung besaß. Die Menschen hatten aus den bitteren Erfahrungen zweier Kriege gelernt; sie wollten Frieden. Anders als vor dem Ersten Weltkrieg und anders noch als in den zwanziger Jahren war in Deutschland nicht die Aufrüstung populär, sondern die Entmilitarisierung. Der geplante „Verteidigungsbeitrag“ stieß in der Bevölkerung auf heftigen Widerstand. Einstein in seinen letzten Jahren. Damals dichtete er: „So sieht der alte Kerl jetzt aus/ Du fühlst: Ojeh! Es ist ein Graus/Denk: Auf das Innre kommt es an/ Und überhaupt was liegt daran?“

 

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Der deutsche Bundeskanzler KONRAD ADENAUER hatte mit den drei Besatzungsmächten - den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich - die Pariser Verträge geschlossen. Damit war die Rückgabe der Souveränität an die Bundesrepublik Deutschland verbunden mit der Eingliederung in die militärische Allianz der Westmächte. Bei der Ratifizierung der Verträge im Deutschen Bundestag verschärften sich die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition. Der Nordwestdeutsche Rundfunk kündigte für den 13. Februar 1955 einen Vortrag über die Bedeutung der Kernenergie von WERNER HEISENBERG an. ADENAUER befürchtete, daß HEISENBERG auch einige Worte zu der so leidenschaftlich diskutierten Frage der möglichen Anwendung im Kriege sagen würde. Das mußte die Unruhe der Bevölkerung noch weiter steigern und die Ratifizierung der Verträge ernsthaft gefährden. In einem Telefongespräch beschwor ADENAUER den Physiker, seinen Vortrag abzusagen. HEISENBERG erfüllte die Bitte des Bundeskanzlers.

Der Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks ADOLF GRIMME verständigte sofort HEINRICH KOPF in Hannover, dessen Kabinett er noch kurz zuvor als Kultusminister angehört hatte. Der Ministerpräsident ging selbst zu OTTO HAHN.

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Bundeskanzler Adenauer 1958 bei der Max-Planck-Gesellschaft. Adenauer (links), Heisenberg (Mitte), Laue (halb verdeckt) und Halm (rechts).

 

Aus Otto Hahns Karikaturensammlung

 

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Konstituierung der „Deutschen Atomkommission“ (DA K) 1952. Von links: Heisenberg, Haxel, Hahn und der CSU- Politiker Franz Josef Strauß.

 

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Kopf war als echter Landesvater von Sorgen über den drohenden Krieg gequält mit den unabsehbaren Folgen für die Menschen. Leidenschaftlich sprach er mit OTTO HAHN. „Kopf war innerlich sehr erregt“, notierte dieser in seinem Tagebuch: „So hatte ich ihn noch nie gesehen.“ Am 13. Februar 1955, Sonntagnachmittag zur besten Sendezeit, hörten Hunderttausende OTTO HAHN zum Thema „Kobalt 60 – Gefahr oder Segen für die Menschheit“. Selbst von ihm gesprochen, wurde der Vortrag auch in englischer Fassung in Großbritannien, Dänemark und Norwegen ausgestrahlt.

 

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Die sogenannte „Mainauer Kundgebung“ (15. Juli 1955) der Nobelpreisträger, an deren Abfassung Otto Hahn maßgeblich beteiligt war.

 

Die Reaktion der Menschen war eine Ermutigung. So regte OTTO HAHN eine gemeinsame Erklärung der Nobelpreisträger an, die später als Mainauer Kundgebung Aufsehen erregte:

 

„Wir...sind Naturforscher aus verschiedenen Ländern, verschiedener Rasse, verschiedenen Glaubens, verschiedener politischer Überzeugung. Äußerlich verbindet uns nur der Nobelpreis, den wir haben entgegennehmen dürfen.

 

Mit Freuden haben wir unser Leben in den Dienst der Wissenschaft gestellt. Sie ist, so glauben wir, ein Weg zu einem glücklicheren Leben der Menschen. Wir sehen mit Entsetzen, daß eben diese Wissenschaft der Menschheit Mittel in die Hand gibt, sich selbst zu zerstören.

 

Voller kriegerischer Einsatz der heute möglichen Waffen kann die Erde so sehr radioaktiv verseuchen, daß ganze Völker vernichtet würden. Dieser Tod kann die Neutralen ebenso treffen wie die Kriegführenden.

 

Wenn ein Krieg zwischen den Großmächten entstünde, wer könnte garantieren, daß er sich nicht zu einem solchen tödlichen Kampf entwickelte? So ruft eine Nation, die sich auf einen totalen Krieg einläßt, ihren eigenen Untergang herbei und gefährdet die ganze Welt.

 

Wir leugnen nicht, daß vielleicht heute der Friede gerade durch die Furcht vor diesen tödlichen Waffen aufrechterhalten wird. Trotzdem halten wir es für eine Selbsttäuschung, wenn Regierungen glauben sollten, sie könnten auf lange Zeit gerade durch die Angst vor diesen Waffen den Krieg vermeiden. Angst und Spannung haben so oft Krieg erzeugt. Ebenso scheint es uns eine Selbsttäuschung, zu glauben, kleinere Konflikte könnten weiterhin stets durch die traditionellen Waf fen entschieden werden. ln äußerster Gefahr wird keine Nation sich den Gebrauch irgendeiner Waffe versagen, die die wissenschaftliche Technik erzeugen kann. Alle Nationen müssen zu der Entscheidung kommen, freiwillig auf die Gewalt als letztes Mittel der Politik zu verzichten. Sind sie dazu nicht bereit, so werden sie aufhören zu existieren.“

 

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Lise Meitner an der Tafel: Eine Kerneaktion mit Fluor 19 wird angeschrieben.

 

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Zur gleichen Zeit, als OTTO HAHN die Mainauer Kundgebung vorbereitete, beschäftigte sich auch ALBERT EINSTEIN mit einem Appell an die Weltöffentlichkeit. BERTRAND RUSSEL hatte einen Entwurf an EINSTEIN geschickt. Dieser zog sogleich NIELS BOHR mit heran. „Runzeln Sie Ihre Stirne nicht“, schrieb er, „denn es handelt sich heute nicht um unseren alten physikalischen Streitpunkt, sondern uM etwas, in dem wir völlig einer Meinung sind. BERTRAND RUSSEL . . .will eine kleine Zahl von international angesehenen Gelehrten zusammenbringen, damit sie eine gemeinsame Warnung an alle Völker und Regierungen ergehen lassen wegen der durch die Atomwaffen und das Wettrüsten geschaffenen, alle Völker bedrohenden Situation.“ An der Berühmtheit schien ihnen das wohl der einzige positive Aspekt: Daß sie gehört wurden von den Menschen. MAX VON LAUE und LISE MEITNER blieben in der Öffentlichkeit meist unbehelligt; sie waren nur in der engeren „scientific community“ bekannt. Auf Kongressen wurden freilich auch sie von Journalisten und Studenten umla gert.

 

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OTTO HAHN war auch dem „Mann auf der Straße“ ein Begriff. Was daskonkret bedeutet, geht - ein Beispiel von vielen - aus einem Brief von1953 hervor, den HAHN seiner Frau aus Wien geschrieben hat: „Ichwurde gleich in das Hotel Sacher gebracht und aß dort ein großes StückSachertorte. Alles wäre sehr schön, wenn nicht dauernd Rundfunkgesellsehaften hinter einem her wären. Dadurch kommt man zu nichtsVernünftigem. Plötzlich bin ich wer weiß wie berühmt für eine Sache,mit der ich außer dem ersten Anlaß gar nichts zu tun habe, und bei derich genauso Laie bin, wie jeder andere Sterbliche. Ich komme mir wieein absoluter Hochstapler vor, der Angst haben muß, von einem Kri-minalen ertappt zu werden.“„Eine sonderbare Popularität hat es mit sich gebracht“, schrieb EINSTEIN etwa zur gleichen Zeit, „daß alles was ich tue, sich zu einer geräuschvollen Affenkomödie auswächst. Dies bedeutet für mich einen völligen Hausarrest, der mich in Princeton festhält. Mit der Geigerei ist es nichts mehr bei mir. Mit den Jahren kam es, daß ich die selbsterzeugten Töne einfach nichtmehr aushalten konnte . . .Was geblieben ist, ist die unentwegte Arbeit an den harten wissenschaftlichen Problemen. Dieser faszinierende Zauber wird bis zu dem letzten Schnaufer anhalten.“

Als das 50jährige Jubiläum seiner großen Arbeit von 1905 heranrückte, war EINSTEIN beunruhigt, wieder im Mittelpunkt großer Feiern stehen zu sollen. Eine schwere Erkrankung erschien ihm geradezu als Erlösung. Drei Monate vor seinem Tode schrieb er dem alten Freund MAX VON LAUE: „Ich muß gestehen, daß diese göttliche Fügung für mich auch etwas Befreiendes hat. Denn alles, was irgendwie mit Personenkultus zu tun hat, ist mir immer peinlich gewesen . . . Wenn ich in den Grübeleien eines langen Lebens eines gelernt habe, so ist es dies, daß wir von einer tieferen Einsicht in die elementaren Vorgänge viel weiter entfernt sind, als die meisten unserer Zeitgenossen glauben.“ Ausdrücklich hat er sich ein eigenes Grab und jedes Denkmal verboten. Sein Haus sollte nicht zu einem Museum gemacht werden. MAX VON LAUE griff zur Feder, als ihn die Nachricht vom Tod EINSTEINs erreichte: „Nicht nur das Leben eines großen und edlen Denkers ist zu Ende gegangen, sondern auch eine Epoche der Physik.“

Noch treffender aber hat es in der Übertreibung, der Karikaturist der Washington Post ausgedrückt: Wenn dereinst einmal in ferner Zukunft aus der Tiefe des Weltraumes Intelligenzen (ob Menschen oder menschenähnliche Wesen) den Kosmos durchmustern, dann scheint ihnen von dem planetarischen Staubkorn, das wir Erde nennen, nur eines hervorhebenswert: ALBERT EINSTEIN lived here. Hier hat EINSTEIN gelebt.

 

Handschriftliche Aufzeichnungen Max von Laues am 18. April 1955. Dies war der Tag, als Einstein im Krankenhaus von Princeton starb.

 

KAPITEL VII

 

Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft

Beginn der “ˇBig Science”

 

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Ein entscheidendes Ereignis im Leben von OTTO HAHN und LISE MEITNER war die Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Bei der großen Jahrhundertfeier der Universität Berlin am 11. Oktober l9l0hatte KAISER WILHELM I. den Plan bekanntgegeben, „selbständige Forschungsinstitute als integrierende Teile des Wissenschaftlichen Gesamtorganismus" zu schaffen. Die Notwendigkeit. an den Instituten immer speziellere Forschung zu treiben war in Widerspruch geraten zu den Erfordernissen der akademischen Lehre, wo es darauf ankommt, das Gesamtgebiet übersichtlich darzustellen.

Geistige Grundlage der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft wurde die im Jahr zuvor von ADOLF von HARNACK ausgearbeitete Denkschrift. Sein Hauptbeispiel war gerade die radioaktive Forschung: „Ganze Disziplinen gibt es heute. die in den Rahmen der Hochschule überhaupt nicht mehr hineinpassen, teils weil sie so große maschinelle und instrumentelle Einrichtungen verlangen. daß kein Universitätsinstitut sie sich leisten kann. teils weil sie sich mit Problemen beschäftigen. die für die Studierenden viel zu hoch sind und nur jungen Gelehrten vorgetragen werden können. Dies gilt zum Beispiel für die Lehre von den Elementen und den Atomgewichten. wie sie sich gegenwärtig ausgebildet hat. Sie ist eine Wissenschaft für sich: jeder Fortschritt auf diesem Gebiete ist von der größten Tragweite für das Gesamtgebiet der Chemie; aber im Rahmen der Hochschule kann diese Disziplin nichtmehr untergebracht werden, sie verlangt eigene Laboratorien. "Bei der Abfassung der Denkschrift wurde HARNACK von dem Mediziner AUGUST PAUL VON WASSERMANN und dem Chemiker EUGEN FISCHER beraten. So gehen die Ausführungen über die Radioaktivität mit großer Wahrscheinlichkeit auf FISCHER zurück. Als nach der offiziellen Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft am 10. Januar 1911 sehr rasch feststand, daß als erstes Institut das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie entstehen sollte, fragte EMIL FISCHER seinen Radiochemiker. ob er eine Stelle an dem neuen Institut haben wolle.

Direktor des Instituts und zugleich Leiter der Abteilung für anorganische und physikalische Chemie wurde ERNST BECKMANN, zweiter Direktor und Leiter der Abteilung für organische Chemie RICHARD WILLSTÄTTER. OTTO HAHN erhielt eine eigene kleine Abteilung undeine Berufung auf (zunächst) fünf Jahre. Wenig später kam auch LISEMEITNER an das neue Institut.

Kurz zuvor hatte OTTO HAHN ein Fräulein EDITH JUNGHANS kennengelernt. „Am 5. Oktober 1912 zeigte ich Fräulein JUNGHANS das gerade fertiggestellte Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie und auf dem an schließenden Spaziergang in den nahegelegenen Grunewald verlobten wir uns."

 

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Eröffnung der ersten Kaiser-Wilhelm-Institute 1912: Wilhelm II., Emil Fischer und Adolf von Harnack (von links nach rechts).

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Am 12. Oktober war feierliche Einweihung des neuen Instituts in Anwesenheit KAISER WILHELM I. „Dem Kaiser sollte etwas gezeigt wereden“, erzählte später OTTO HAHN, „und ich wurde gebeten, ihm einige schöne radioaktive Präparate zu demonstrieren. Dies geschah mit einem Mesothorpräparat von etwa einem Drittel Gramm Radiumäquivalent, sehr nett auf einem Samtpolster in einer kleinen Schachtelmontiert und einem emanierenden Radiothorpräparat dessen Emanatinn sehr hübsch über einem Leuchtschirm hin- und herwehte. Vorher allerdings hatte es noch eine unerwartete Schwierigkeit gegeben. Am Tage vor der Eröffnungsfeier des lnstituts kam ein Flügeladjutant des Kaisers zu einer Generalprobe in das Institut. Als ich den hohen Offizier in das verdunkelte Zimmer führen wollte um ihm die radioaktiven Präparate zu zeigen. erklärte der Flügeladjutant: ,Ausgeschlossen, wir können Majestät nicht in ein völlig dunkles Zimmer Schickenf. Es gab nun längere Diskussionen rnit dem Adjutanten und dem um Hilfe angerufenen EMIL FISCHER. Das Ergebnis war ein kleines rotes Lämpchen als Kompromiß. Als dann am nächsten Tag der Kaiser kam, hatte er nicht die geringste Hemmung, auch in den dunklen Raum zu gehen, und alles wickelte sich programmgemäß ab. LISEMEITNER stand zunächst bescheiden im Hintergrund, aber sie konnte nicht verhindern, daß auch sie Seiner Majestät vorgestellt wurde, der dann leutselig ein paar Worte sagte."

35 Jahre später war OTTO HAHN selbst Präsident der Gesellschaft. Ersetzte sich dafür ein, den Namen des Kaisers als Bezeichnung für die Gesellschaft zu erhalten, während LISE MEITNER durch ihre späteren Erlebnisse im Berlin der dreißiger Jahre und im Ausland erkannt hatte, daß die historische Kontinuität in Deutschland nicht zu pietätvollgepflegt werden sollte. Für den Kaiser waren Wissenschaft, Heer und Marine glänzendes

Spielzeug. Kriegerische Reden und Heldenposen gehörten dazu; vonder eigengesetzlichen Dynamik eines solchen Spieles ahnte er nichts. Ohne es zu wollen, hatte er Schuld am Ausbruch des Krieges. „All seine unberechenbaren und brüsken Handlungen während der letzten Jahre sind das Werk pangermanistischer Drahtzieher, die ihn verführten, ohne daß er sich dessen bewußt wurde.“ Dies war die Meinung EINSTEINs.

Laue als Reserveoffizier im Jahre 1904. Später sagte Einstein über seinen Freund, daß er sich „schrittweise von den Traditionen der Herde losgerissen“ habe „unter der Wirkung eines starken Rechtsgefühls. “ Einstein meinte damit Laues Entwicklung vom Offizier and loyalen Staatsdiener zum Kämpfer gegen die Tyrannei des Dritten Reiches.

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Schon in den ersten Kriegstagen 1914 wurde OTTO HAHN eingezogen. Mitte Januar 1915 wurde er zu FRITZ HABER, dem Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie, beordert. FRITZ HABER hatte 1908 das Verfahren der Hochdruck-Ammoniak-Synthese erfunden, dem jetzt im Kriege eine entscheidende Bedeutung zufiel. Er war Jude und ein glühender deutscher Patriot.

„HABER erklärte mir“, erzählte später OTTO HAHN, „daß die erstarrten Fronten im Westen nur durch neue Waffen in Bewegung zu bringenseien, wobei man in erster Linie an aggressive und giftige Gase, vor allem Chlorgas. denke, das aus den vordersten Stellungen auf den Gegner abgeblasen werden müsse. Auf meinen Einwand, daß diese Art von Kriegsführung gegen die Haager Konvention verstoße, meinte er,die Franzosen hätten wenn auch in unzureichender Form, nämlich mit gasgefüllter Gewehrmunition - den Anfang hierzu gemacht. Auchseien unzählige Menschen zu retten, wenn der Krieg auf diese Weiseschneller beendet werden könne.“

Im Pionierregiment 36 trafen sich die Berliner Kollegen wieder: JAMESFRANCK, GUSTAV HERTZ, WILHELM WESTFAHL und ERWIN MADELUNG. Noch Ein Jahr zuvor hatten sie im Hause PLANCKs Chorwerke von Haydn und Brahms aufgeführt und im Kolloquium um die neue Physik gerungen. Jetzt lernten sie, mit Gas Menschen umzubringen. OTTO HAHN wurde an allen Fronten eingesetzt. In Polen leitete er einmal einen Gasangriff mit einer Mischung aus Chlor und Phosgen. Beim anschließenden Vormarsch traf er auf einige gasvergiftete Russen. „lch war damals tief beschänıt und innerlich sehr erregt. Erst haben wir die russischen Soldaten mit unserem Gas angegriffen, und als

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Otto Hahn und seine Kollegen als Offiziere im Ersten Weltkrieg. Von links nach rechts; Hahn, Kurtz, Madelurng, Westphal, Hertz.

wir dann die armen Kerle liegen und langsam sterben sahen, haben wir ihnen mit unseren Selbstrettern das Atmen erleichtert. Da wurde uns die ganze Unsinnigkeit des Krieges bewußt. Erst versucht man, den Unbekannten im feindlichen Graben auszuschalten, aber wenn man ihm Auge in Auge gegenübersteht, kann man den Anblick nicht ertragen und hilft ihm wieder. Doch retten konnten wir die armen Menschen nicht mehr.“

Wie viele andere meldete sich auch MAX VON LAUE. freiwillig beim Kriegsausbruch: Seiner Meinung nach geschah Deutschland Unrecht. Er lehnte sogar einen Ruf in die Schweiz ab, um das Schicksal seines Volkes zu teilen. Da aber LAUE wegen eines Nervenleidens l911 seinen Abschied als Reserveoffizier genommen hatte, wurde er jetzt vonder Musterungs kommissien abgewiesen. Im Juli 1915 rückte LISE MEITNER ins Feld. Durch ihre Arbeit war sie Spezialistin auf dem Gebiet der Strahlenphysik geworden und dienten un ihrem Vaterland Österreich in Frontspitälern als Röntgenologin.

Wie in der Wissenschaft war EINSTEIN auch im politischen Urteil seinen Kollegen um Jahre voraus. Für ihn war vom ersten Tage an der Krieg ein zu verachtendes Unternehmen. „Die internationale Katastrophe lastet schwer auf mir internationalem Menschen“. sagte er zu PAUL EHRENFEST. „Man begreift schwer beim Erleben dieser großen Zeit, daß man dieser verrückten. verkommenen Spezies angehört, dies ich Willensfreiheit zuschreibt. Wenn es doch irgendwo eine Insel für die Wohlwollenden und Besonnenen gäbe. Da wollte ich auch glühender Patriot sein.“

 

 

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